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Halbzeit im Landtag: Christian Klingens Politik aus und in der Nische

Was macht eigentlich AfD-Abgeordneter Christian Klingen? Eine Zwischenbilanz zur Halbzeit seiner ersten Legislaturperiode im Landtag.
Der AfD-Abgeordnete Christian Klingen präsentiert in seinem Bürgerbüro am Marktplatz in Kitzingen seine Internetseiten auf dem Laptop.
Foto: Andreas Brachs | Der AfD-Abgeordnete Christian Klingen präsentiert in seinem Bürgerbüro am Marktplatz in Kitzingen seine Internetseiten auf dem Laptop.

Christian Klingen ist der erste AfD-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Kitzingen. Seit zweieinhalb Jahren sitzt er im Parlament des Freistaats. Zur Hälfte der Amtsperiode zieht die Redaktion eine Zwischenbilanz.

Als Klingen startete, war vieles anders, als man es von etablierten Parteien kannte. Die AfD, seit November 2018 erstmals im bayerischen Landtag, hatte noch keine Strukturen, keine erfahrenen Mandatsträger, die die Neuen hätten einlernen kennen. Es gab weder Büros noch Mitarbeiter. Insofern sei das erste Jahr nicht leicht gewesen, sagt Klingen.

Dabei hat nicht geholfen, dass die Gruppierung im Landtag bis heute unversöhnlich in zwei Lager zerstritten ist: Das eine steht dem rechtsextremen Kurs von Björn Höcke, Fraktionsführer der AfD in Thüringen, nahe. Das andere, zu dem Klingen sich nach seiner Abkehr von Höcke zählt, nennt er selbst "bürgerlich-konservativ". Folglich lässt die bayerische AfD-Fraktion eine Politik aus einem Guss vermissen.

AfD-Abgeordneter hat sich Nischenthemen gesucht

Auch der 56-jährige Klingen selbst ist nicht Vertreter seines Wahlkreises in allen politischen Fragen, sondern hat sich Nischenthemen gesucht. Die Mischung hat mit seiner beruflichen Laufbahn zu tun. Als ehemaliger Polizeibeamter setzt er auf Themen wie Innere Sicherheit, aber mit dem speziellen Fokus der AfD: Hinweise auf Gewalt und Straftaten von Ausländern und Flüchtlingen sowie auf islamistischen Terror verbreitet er häufig auf seinen Internet-Seiten. Klingen schreibt dazu: "Unser einst sicheres Land kann derzeit den Schutz seiner Bürger nicht mehr im notwendigen Umfang sicherstellen."

Der Abgeordnete arbeitete jahrelang in der Uni Würzburg in der Stabsstelle für Tier- und Umweltschutz, und Klingen ist Mitglied in mehreren Umwelt- und Tierschutzverbänden. Daher hat er entsprechende Themen auf seiner Agenda. Beispielsweise will er Pestizideinsätze per Hubschrauber verbieten, um die Tierarten nicht zu beeinträchtigen, oder fordert, die Dächer von Buswartehäuschen mit insektenfreundlichem Grün bewachsen zu lassen. Auf der anderen Seite sträubt sich der AfDler gegen einen Klimavorbehalt bei politischen Entscheidungen in Anlehnung an das Pariser Klimaschutz-Abkommen. Entsprechende Vorstöße der Grünen geißelt er als "pseudo-religiösen Öko-Faschismus". 

Bei den Themen Wirtschaft und Demokratie finden sich bekannte AfD-Einstellungen: Aufgrund von Entscheidungen zugunsten des "Großkapitals" sieht Klingen "unseren Wohlstand geopfert", Rechte der Bürger "geschleift" und die Bevölkerung "ausgebeutet".  Vor diesem Hintergrund will er die Mittelschicht und die Arbeitnehmer stärken und mehr direkte Demokratie einführen, zugleich Brauchtum und den Stolz auf die Heimat bewahren. Mehr Programmatik findet sich nicht auf Klingens Internetseite. 

Rückepferde statt Holzerntemaschinen einsetzen

Im Landkreis hat die AfD unter ihrem Kreisvorsitzenden Klingen zwar einen Kreisverband, doch örtliche Gliederungen sind bislang nicht in Erscheinung getreten. Die AfD hat nach aktuellen Umfragen in Bayern ein Wählerpotenzial von etwa acht Prozent, doch das spiegelt sich nicht im Engagement der Basis für die Partei wider. Ein AfD-Stadtratsmitglied gibt es nur in Kitzingen; drei Räte, darunter das Ehepaar Klingen, sitzen im Kreistag.

Klingen unterstützt dessen Bemühen, ein Naturparkzentrum auf dem Schwanberg gefördert zu bekommen. Er befürwortet den Bau der BNE-Station in Marktsteft und den Neubau des Kitzinger Tierheims – alles Themen, die von anderen Parteien angestoßen wurden. Eigeninitiative zeigte der Abgeordnete mit einer Anfrage ans Forstministerium, in der er vorschlug, Rückepferde in besonderen Situationen die Arbeit von Holz-Erntemaschinen übernehmen zu lassen, aus ökologischen Gründen. Solche Rückepferde im Forst könnte sich Klingen auf dem Schwanberg vorstellen.

Zu seiner politischen Zukunft sagt Klingen im Gespräch mit der Redaktion, dass er in der AfD bleiben wolle, vorausgesetzt, die Unterstützer des rechtsextremen Höcke würden sich nicht durchsetzen. Damit distanziert sich Klingen vom offiziell aufgelösten "Flügel" um Höcke, dem Klingen einst selbst angehörte. Damit hofft er auf Veränderungen in seiner Landtagsfraktion durch die Vorstandswahlen im Herbst. Er selbst würde sich für ein Amt zur Verfügung stellen, sagt er. Ebenfalls will er bei den Landtagswahlen im Herbst 2023 wieder antreten. 

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