Dettelbach

Neue Ausstellung: Aus Scherben entsteht Neues

Eine strahlende Anne Sauer freut sich vor einem bunten Wandmosaik auf die bevorstehende Ausstellung in Dettelbach.
Foto: Anne Sauer | Eine strahlende Anne Sauer freut sich vor einem bunten Wandmosaik auf die bevorstehende Ausstellung in Dettelbach.

Dettelbach/Bibergau Wer durch den Dettelbacher Ortsteil Bibergau fährt, dessen Blick bleibt vielleicht an einem besonderen Haus hängen, das inzwischen als „Mosaikhaus“ bekannt ist. Zahlreiche Fliesenmosaike mit Blumenmotiven zieren die Hausfassade, die Garage und den Garten und tauchen alles in ein orientalisches Ambiente. Das Haus bewohnt die Künstlerin Anne Sauer, die ihre Kunst ab dem Wochenende im Dettelbacher Kultur- und Kommunikationszentrum präsentiert.

Ihre Werke versprühen mit bunten Farben und fröhlichen Motiven geradezu gute Laune. Ist das auch Ihre Intention?

Anne Sauer: Beim Malen habe ich keine Intention. Ich male, was gerade aus mir herauskommt. Bei den Bildern meiner Regenbogenserie war ich selbst überrascht von den Ergebnissen, weil sie in einer Zeit entstanden, als ich mitten in einer Depression steckte. Alles hat sich total schwarz und düster angefühlt. Meine Erklärung dafür: In mir – wie vermutlich in jedem – muss es einen unerschütterlichen positiven Ort geben, der einem manchmal nur nicht zugänglich erscheint.

Sie haben in Bibergau sogar Ihr Haus zum Kunstwerk gemacht. War das von Anfang an so geplant? Und sind Sie mit Ihrem Werk schon am Ende?

Anne Sauer: Geplant war das nicht. Es hat sich aber – nachdem der Anfang gemacht war – sehr schnell so entwickelt. Ich habe mir da einen Kokon nach meinen Vorstellungen erschaffen, der mich umhüllt und in dem ich mich sehr wohl fühle. Obwohl schon sehr viel am Haus gestaltet ist, finde ich immer wieder Stellen, an denen ich weiter arbeite oder die ich umgestalte. Das Haus wächst mit mir.

Wie haben Sie die Mosaikkunst für sich entdeckt?

Anne Sauer: Ich habe während unseres Hausbaus in einem Buch ein Mosaik entdeckt, das als Spritzschutz hinter einem Waschbecken gedient hat. Das hat mir sehr gefallen und ich habe mich informiert, wie man ein Mosaik klebt. Es ist eigentlich sehr einfach. Was mir am Mosaikkleben besonders gefällt, ist, dass aus Scherben und Resten etwas Neues und Schönes entsteht. Es ist eine gute Übung für das Leben. Da muss man ja auch manchmal schauen, was man mit Trümmern und Scherben anfängt.

Im KUK zeigen Sie jetzt aber in erster Linie gemalte Bilder? Auf vielen davon sind Kreise zu sehen. Was steckt dahinter?

Anne Sauer: In der Ausstellung sind tatsächlich hauptsächlich Bilder, aber auch vier Mosaike und ein Steinobjekt zu sehen. Die Besucher erwartet ein Einblick in meine Welt, die meistens sehr bunt und fröhlich ist. Warum in vielen meiner Werke Kreise beziehungsweise Spiralen zu finden sind, kann ich Ihnen nicht wirklich sagen. Ich vermute aber, dass ich den Weg zu mir und meiner Mitte suche und sich das in den Motiven widerspiegelt.

Ein Teil der Ausstellung nennt sich „Kunst für Kinder“. Haben Sie hier mit Kindern gemalt? Oder für Kinder?

Anne Sauer: Es ist Kunst für Kinder. Ich finde, auch Kinder können Kunstwerke in ihren Zimmern haben. Da ich Grundschullehrerin bin, habe ich natürlich einen engen Bezug zu Kindern.

Wie haben Sie als Künstlerin das vergangene Jahr erlebt?

Anne Sauer: Das letzte Jahr war für viele Menschen sehr herausfordernd, gerade auch für Künstler, die kein anderes finanzielles Standbein haben. Ich selbst habe es sehr gut überstanden, da ich einen wundervollen Ehemann, einen krisensicheren Beruf als Lehrerin und einen Garten habe, in dem ich mich sehr viel und lange aufhalte. Worüber sollte ich mich also beklagen? Ich versuche, in allen Lagen das Positive zu sehen – das ist sehr hilfreich. Und letztlich wird auch Corona – wie alles andere – irgendwann vorbei sein. Und dann werden wir vermutlich viele Dinge, die vor Corona selbstverständlich waren und es gerade nicht sind, wieder mehr zu schätzen wissen.

Zaubermosaik

Wer? Anne Sauer, geb. 1974, ist Lehrerin und Künstlerin und lebt seit über 20 Jahren in Bibergau, wo ihr „Mosaikhaus“ ein echter Hingucker ist. Bereits in ihrer Kindheit sammelte sie künstlerische Erfahrungen bei ihrer Großmutter, die Bauernmalerei betrieb und auch Seidentücher bemalte. Mit 37 Jahren kam sie zum Yoga und kurze Zeit später entstand die erste gemalte Bilderserie „Wege zur Mitte“. Ab 2018 entstand in einer schweren Lebensphase ihre zweite Bilderserie „Die Kraft des Regenbogens“. Unter dem Pseudonym „Zaubermosaik“ ist Anne Sauer im Internet, bei YouTube und auf Instagram vertreten.

Wann und wo? Ab sofort bis 2. Mai im Kultur- und Kommunikationszentrum Dettelbach. Anmeldung (je nach Inzidenz): Tel. 09324/3560, tourismus@dettelbach.de. Zur Eröffnung wird es auf www.dettelbach-entdecken.de ein kleines Video geben. Ob die geplante Midissage am 9. April stattfinden kann, ist aktuell noch nicht vorhersehbar.

Fliesenmosaike mit Blumenmotiven zieren nicht nur die Hausfassade von Anne Sauers Haus in Bibergau.
Foto: Anne Sauer | Fliesenmosaike mit Blumenmotiven zieren nicht nur die Hausfassade von Anne Sauers Haus in Bibergau.
„Wege zur Mitte“ ist der Titel dieses Bildes, das ab dem Wochenende im KuK zu sehen ist.
Foto: Anne Sauer | „Wege zur Mitte“ ist der Titel dieses Bildes, das ab dem Wochenende im KuK zu sehen ist.
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