Kitzingen

Neue Wege am Weltgebetstag

Grete Siart und Gisela Kunz haben im Altarraum der Fröhstockheimer Kirche viele Informationen über das Leben in Vanuatu zusammengestellt. Zur Ausstellung gehört außerdem eine Wand mit vielen Fotos aus dem Land im Südpazifik.
Foto: Daniela Röllinger | Grete Siart und Gisela Kunz haben im Altarraum der Fröhstockheimer Kirche viele Informationen über das Leben in Vanuatu zusammengestellt.

So wie immer geht es nicht. „Aber ausfallen lassen kam nicht in Frage“, sagt Brigitte Kapp. Die Mainsondheimerin engagiert sich seit Jahren beim Weltgebetstag der Frauen. Der kann an diesem Freitag wegen Corona nicht in der gewohnten Form durchgeführt werden. Wobei darin vielleicht sogar eine kleine Chance liegt.

Es ist mehr als nur ein Gottesdienst, der alljährlich am ersten Freitag im März in vielen Kirchen und Gebäuden rund um den Erdball gefeiert wird. Der Weltgebetstag ist die weltweit größte Basis-Bewegung christlicher Frauen. Ihr Ziel ist es, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Jedes Jahr wird ein anderes Land vorgestellt, seine Geschichte, seine Landschaft, die Situation der Frauen, die dort leben.

Alles dreht sich um Vanuatu

In diesem Jahr haben Frauen aus Vanuatu die Lieder, Texte und Gebete für den Weltgebetstag ausgesucht, die dann in Gottesdiensten in 150 Ländern und 88 Sprachen vorgestellt werden. Vanuatu ist ein Inselstaat im Südpazifik, der erst seit 1980 unabhängige Republik ist. Die 300.000 Einwohner leben auf 67 der insgesamt 83 Inseln, in einer wunderschönen Landschaft, aber auch bedroht von Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Zyklonen. An den Stränden werden Unmengen von Plastik angespült. Die Rollenverteilung ist traditionell, in der Politik gibt es so gut wie keine Frauen, die Gewalt gegen Frauen ist eine der höchsten im Pazifischen Raum.

Im Landkreis Kitzingen beteiligen sich alljährlich viele Gemeinden am Weltgebetstag. Normalerweise findet im Januar ein Vorbereitungstreffen statt, bei dem ein Team rund um Pfarrerin Raffaela Meiser die Frauen darüber informiert, wie der Weltgebetstag umgesetzt werden kann. Über 80 Frauen waren im vergangenen Jahr dabei. Es gibt Informationen über das jeweilige Land, Gespräche, Gesang, Workshops, einen landestypischen Imbiss, Rezepte... Mit ihren Ideen kehren die Frauen in ihre Heimatgemeinden zurück und organisieren dort - meist wieder im Team – den Weltgebetstag am ersten Freitag im März. „In diesem Jahr ging das nicht“, sagt Brigitte Kapp, die zum Vorbereitungsteam gehört, das Treffen musste ausfallen. Die früheren Teilnehmerinnen und bekannten Organisatorinnen wurden deshalb angeschrieben, Arbeitsmaterial zur Vorbereitung wurde verschickt. Vorgaben über die Gestaltung des Weltgebetstags gibt es nicht, wohl aber Vorschläge für eine Umsetzung in Corona-Zeiten. Und so fällt Weltgebetstag in aller Welt, aber auch im Landkreis Kitzingen heuer ganz unterschiedlich aus. In einigen Gemeinden gibt es wegen Corona keinerlei Aktionen. In anderen Orten werden Gottesdienste gefeiert, wie beispielsweise in Kitzingen um 19 Uhr in der evangelischen Stadtkirche. In Kitzingen Stadt wechselt die Vorbereitung für diesen Gottesdienste jährlich, diesmal sind die evangelischen Frauen an der Reihe. Natürlich wird der Gottesdienst anders aussehen als in den vergangenen Jahren. „Wir singen nicht, es gibt kein darstellendes Spiel, Abstand muss eingehalten werden, Masken sind zu tragen“, erzählt Margit Engel, die sich seit 40 Jahren aktiv am Weltgebetstag beteiligt. Die Lieder kommen vom Band, es gibt Bilder und Plakate, auf denen das Land vorgestellt wird, die Besucher bekommen ein kleines Mitbringsel mit nach Hause. Übertragen wird der Gottesdienst aus der Kitzinger Stadtkirche nicht – während beispielsweise die Frauen aus Castell und Abtswind einen Gottesdienst über die Plattform Zoom anbieten.

Fußdrückerandacht

Auch in Rödelsee und Fröhstockheim wird der Weltgebetstag abwechselnd nach Konfession und Ort organisiert. Mal sind die katholischen Frauen aus Rödelsee an der Reihe, mal die evangelischen – und in diesem Jahr die Fröhstockheimer Frauen. „Wir haben erst überlegt, ob wir einen Gottesdienst durchführen sollen“, sagt Grete Siart. Doch aufgrund der vorgeschriebenen Abstände wäre nur wenig Platz in der Kirche. „Wen lässt man dann rein?“ Zudem ist ein großes Team an der Organisation und Umsetzung beteiligt, samt Chor und Musik. Grete Siart und ihre Mitstreiterinnen haben sich deshalb eine Alternative überlegt. Sie haben den Chorraum geschmückt, Infotafeln über den Weltgebetstag und über Vanuatu aufgestellt. Die Bilder und Texte können sich alle Interessenten von Freitag, 10 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr in der Kirche anschauen. Auch eine Spendenbox steht bereit, Spendenbriefe liegen aus. Zudem gibt es eine „Fußdrückerandacht“. Grete Siart erklärt, was es damit auf sich hat: „Vor der Sakristei gibt es einen Schalter, da drückt man drauf und hört dann Musik und einen Text.“ Diese Andachten gab es schon zu Weihnachten und in der jetzigen Passionszeit. Auch für den Weltgebetstag hat Pfarrerin Raffaela Meiser den entsprechenden Text eingesprochen.

„Die derzeitige Situation trifft die Länder besonders hart“, weiß Brigitte Kapp, gerade jetzt sei eine Unterstützung lebensnotwendig. Deshalb sei es für die Mainsondheimer Frauen auch keine Alternative gewesen, den Weltgebetstag ausfallen zu lassen. Dass man nicht wie sonst gemeinsam im Sportheim einen Gottesdienst feiern, singen, beten und einen landestypischen Imbiss einnehmen kann, sei allerdings schon im Herbst klar gewesen. Stattdessen hat sie jetzt mit ihrem Team an über 50 Haushalte die Gottesdienstordnung mit Länderinformationen, Texten, einer Karte, einem Segensbändchen und einem Spendenflyer verteilt. Sechs Stellwände mit Bildern und Texten über Vanuatu informieren ab Freitag in der Kirche über das Land. Brigitte Kapp wird am Freitag von 16 bis 18 Uhr in der Kirche sein und Lieder vom Band abspielen.

Ausstellung bis Ende März

Mit Hilfe der verteilten Gottesdienstordnung können die Menschen dann unter Beachtung der Corona-Vorschriften auch in der Kirche beten. Einen richtigen Gottesdienst gibt es allerdings nicht. „Das war uns zu heiß“, erklärt Kapp. 20 Menschen dürfen gleichzeitig in die Kirche, sie müssen Masken tragen und Hände desinfizieren. Die Ausstellung ist nicht nur am eigentlichen Weltgebetstag zu sehen, sondern bleibt bis Ende März stehen. „Vielleicht erreichen wir so auch Leute, die nichts mit dem Weltgebetstag oder der Kirche am Hut haben“, sieht Brigitte Kapp sogar eine kleine Chance im veränderten Ablauf. Schließlich gehe es beim Weltgebetstag nicht direkt um die Kirche. Er sei vielmehr ein Projekt ehrenamtlich tätiger Frauen, das Hilfe zur Selbsthilfe in verschiedensten Ländern auf der Welt ermögliche. „So etwas sollte nicht ausfallen“, betont die Mainsondheimerin. Wie der „andere“ Weltgebetstag angenommen wird, darauf sind die Frauen in Kitzingen, Fröhstockheim und Mainsondheim gleichermaßen gespannt. „Manche haben gleich gesagt, sie gehen nicht in die Kirche“, sagt Margit Engel. „Andere finden es toll, dass wir etwas machen.“

Neue Wege am Weltgebetstag       -  Bis Ende März informiert eine Ausstellung in der Mainsondheimer Kirche über den Inselstaat Vanuatu. Brigitte Kapp und ihr Team haben sie zusammengestellt und zusätzlich die Gottesdienstordnung und viel Info–Material an die Haushalte verteilt.
Foto: Brigitte Kapp | Bis Ende März informiert eine Ausstellung in der Mainsondheimer Kirche über den Inselstaat Vanuatu. Brigitte Kapp und ihr Team haben sie zusammengestellt und zusätzlich die Gottesdienstordnung und viel ...
Der Druck auf den Schalter startet Musik und von Pfarrerin Meiser eingesprochene Texte: Grete Siart zeigt, wie die „Fußdrückerandachten“ in der Fröhstockheimer Kirche funktionieren. Auch für den Weltgebetstag gibt es eine extra Andacht.
Foto: Daniela Röllinger | Der Druck auf den Schalter startet Musik und von Pfarrerin Meiser eingesprochene Texte: Grete Siart zeigt, wie die „Fußdrückerandachten“ in der Fröhstockheimer Kirche funktionieren.
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