Wiesentheid

Neuer Eklat: Michael Rückel tritt aus Wiesentheider Bürgerblock aus

Der langjährige Streiter für Freie Wähler und Bürgerblock setzt den Endpunkt hinter einen langen Konflikt. Was dazu führte und wie es nun für ihn und im Gemeinderat weitergeht.
Michael Rückel  (Archivbild) verlässt Bürgerblock und Freie Wähler in Wiesentheid, bleibt aber im Gemeinderat.
Foto: Elke Anselm | Michael Rückel  (Archivbild) verlässt Bürgerblock und Freie Wähler in Wiesentheid, bleibt aber im Gemeinderat.

Zum Jahreswechsel hat es einen kommunalpolitischen Paukenschlag in Wiesentheid gegeben. Mit Michael Rückel hat der langjährige Sprecher der Gemeinderatsfraktion des Bürgerblocks seinen Austritt aus der Fraktion im Rat wie auch aus den Freien Wählern erklärt.  Rückel gehört auch in dieser Periode dem Ratsgremium an; bei den Wahlen im Vorjahr fuhr er mit 1414 Stimmen das zweitbeste Ergebnis aller Räte ein. Lediglich Klaus Köhler, der für die Freien überraschend die Wahl zum Bürgermeister gewann, hatte mehr Stimmen bekommen.

Rückel (51) wird sein Mandat künftig als Fraktionsloser im Gemeinderat fortführen, wie er auf Nachfrage sagte. Für das Gremium bedeutet das, dass nun über eine Neubesetzung der Ausschüsse in der nächsten Sitzung zu beraten ist. Die Fraktion aus Bürgerblock, SPD, Ortsteilen und Bündnis 90/Die Grünen hatte mit Rückel eine knappe 9:8-Mehrheit im Rat gegenüber der Fraktion Pro Wiesentheid/CSU.

Zwei Generationen der Familie im Rat

Der Austritt von Michael Rückel nach 26 Mitgliedsjahren beim Bürgerblock besitzt auch deswegen Brisanz, weil sein Vater Alfred zu den Urgesteinen der Freien in Wiesentheid zählt. Dieser saß dort immerhin 24 Jahre am Ratstisch und fungierte zwölf Jahre als Zweiter Bürgermeister. 2008 schied er aus; ihm folgte sein Sohn Michael in das Gremium.

Seinen Entschluss, Fraktion und Gruppierung zu verlassen, teilte Michael Rückel den Verantwortlichen der Freien Wähler laut Fraktionssprecher Hans Müller in einem mehrseitigen Schreiben mit. Seit November 2019 habe sich einiges aufgestaut; er sei nicht leichten Herzens gegangen. „Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu reden“, sagte Rückel auf Nachfrage.

Die Gründe haben ihren Ursprung im Vorfeld der letzten Wahlen. Michael Rückel wollte als Bürgermeister-Kandidat für die Freien Wähler gegen den damaligen Amtsinhaber Werner Knaier (CSU) antreten, was schließlich aber nicht zustande kam.  

Konflikt hat lange Vorgeschichte

Den Ausschlag für seinen Rückzug von der Kandidatur gab aus Rückels Sicht eine Ratssitzung im November 2019. Bei dieser hatte der 51-Jährige nach einer hitzigen Debatte Redeverbot unter Androhung eines Ordnungsgeldes von Bürgermeister Knaier erhalten. Aus Protest dagegen verließen daraufhin er und vier weitere Räte die noch laufende Sitzung.  

Zwei Fraktionskollegen waren jedoch am Ratstisch sitzengeblieben, was Rückel im Nachhinein so interpretierte, dass nicht die gesamte Fraktion hinter ihm gestanden habe. Rückel nennt das in seiner aktuellen Stellungnahme einen „ersten spürbaren Bruch“. Er habe damals von seiner Fraktion ein „gegenseitiges Füreinander-Einstehen“ erwartet.

Wenig später gab er seinen Verzicht auf die Kandidatur zum Bürgermeister bekannt. Für die Freien ging kurzerhand damals Klaus Köhler ins Rennen um den Posten. Die große Überraschung: Köhler wurde im März schließlich mit knapper Mehrheit gewählt und gewann als Neuling gegen den Platzhirsch Knaier.

In der Rückschau sagt Rückel, dass er sich aus dem Wahlkampf 2020  „extrem herausgehalten“ habe, weil ihn das „Parteigezänke“, wie er es nennt, geprägt habe. Für die Wahlen zum Gemeinderat habe er „einen persönlichen Wahlflyer für die Kommunalwahl 2020 für meine Person, mit Beispielen meines bisherigen Einsatzes für die Gemeinde und den Eigenschaften, die mich kennzeichnen“, erstellt. Sein Wahlergebnis habe ihn, so Rückel, später bestätigt.

Rückel vermisst Wertschätzung, Bürgerblock seine Anwesenheit

Nach dem 15. März habe es dann beim Bürgerblock erneut „Vorfälle, Entscheidungen und Aussagen“ gegeben, die „eine persönliche Wertschätzung und eine Vertrauensbasis vermissen ließen, die mit meinen sachlichen und fachlichen Grundvorstellungen unvereinbar sind sowie sehr unschöne Worte gegen meine Person und die Familie“. Als Konsequenz sei er nun aus dem Bürgerblock ausgetreten, schreibt er.

Der neue Bürgermeister aus den Reihen der Freien Wähler, Klaus Köhler, betonte bereits im Vorfeld und auch nach Amtsantritt stets, dass er Brücken bauen und für einen neuen Anfang im damals angespannten Gremium sorgen wolle. Um das zu zeigen, ließen Köhler und die Fraktion nicht nur mit Harald Rößner einen Mann aus den eigenen Reihen zum Zweiten Bürgermeister wählen. Man verzichtete auf eine Kampfabstimmung beim weiteren Stellvertreter. Die Gemeinschaft Pro Wiesentheid/CSU bekam einen der beiden Vertreter-Posten, den diese mit Helma Schug besetzte.

Für Bürgermeister Klaus Köhler (Bürgerblock) kommt der Austritt Rückels nicht überraschend. Er wolle nicht viel dazu sagen, sagt Köhler. „Es war schon angekündigt. Ich wünsche ihm alles Gute.“

Der  jetzige Fraktionssprecher des Bürgerblocks im Gemeinderat, Hans Müller, bedauert den Schnitt und dankt Rückel für vieles, was dieser für den Bürgerblock getan habe. Müller sah in dem Ganzen die logische Konsequenz aus den letzten Monaten. Das Verhältnis sei angespannt gewesen. „Michael war in keiner Fraktionssitzung. Wir haben ihn mehrfach angesprochen; er suchte nicht das Gespräch mit uns“, sagt Müller. Er finde es schade, aber die Positionen seien zu festgefahren  gewesen.

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