OBERNBREIT

Obernbreit lässt es krachen

Theater, Feuerwerk, Festakt und Gewerbeschau – Ein Dorf feiert sein Rathaus.
Beifall: Der Bürgermeister dankt der Regisseurin.
| Beifall: Der Bürgermeister dankt der Regisseurin.
 Packend, spannend, mit viel Witz, Ironie und aktuellen Anspielungen, manchmal ein wenig nachdenklich und dann gleich wieder mit viel Aktion: So präsentierte sich am Samstagabend das große Theaterstück „Der Jubiläumswettstreit“ anlässlich des 400. Jubiläums des Obernbreiter Rathauses auf der Bühne – natürlich vor dem Jubiläumsgebäude, das ein Wochenende lang im Mittelpunkt stand.

Geschützt: Gut aufgelegtes Publikum.
| Geschützt: Gut aufgelegtes Publikum.
Immer wieder gingen den ganzen Nachmittag über die besorgten Blicke nach oben in den Himmel. Hält das Wetter? Nein, tat es nicht. Zumindest anfangs war es leichter Regen, der auf die vielen hundert Zuschauer tröpfelte. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Ganz nach dem Motto: „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung“ hatten sich etliche Zuschauer wetterfest gekleidet. Und für den Rest hatten die Obernbreiter vorgesorgt: Regencapes gab es günstig zu kaufen.

Feinjustierung: Das Mikro sitzt.
| Feinjustierung: Das Mikro sitzt.
Pathetische Musik leitete das Schauspiel ein, das fast mehr Revue als Theaterstück war, so abwechslungsreich zeigten sich die insgesamt elf Aktionen, die Gabriele Brunsch zu Papier und als Regisseurin auch auf die Bühne gebracht hatte.

Dunkel gekleidete Gestalten betreten die Bühne, bilden einen Halbkreis um das Sofa im Zentrum – und als das Halbrund sich öffnet, liegt Bernhard Brückner im weißen Nachthemd mit Schlafmütze schwer atmend unter der Decke.
 

Die Geister quälen ihn, der auf der Bühne und im wahren Leben der Bürgermeister Obernbreits ist. Sie mahnen ihn: Das Rathausjubiläum steht an und er soll sich doch endlich darum kümmern.

Musikalisch: Ein Lied fürs Rathaus.
| Musikalisch: Ein Lied fürs Rathaus.
Links von der Bühne steht der Männerchor Eintracht und verstärkt das Unheimliche mit tiefen Stimmen. Sanfte Frauenstimmen locken von der anderen Bühnenseite: Die Burkarduslerchen machen Mut, den Traum weiter zu träumen. Und natürlich kommt die zündende Idee: Der ganze Ort soll beim Jubiläum mitmachen.

Schon die erste Szene zeigt: Das passiert nicht nur auf der Bühne. Da sind tatsächlich unheimlich viele Obernbreiter dabei. Sie machen mit und tragen ihren Teil dazu bei, das Rathaus zu feiern. Ein Blick hinter die Bühne, ins Rathausfoyer, bestätigt das dann auch: Gewusel, Gelächter, Aufregung, Lampenfiber.

Prächtig: Rathaus und Feuerwerk.
| Prächtig: Rathaus und Feuerwerk.
Und auch hier ist es Gabriele Brunsch, die Mut zuspricht, aufmuntert, sich über die eine oder andere besonders gelungene Maske freut und auch hier die Fäden in der Hand hat, die Regie auch hinter der Bühne führt. Techniker sind schwer im Einsatz. Die Kopfmikrofone müssen eingerichtet werden. Da hängt ein genauer Plan, wer wann welches Headset bekommt und wann die Schaltung ist. Das funktioniert fast reibungslos, und wenn ein einziges Mal so ein Mikro nicht funktioniert, dann huscht ein Techniker schon mal auf die Bühne, greift der Schauspielerin in die Rocktasche und richtet die Technik.

Hucklkätz: Sie waren schon bei der Rathauseinweihung dabei.
| Hucklkätz: Sie waren schon bei der Rathauseinweihung dabei.
Draußen nimmt das Geschehen seinen Lauf. In Obernbreit im Jahr 2010 wird das Jubiläum vorbereitet. Da hat das Mädchen Tessa die Idee, ein Lied über das Rathaus zu singen und Papa hilft dabei. Am Ende singen viele aus dem Publikum mit zur Melodie „Am Brunnen“.

Der selbst ernannte Jubiläumsausschuss mit lauter wichtigen Männern und Frauen aus dem Dorf, Alteingesessene und „Neigschmeckte“, hat natürlich kein Ergebnis und bietet den Hucklkätz aber die Gelegenheit, etwas über die Geschichte des Rathausneubaus vor 400 Jahren zu erzählen. Immerhin waren sie damals schon dabei. Mit einer Menschenpyramide schließen die Turner der TSV-Riege die Szene ab. Annika und Niklas, zwei Kinder aus dem Ort, erklären den geschichtlichen Hintergrund vor 400 Jahren.

Schwarz und Weiß: Die Heimsuchung des Bürgermeisters.
| Schwarz und Weiß: Die Heimsuchung des Bürgermeisters.
Vor der Pause wird es besinnlich. Tessa hat noch einmal einen Auftritt, zusammen mit ihrer Schwester Lena, die auch einen Song über das Rathaus schreiben möchte. „So ein Rathaus hat doch eine Seele – und auch einen Charakter“, philosophiert sie und entlässt die Zuschauer mit einem nachdenklichen Lied über das Haus in die Pause.

Zwei Szenen reichen dann in die Vergangenheit. Die Waschweiber beklagen den Verlust ihres Waschplatzes am Bach, wenn dort das Rathaus gebaut werden soll: Die Magd, die Bäuerin, die Müllerin und die Kräuterfrau – Veränderungen machen ihnen Angst und soziale Unterschiede werden deutlich. Mit dem Auftritt des Oberschultheiß aus Creglingen werden die letzten Schritte zum Bau abgesprochen – in drei Jahren soll das neue Rathaus fertig sein.

Und dann stehen sie alle noch einmal auf der Bühne und feiern ihr Rathaus mit dem „Rathausjubiläumslied“: Die in historischen Gewändern feiern die Einweihung, unsere Zeitgenossen das Jubiläum – alle gemeinsam, zusammen mit den Feuerjongleuren, den Blumenkindern, den Cheerleader-Mädchen und all den anderen, die am Stück beteiligt waren.

Und dann blickt alles auf das Rathaus, und nach einigem Zögern ziehen auch tatsächlich die Feuerwerksraketen in den Himmel und mit Aahs und Oohs und viel Beifall endet der gelungene Abend.

    
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