Prichsenstadt

Prichenstädter Stadtrat lehnt sieben Meter hohen Aussichtsturm ab

In der Lücke der großen Windschutzhecke – im Bereich des sichtbaren niedrigen Wuchses – hätte ein Aussichtsturm gebaut werden sollen. Der Busch wäre auf Stock zurückgeschnitten worden, um später in den Turm hinein zu wachsen.
In der Lücke der großen Windschutzhecke – im Bereich des sichtbaren niedrigen Wuchses – hätte ein Aussichtsturm gebaut werden sollen. Der Busch wäre auf Stock zurückgeschnitten worden, um später in den Turm hinein zu wachsen. Foto: Guido Chuleck

Ein Aussichtsturm aus Metall bei Reupelsdorf, 7,20 Meter hoch, sollte eigentlich das Herzstück eines neuen Wanderweges der Marktgemeinde Wiesentheid werden. Dabei handelt es sich nicht um eine neue "Traumrunde", sondern einen Rundweg in der Serie "europäischer Kulturweg".

Doch diesen Turm wird es an der geplanten Stelle wohl nicht geben: in einer gut fünf Meter hohen Windschutzhecke ganz knapp außerhalb der Wiesentheider Gemarkung auf dem Gebiet von Prichsenstadt. Denn dessen Stadtrat verweigerte in seiner jüngsten Sitzung mit 10:7 Stimmen sein Einvernehmen. In der nichtöffentlichen Beratung stand eine Nutzungsvereinbarung um Verpachten oder Verkaufen eines Teilstücks der Hecke an Wiesentheid an, aber auch da sei es beim Nein der Räte geblieben, sagte Bürgermeister René Schlehr im Gespräch mit dieser Zeitung.

Letzte Entscheidung trifft das Landamtsamt

"Hätten wir öffentlich abgelehnt und nichtöffentlich zugestimmt, wäre das inkonsequent gewesen", sagte er. Damit könnte sich der Aussichtsturm bereits erledigt haben. Die letzte Entscheidung allerdings trifft das Landratsamt Kitzingen.

Er habe lange mit seinem damaligen Amtskollegen und ehemaligen Bürgermeister von Wiesentheid, Werner Knaier, nach Lösungen gesucht, sagte Schlehr. Letztlich sei der gewählte Standort direkt in einer Windschutzhecke "die einzige Möglichkeit" gewesen.

Geplant war, einen Mast mit einer Grundfläche von 3,58 auf 4,75 Metern und einer Höhe von 7,20 Metern auf kleinen Betonsockeln zu errichten. Die Windschutzhecke sollte in einem nicht ganz so hoch gewachsenen Teilstück zurückgeschnitten werden, damit sie in dem ähnlich einer Feuerschutztreppe offenen Aussichtsturm hoch- und hineinwachsen kann. 

Turm soll die Attraktion auf dem Kulturweg sein

Der Turm sollte beim Wiesentheider Kulturweg die kulturelle Attraktion darstellen. Das sah Ingrid Mehlert (Grüne) nicht so: "Zum einen ist die Hecke wichtig für die Landwirtschaft, dann schaut man allerdings direkt auf eine Biogasanlage. Was ist daran attraktiv?"

Die Hecke sei auch ein Lebensraum für Tiere, insbesondere Vögel. Das Runterschneiden einer Hecke in direkter Nähe einer Biogasanlage sei für sie "paradox". Grundsätzlich sei sie nicht gegen den Turm, "aber bitte nicht an genau dieser Stelle".

Werner Hillger (LWL) sah die Sache pragmatischer. Eigentlich sehe er den Turm positiv, aber "wer trägt die Kosten, wer reinigt ihn, wie ist die Verkehrssicherheit und was sagt das bayerische Naturschutzgesetz". Darüber wolle man im nichtöffentlichen Teil reden, berichtete Schlehr.

Nehmen Autofahrer und Wanderer denn Rücksicht?

"Wenn wir jetzt ablehnen, brauchen wir auch keine Nutzungsvereinbarung zu treffen", sagte der Bürgermeister. Hillger sah ein weiteres Problem: "Da kommen nicht nur Wanderer hin, es halten auch Autofahrer an und fahren auf den Feldweg. Das gibt dann Ärger mit den Landwirten. Ich halte diese Stelle für unglücklich gewählt." Susanne Karb (CSU) fürchtete, dass Touristen bei Wanderungen kaum Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel nehmen würden.

Zustimmung zum Turm kam von Alfons Saugel: "Wir haben sehr gute Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Wiesentheid gemacht, da sollten wir den Turm nicht ablehnen." Harald Rückert sah einen positiven Aspekt für den Tourismus in Prichsenstadt: "Wir sollten in diesem Fall Werbung für den Turm machen."

Das macht der Landkreis übrigens schon: Auf seiner Internetseite ist eine Feier am 20. September hinterlegt, mit dem Abschluss der Dorferneuerung und der Einweihung des europäischen Kulturwegs mit acht Stationen – und einem neuen Aussichtsturm.

In der Lücke der großen Windschutzhecke, ungefähr in Höhe des Fahrzeuges, hätte ein Aussichtsturm gebaut werden sollen. Der Busch wäre auf Stock zurückgeschnitten worden, um später in den Turm hinein zu wachsen.
In der Lücke der großen Windschutzhecke, ungefähr in Höhe des Fahrzeuges, hätte ein Aussichtsturm gebaut werden sollen. Der Busch wäre auf Stock zurückgeschnitten worden, um später in den Turm hinein zu wachsen. Foto: Guido Chuleck

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