Kitzingen

Ruhestörung führt Polizei zu einer Cannabisplantage in Kitzingen

Mit Hilfe von selbst angebautem Rauschgift möchte ein 27-Jähriger auf eigene Faust seine Depressionen therapieren. Er hat es in seinem Leben noch nicht weit gebracht.
Symbolbild Gericht
Foto: Thinkstock | Symbolbild Gericht

Zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten hat das Amtsgericht Kitzingen einen 27-Jährigen verurteilt. Der Vorwurf: Unerlaubter Anbau und Besitz von Betäubungsmitteln. Die Polizei hatte bei dem Mann neun Cannabispflanzen und 1,6 Gramm Marihuana gefunden. Angebaut hatte er das Rauschmittel zum Eigenbedarf. Er wollte damit seine Depression in den Griff bekommen.

Die illegale Cannabisplantage war im September 2020 aufgefallen, als die Polizei wegen einer Ruhestörung  zu einer Wohnung in der Kitzinger Innenstadt gerufen wurde. Dort fanden sie nicht nur den "verschlafen wirkenden" 27-Jährigen, sondern auch die neun noch relativ kleine Pflanzen und zudem noch 1,6 Gramm Marihuana.

Vorstrafen sind nicht sein einziges Problem

Die gehören einem Mann, der massive Probleme in seinem bisherigen Leben hatte und hat. Mit einer Beziehung hat es nicht geklappt. Er hat keine Ausbildung. Mehrere Versuche sind gescheitert.  "Es ging bei mir immer alles schief", sagte er der Richterin Helga Müller. Der Mann hat drei Vorstrafen, Probleme mit Alkohol und war wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz schon einmal verurteilt worden. Nach einigen Gelegenheitsjobs lebt er derzeit von Hartz IV und träumt nach eigenen Angaben davon, endlich eine Kochlehre zu beginnen. Umsetzen kann er diese Absicht offenbar bisher nicht.

"Mein Mandant leidet an Depressionen", sagte sein Pflichtverteidiger, nehme starke Medikamente. Cannabis nutze er, um sich selbst zu therapieren. "In manchen Momenten brauche ich das", sagte der Angeklagte. Die Frage, warum er nicht versucht, medizinisches Cannabis zu bekommen, konnte er nicht beantworten. Der 27-Jährige ist auch schon mit Suizidgedanken aufgefallen. Einmal hat ihn die Polizei mitten auf der B 8 aufgegriffen, als er androhte, von der nächsten Brücke zu springen. Ein Aufenthalt in der Psychiatrie folgte.

Gericht macht klar: Ohne Therapie wird's nicht gehen

Inzwischen hat er begonnen, sich Hilfe zu holen. Er soll einen Betreuer bekommen. Der Antrag läuft. Er hat das Gespräch mit einem Psychotherapeuten gesucht und will eine Therapie beginnen. Dass er die beginnt und durchzieht, ist eine der Auflagen im Urteil zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe. Ein Bewährungshelfer soll ihn nicht nur dabei unterstützen.

Die Staatsanwältin hatte hinter dem mit einigem Aufwand verbundenen Anbau der Cannabispflanzen eine "erhebliche kriminelle Energie" gesehen und acht Monate gefordert. Der Pflichtverteidiger hatte mit Blick auf die Erkrankungen seines Mandanten von einem "speziellen Fall" gesprochen. Auch weil weder die genaue Menge noch die Qualität des Rauschgifts bekannt sei, hielt er zwei Monate für "völlig ausreichend". Am Ende wurde es einer mehr.

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