Rödelsee

Einsamer Schwanberg: Schwestern vermissen Kontakt zu Menschen

Die Schwestern der Communität Casteller Ring leben abgeschieden auf dem Schwanberg. Eine ideale Lage in Pandemie-Zeiten, mag man meinen. Doch auch dort bereitet Corona Sorgen.
Die St.- Michaels-Kirche auf dem Schwanberg im winterlichen Weiß. Dort gelten auch die Corona-Beschränkungen mit maximal 55 Personen im Gottesdienst.
Foto: Hartmut Hess | Die St.- Michaels-Kirche auf dem Schwanberg im winterlichen Weiß. Dort gelten auch die Corona-Beschränkungen mit maximal 55 Personen im Gottesdienst.

Wer derzeit den Schwanberg hochfährt, dem veranschaulicht die Winterlandschaft, dass die Ordensschwestern der Communität Casteller Ring (CCR) auf einem wunderschönen Flecken Erde nach dem benediktinischen Leitspruch "ora et labora" (bete und arbeite) leben. Doch wer meint, dass die 30 Ordensschwestern hinter ihren Klostermauern nicht von der Corona-Pandemie betroffen sind, der ist auf dem Holzweg. "Uns fehlen schon die seelsorgerischen Begegnungen mit Gästen und Kursteilnehmern", sagt Priorin Ursula Teresa Buske. Im Gespräch mit dieser Redaktion schildert sie zusammen mit Sub-Priorin Ellen Reisig ihre aktuelle Situation.

"Wir haben die Presse verfolgt und im Frühjahr gemeint, dass wir uns hier im Landkreis ein Stück weit auf einer Insel der Glückseligkeit befanden, wegen der relativ niedrigen Zahl an Corona-Infizierten", meint Buske. "Da wir weitgehend unter uns sind und relativ wenig Sozialkontakte mit Menschen von außerhalb haben, fühlen wir uns nicht besonders gefährdet", skizziert sie die Lage. "Wir sind in der glücklichen Lage, in unserer Gemeinschaft zu leben, und laufen nicht wie andere der älteren Generation in die Gefahr der Vereinsamung."

Technik ersetzt nicht den menschlichen Kontakt

Die Schwestern informieren sich über aktuelle Corona-Beschränkungen und halten sich an die Empfehlungen der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Mit ihren Kolleginnen nutzt die Priorin moderne Kommunikationstechnik, um Kontakte und Freundschaften zu pflegen. Sie telefonieren fleißig, kommunizieren via Skype und verfolgen Telefon-Andachten im Dekanat Kitzingen. "Doch alle Technik kann den persönlichen Kontakt mit dem Mitmenschen nicht ersetzen", erklärt Reisig.

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Den Schwestern geht auch die Zeiten mit Hausgästen und den rund 60 Oblatinnen-Besuchen pro Jahr ab. Freilich sind die Schwestern, von denen 40 Prozent älter als 60 Jahre sind, nicht vollkommen gefeit gegen eine Covid-19-Infektion, denn sie haben doch täglich Kontakt mit Externen. Mehrmals pro Woche kommt ein Pflegedienst zu pflegebedürftigen Schwestern, Lieferanten bringen Dinge des Alltags, die Zentralküche der Mainfränkischen Werkstätten liefert täglich Essen und die angestellten Hausmeister sind vor Ort. Dazu kommen Kontakte, wenn die Nonnen ihr Domizil verlassen, etwa zu Besuchen bei Ärzten oder Apotheken und im Einzelhandel.

Besuch einer Mitschwester ist nicht möglich

Auch für ganz alltägliche Dinge, wie Brillen oder Hörgeräte, fahren die Schwestern zum Einkauf und Buske streicht heraus: "Wir sind gut bekannt in der Kitzinger Geschäftswelt." Kontakte zu Menschen außerhalb der Klostermauern hat die ehemalige Priorin und Pfarrerin Ruth Meili, die immer wieder Gottesdienste im Dekanat Kitzingen hält. Zudem gibt es weitere Kontakte bei Bestattungen im Friedwald auf dem Schwanbergs-Plateau. Wie Reisig deutlich macht, würden die Schwestern nur zu gerne eine Mitschwester in einer Reha-Klinik besuchen, was derzeit aber untersagt ist.

"Wir sind in der glücklichen Lage, in der Gemeinschaft leben zu können und laufen nicht der Gefahr der Vereinsamung", sagt Ursula Teresa Buske, Priorin der Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg.
Foto: Hartmut Hess | "Wir sind in der glücklichen Lage, in der Gemeinschaft leben zu können und laufen nicht der Gefahr der Vereinsamung", sagt Ursula Teresa Buske, Priorin der Communität Casteller Ring auf dem Schwanberg.

Der Orden finanziert sich selbst und spürt deshalb derzeit die weggebrochenen Einnahmen aus ausgefallenen Kursen und der Zwangsschließung des Klosterladens. Die Einzigen, die derzeit noch auf dem Schwanberg gastieren dürfen, sind die temporären Bewohner des Therapiezentrums Respiratio-Haus, wo sich kirchliche Mitarbeiter eine Auszeit nehmen und in Krisensituationen des Lebens begleitet werden.

Gottesdienste ohne gemeinsamen Gesang

Froh sind die Schwestern, dass ihre St. Michaels-Kirche noch geöffnet ist, wenn auch auf 55 Besucher begrenzt. "Wir haben die Christvesper an Heiligabend im Freien auf der Außentreppe gefeiert, das war eine ganz neue Erfahrung", meint Buske. Die Christmette zu mitternächtlicher Stunde feierten die Schwestern derweil intern und übertrugen die Christmette per Livestream auf ihrer Webseite. Doch der übliche feierliche Rahmen ist bei den Nonnen aktuell eingeschränkt, dürfen doch nur die Schola-Vorsängerinnen in der Kirche singen.

"Wir Schwestern sind auch verschiedene Menschen und Frauen mit verschiedenen Köpfen", gibt die Sub-Priorin etwas aus dem Innenleben der CCR preis. Deshalb würden die Schwestern immer wieder ausführlich die Corona-Pandemie und deren Folgen diskutieren – mit einer großen Bandbreite von Meinungen. Die Impfbereitschaft im Orden sei groß, nur hätten die Schwestern bislang noch keine Post und Impftermine bekommen.

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