Landkreis Kitzingen

Soforthilfe für kleine Unternehmen: Kommt sie in Kitzingen an?

Die Soforthilfe der bayerischen Regierung soll schnell und unbürokratisch sein. Doch viele Unternehmen haben bisher noch kein Geld gesehen. Bei manchen wird es langsam eng.
Das Gastgewerbe ist eine der Branchen, die am stärksten unter den Corona-Beschränkungen leidet. Mehr als zwei Monate gab es keinen Umsatz, am Montag dürfen Biergärten wieder öffnen. Doch obwohl sie dringend Unterstützung benötigen, müssen viele Gastronomen noch immer auf die Soforthilfe warten.
Das Gastgewerbe ist eine der Branchen, die am stärksten unter den Corona-Beschränkungen leidet. Mehr als zwei Monate gab es keinen Umsatz, am Montag dürfen Biergärten wieder öffnen. Doch obwohl sie dringend Unterstützung benötigen, müssen viele Gastronomen noch immer auf die Soforthilfe warten. Foto: Uwe Anspach/dpa

Bereits vor Corona war die Situation vieler kleiner Unternehmen in Deutschland schwierig, besonders in den Innenstädten. Doch mit den Ausgangsbeschränkungen der vergangenen zwei Monate verschlimmerte sich die Situation weiter. In Branchen wie etwa der Gastronomie oder der Hotellerie fielen die Einnahmen komplett weg. Dagegen helfen sollte eine staatliche Einmalzahlung, die sogenannte Soforthilfe des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Eigentlich als schnell und unbürokratisch angekündigt, lässt diese vielerorts noch auf sich warten – so auch in Kitzingen.

Florian Warschecha ist Pächter des Restaurants Hafen7 in Kitzingen. "Wir warten schon fast acht Wochen", sagt er. "Und die Soforthilfe ist immer noch nicht angekommen." Glücklicherweise kann sich der Familienbetrieb mit einem Lieferservice und Essen zum Abholen über Wasser halten. Aber ob sie in den kommenden Wochen ihr Restaurant wieder aufmachen können, weiß Warschecha nicht. "Mit den Hygieneauflagen wird es schwierig", sagt er. Die dadurch enstehenden Zusatzkosten gingen zu sehr ins Geld. Dazu bräuchten sie die Soforthilfe.

Behörden haben scheinbar zu wenig Personal

"Als Teil der kritischen Infrastruktur durften wir zwar offen lassen", sagt der Kitzinger Optiker Michael Hoinkis über die Zeit mit den Ausgangsbeschränkungen. "Trotzdem hatten wir massive Umsatzeinbrüche." Bis zu 80 Prozent fielen in den vergangenen Monaten weg. Die laufenden Kosten in der Zeit betrugen etwa 100 000 Euro. Mit seinen 22 Mitarbeitern – denn die Höhe der Soforthilfe richtet sich nach der Zahl der Beschäftigten – kann der Optiker jedoch nur bis zu 30 000 Euro erhalten.

Noch dazu wartet er seit dem 2. April auf die Zahlung. "Aber bis jetzt hab ich noch nichts von der Regierung von Unterfranken gehört", so Hoinkis. "Das scheint ein regionales Problem zu sein", sagt er. Von Bekannten aus der Oberpfalz hörte er zum Beispiel, dass dort die Anträge schneller bearbeitet wurden. "Scheinbar ist die Behörde hier mit zu wenig Leuten ausgestattet."

Große Umsatzverluste in der Veranstaltungsbranche bis zum Ende des Jahres

Glück gehabt hatten sie bei der Veranstaltungstechnik-Firma Robin Masters. "Bei uns war die Soforthilfe gestern auf dem Konto", sagt Geschäftsführer Björn Dietsch am Donnerstag. "Etwa einen Monat hat's gedauert." Bei der Firma mit sieben Mitarbeitern betrug die Zahlung 15 000 Euro.

Denn auch in der Veranstaltungsbranche fielen in den vergangenen Monaten die Einnahmen komplett weg. Er rechnet auch nicht damit, dass heuer überhaupt wieder Großveranstaltungen stattfinden werden. "Wenn es keine weitere Hilfe gibt, könnte es eng werden", sagt Dietsch.

Aktuell Insolvenzen noch rückläufig

Noch scheinen sich die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Kitzingen über Wasser zu halten. "Die Insolvenzen sind gerade sogar rückläufig", weiß Hans Müller, Anwalt mit Schwerpunkt Insolvenzrecht aus Wiesentheid."Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Insolvenzwelle ausbleiben wird." Im Moment ist die Insolvenzantragspflicht nämlich noch bis Ende September ausgesetzt. Der Schein könnte also trügen.

Besonders gefährdet seien die Branchen, die in den vergangenen Monat gar keinen Umsatz machen konnten – wie die Veranstaltungsbranche, Reisebüros, Hotels oder die Gastronomie. "Da ist die Soforthilfe ein Tropfen auf dem heißen Stein", so der Anwalt. Sie würde oft kaum für die Pachten reichen.

Behörden sollten nach Bedarf vorgehen

"Für manche sieht es da nach Insolvenz aus, wenn nicht bald etwas passiert", sagt Müller. Es sei ein Rennen gegen die Zeit. "Die Soforthilfe hätte schneller ausbezahlt werden müssen." Die Behörden würden die Anträge zu lange prüfen und nicht die Branchen priorisieren, die schnelle Hilfe am dringendsten bräuchten. Außerdem seien gerade in der Hotelbranche oder der Gastronomie bestimmte Lockerungen schon früher möglich gewesen.

"Wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird, bis wieder Normalbetrieb herrscht", sagt der Anwalt. "Ich sehe meine Aufgabe darin, Lösungsmöglichkeiten zu finden." Das heißt für ihn mit den Banken und Vermietern zu verhandeln – mit sehr unterschiedlichem Erfolg: "Manche Banken verlängern zum Beispiel die Darlehenslaufzeit", sagt Müller. Auch einige Vermieter würden in der Krise auf ihre Ansprüche verzichten. "Andere wiederum bleiben eiskalt", so der Anwalt.

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