Gnodstadt

Spannendes aus dem Gnodstadter Dreieck

Gerrit Himmelsbach (mit Mikrofon) erläutert bei der Erstbegehung des Kulturwegs Gnodstadter Dreieck viele interessante Details zum Feuerlösch- und Badeweiher in Gnodstadt.
Foto: Robert Haass | Gerrit Himmelsbach (mit Mikrofon) erläutert bei der Erstbegehung des Kulturwegs Gnodstadter Dreieck viele interessante Details zum Feuerlösch- und Badeweiher in Gnodstadt.

Am 1. Mai wurde in Gnodstadt der zweite europäische Kulturweg im Landkreis Kitzingen eröffnet. Er trägt den Titel Gnodstadter Dreieck – Kranen Channs und Polisina und bietet nicht nur einen landschaftlich reizvollen Rundgang durch die Kulturlandschaft des südlichen Unterfrankens, sondern auch viele Informationen.

Es sind oft die kleineren, unscheinbaren Geschichten, die so ein Kulturweg vor der Vergessenheit bewahrt, wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringt und auch Einheimischen oft neue Erkenntnisse zeigt. Ein Beispiel dafür war am Montag gleich die erste Station, die von einer großen Gruppe Wanderfreunde nach der offiziellen Eröffnung des Kulturwegs angelaufen wurde: das Bad in Gnodstadt.

„Kultur und Wandern sind zwei, die sich mögen.“
Paul Streng, stellvertretender Landrat

Der Feuerlösch- und Badeweiher am Ortsrand von Gnodstadt – bezeichnender Wiese führt zu ihm die Badgasse – ist kaum mehr, als ein unscheinbares Betonbecken, 30 Meter lang und zehn Meter breit.

Gerrit Himmelsbach, Vorsitzender des Spessartbundes und „die Seele der Treffen zur Ausarbeitung des Kulturweges“, wie Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein bei der Eröffnung sagte, bringt die Geschichte des Badeweihers den Teilnehmern nahe: 1935 wurde der Feuerlöschweiher von der Gemeinde angelegt und auch zum Baden genutzt. 1942 wurde am Weiher ein Landdienstlager für Mädchen errichtet – die Jugend sollte zur Arbeit auf dem Bauernhof eingesetzt werden und konnte dort übernachten. Nach dem Bombenangriff auf Würzburg wurde das Lager, wie auch etliche Höfe im Ort als Lazarett genutzt. Der Chefarzt dieser Einrichtung erreichte 1945 die kampflose Übergabe Gnodstadts an die US-Truppen.

Nach dem Krieg diente die Baracke als Altenheim, wurde schließlich abgebaut und nach Ochsenfurt verkauft. Im Feuerweiher gab es zeitweise auch regulären Badebetrieb, für zehn Pfennige Eintritt oder eine Jahreskarte für eine Mark.

Die ist nur eine der Geschichten, die sich rund um so einen Kulturweg spannen. Von Gnodstadt aus geht der Wanderer nach Marktbreit, macht dort am Kranen Station, erklimmt wieder die Höhe über dem Main in Richtung Polisina, vollendet auf dem Rückweg nach Marktbreit das Dreieck und legt dabei rund 15 Kilometer zurück. An zehn Stationen kann er sich auf Bildtafeln über die Flurgeschichte, die Polisina, die Mautpyramide und weitere interessante Details informieren, denn: „Kultur und Wandern sind zwei, die sich mögen“, sagte Landrat Paul Streng in seinem Grußwort.

So ein Kulturweg sollte nie abgeschlossen sein, wie Gerrit Himmelsbach erläuterte. Seit zwei Jahren treffen sich Interessierte auf Anregung von Waltraud Hegwein immer wieder in Gnodstadt, um diesen Kulturweg vorzubereiten. Diese Treffen wird es auch weiter geben, um weiter interessante Details aus Archiven zu sammeln und mit Zeitzeugen Geschichte und Geschichten vor dem Vergessen zu bewahren. „Kulturwege sind nicht nur Tafeln und Faltblätter, sie sind Netzwerke von Menschen“, so Himmelsbach. Und jedes Dorf hat spannende Geschichten.

Der am Montagmorgen mit dem Gesangverein Gnodstadt eröffnete Kulturweg „Gnodstadter Dreieck“ ist nach Biebelried der zweite im Landkreis und insgesamt der 97. Informationen gibt es in der Tourist-Info Marktbreit und in einem reich bebilderten Informationsblatt.

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