LANDKREIS KITZINGEN

Trotz Verbot: 90 Hektar Genmais gemeldet

Trotz Anbauverbot für die Sorte Mon 810 ist der Landkreis Kitzingen bundesweite Hochburg für Genmais. Knapp 90 Hektar (Bund: 160 Hektar) an 15 Standorten stehen im Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz.
Kampf gegen Genmais: Der spektakuläre Widerstand eines Aktionsbündnisses und der Anbaustopp des Bundes haben bisher verhindert, dass der Landkreis Kitzingen zur Genmais-Hochburg wurde.
Foto: ArchivWeichhan | Kampf gegen Genmais: Der spektakuläre Widerstand eines Aktionsbündnisses und der Anbaustopp des Bundes haben bisher verhindert, dass der Landkreis Kitzingen zur Genmais-Hochburg wurde.

Hintergrund des erneuten Versuchs von Aussaaten bei Westheim, Mainstockheim, Großlangheim, Fröhstockheim, Wiesenbronn und Stadelschwarzach: In der EU läuft ein erneutes Zulassungsverfahren für Mon 810.

Der Vorstoß einiger Landwirte aus dem Kreis ist kein blinder Aktionismus. Reinhard Dennerlein (Hohenfeld), profiliertester Vertreter der grünen Gentechnik, sieht zwar nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für die Zulassung der Genmaissorte, setzt aber auf die Wankelmütigkeit der Politik und speziell auf die von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Beim Politiker oder auf hoher See weiß man nie, wie es ausgeht.“

Dennerlein zeigte sich in der Sache entspannt: Für „zukunftsorientiert ausgerichtete“ Landwirte gebe es längst Nachfolger von Mon 810, die bereits im Genehmigungsverfahren stünden. Und wenn diese Sorten von der EU zugelassen würden, müsse sich Deutschland entscheiden, wie es zur Grünen Gentechnik stehe.

Halten die Anbauverbote?

Ob der Hohenfelder Landwirt im Mai Mon 810 auf seinen Äckern aussäen darf, hängt laut Andreas Thierfelder ebenfalls von der EU-Kommission ab. Die Erneuerung der Zulassung der Genmais-Sorte sei derzeit im Laufen, erklärte der Pressesprecher des Saatgut-Konzerns Monsanto. Eine wissenschaftliche Sicherheitsbewertung der Aussaat sei abgeschlossen – mit positivem Ergebnis.

Thierfelder hofft nun auf eine erneute Mon 810-Zulassung, die nach seiner Meinung zu einer Aufhebung der diversen Anbauverbote – beispielsweise in Deutschland, Österreich oder Frankreich – führen würde. Diese Möglichkeit habe vermutlich etliche Landwirte in Bayern und Sachsen dazu motiviert, ihre Felder für die Aussaat anzumelden.

Alarmiert von den erneuten Genmais-Anmeldungen ist das Aktionsbündnis gentechnikfreier Landkreis Kitzingen. Kreisrat und Bündnismitglied Hans Plate befürchtet zwar keine Neuzulassung von Mon 810, sieht aber ein Wackeln von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner unter dem Druck der Gentechnik-Lobby. Aigner weiche „heimlich von dem Ziel eines gentechnikfreien Bayern ab“, so Plate.

Probleme im Nahbereich spricht der Sprecher des Aktionsbündnisses aber ebenso an. Einige Landwirte im Kreis versuchten weiterhin „offensiv“, die traditionelle Landwirtschaft „durch die Aussaat von Gen-Mais zu gefährden“. Das Aktionsbündnis appelliere deshalb an alle Landwirte, Gärtner, Winzer, Imker und Verbraucher, für eine „bäuerliche Landwirtschaft ohne Gentechnik zu arbeiten.“

Sofortigen Handlungsbedarf sieht die Grünen-Landtagsabgeordnete Simone Tolle (Arnstein). In einer Presseerklärung fordert sie Bayerns Verbraucherminister Markus Söder auf, bei Aigner auf eine Ablehnung der 15 Genmais-Anträge aus dem Landkreis zu dringen. Schließlich habe sich Söder für ein gentechnikfreies Bayern stark gemacht und müsse nun Farbe bekennen.

Die Aktion der Feldbefreier

Das Ringen zwischen Genmais-Anbauern und ihren Gegnern im Landkreis ist schon etliche Jahre alt. Höhepunkt war das Jahr 2008, als 122 gemeldete Hektar den Landkreis zur bayerischen Hochburg der genmanipulierten Pflanzen machte. Der anhaltende Widerstand vieler Organisationen im Landkreis – formiert im Aktionsbündnis – schraubte die Fläche allerdings auf neun Hektar herunter.

Spektakulärste Widerstandsaktion war Mitte 2008 eine sogenannte Feldbefreiung, bei der nahe Westheim rund 60 Ökoaktivisten – trotz massiver Polizeipräsenz – ein Genmais-Feld in Teilen zerstörten. Folge war eine Unzahl von Prozessen.

Übrigens: Trotz des Anbaustopps waren auch 2010 runde 60 Hektar Genmais für die Aussaat angemeldet worden. Drei Bauern (darunter auch Dennerlein) hatten den Vorstoß für Mon 810 gemacht und mit einer Schadenersatzforderung gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz Druck gemacht – vergebens. Die Pläne für die Aussaat platzten.

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