Kitzingen

Verfahren eingestellt: Zu viele offene Fragen um fünf Zähne

Was genau während eines handfesten Streits in einer Kitzinger Asylbewerberunterkunft geschehen ist, blieb auch vor dem Amtsgericht offen. Mehrere Zeugen widersprachen einander.
Eine goldfarbene Justitia-Figur (Symbolbild)
Foto: Britta Pedersen, dpa | Eine goldfarbene Justitia-Figur (Symbolbild)

Erst fielen Schimpfworte, dann gab es einen Tritt und die Fäuste flogen: Am Ende einer Auseinandersetzung in einer Asylbewerberunterkunft in Kitzingen fand sich ein 28-Jähriger auf der Anklagebank wieder. Er konnte nach kurzer Verhandlung wieder gehen. Die Vorwürfe der Beleidigung und Körperverletzung waren nicht nachzuweisen. Das Verfahren wurde eingestellt, die im Strafbefehl vorgesehene Geldstrafe hat sich erledigt.

Zu dem Verfahren war es gekommen, weil der Mann Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hatte. Dieser war davon ausgegangen, dass der Maurer einen 27-jährigen Mitbewohner im Streit um die Zahlung des Anteils an den W-Lan-Gebühren als Schmarotzer beleidigt, ihn ins Gesicht geschlagen und leicht verletzt hat.

Unbeteiligter trennt die Streithähne

Wie sich nach den Aussagen zweier Zeugen zeigte, war an der Auseinanderseztung am Morgen des 29. August 2020 nicht nur der Angeklagte aktiv beteiligt. Sein "Opfer" räumte als Zeuge ein, dass er den Angeklagten getreten habe, nachdem dieser seinen verstorbenen Vater beleidigt habe. Danach sei es zu einer Rangelei gekommen, bis ein unbeteiligter Bewohner die Streithähne getrennt habe.

Was im Zimmer des Angeklagten genau passiert ist, blieb trotz dieses Zeugens weitgehend offen. Die Aussagen bei der Polizei und vor Gericht gingen weit auseinander. Einmal hatte der Angeklagte nach dem Tritt fünf Zähne verloren. Dann waren es zwei. Und der Rechtsanwalt des Angeklagten: "Draußen waren die Zähne nicht." Allerdings sei der Mann zahnärztlich behandelt worden. Dann hatte der Angeklagte einmal nur geschubst, dann wurde wieder "geschlägert". Am Ende war sich keiner der Beteiligten mehr ganz sicher, weil: "Es ging alles so schnell."

Womöglich folgt ein Verfahren wegen Schmerzensgeld

Schnell ging's dann auch mit dem Verfahren. Richterin Patricia Finkenberger regte mit Blick auf die widersprüchlichen Aussagen die Einstellung des Verfahrens an. Alle Beteiligten waren einverstanden. Die Verfahrenskosten trägt der Staat, für die eigenen kommt der Angeklagte selbst auf. Ob es wegen der ausgeschlagenen oder nur wackeligen Zähne ein Zivilverfahren um Schmerzensgeld geben wird, ist offen.

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