Kitzingen

Verschnaufpause in Neuseeland

Stimmungsvoll: Annika und Roberto bei einem öffentlichen Weihnachtskonzert im Park von Christchurch.
Foto: Wachter | Stimmungsvoll: Annika und Roberto bei einem öffentlichen Weihnachtskonzert im Park von Christchurch.

Die Kitzingerin Annika Wachter (28) und ihr Freund Roberto Gallegos Ricci (31) sind seit Anfang September 2011 mit dem Fahrrad in der Weltgeschichte unterwegs. Zuletzt waren sie in Neuseeland „sesshaft“ geworden. Wie es ihnen ergangen ist, verraten sie im Interview.

Frage: Wenn Du das Jahr in einem Satz zusammenfassen müsstet?

Annika Wachter: Zehneinhalb Monate in Neuseeland, Fish and Chips, kurze Hosen, Flipflops und Winterjacke bei zwei Grad, selbst gezogener Basilikum und Sushi bis zum Abwinken.

„Das Abenteuer kann direkt vor der Haustür losgehen!“
Annika Wachter, Weltumradlerin
Und jetzt die etwas längere Version?

Wachter: Das Jahr startete im Park in Melbourne und endet vermutlich wieder im Park – allerdings in Christchurch. Dazwischen gab es die Reise von Melbourne nach Sydney. In Christchurch haben wir uns sehr schnell zurechtgefunden. Ansonsten war das Jahr größtenteils mit Arbeit gefüllt, denn wir brauchen Ersparnisse, um durch Hawaii und von Alaska an die mexikanische Karibik zu radeln.

Warum wurdet ihr sesshaft?

Wachter: In erster Linie, weil uns das Geld für die Weiterreise knapp wurde. Es spart sich besser, wenn wir bei den gleichen Jobs bleiben, statt alle paar Wochen weiterzureisen. Überhaupt tut es gut, längere Freundschaften zu schließen, Gemüse im Garten anzubauen, Ein-Liter Duschgel zu kaufen und nicht ständig alles neu zu planen.

Warum Neuseeland?

Wachter: Ein Working Holiday Visum ist eine einfache Möglichkeit, in einem Land arbeiten zu können, ohne vorab Arbeitsverträge präsentieren zu müssen. Deutsche unter 31 können sowohl in Neuseeland, als auch in Australien, Kanada, Japan, Südkorea, Hongkong und Taiwan ein solches Visum beantragen, während für Mexikaner diese Regelung nur für Kanada und Neuseeland gilt. Und Neuseeland lag ja fast auf dem Weg. So weit wie eine Insel, deren dichtesten Nachbarn Australien – 1530 Kilometer – und die Antarktis mit 3000 Kilometern sind, auf dem Weg liegen kann.

Was macht Ihr gerade?

Wachter: Wir arbeiten viel. Ich rolle, schneide, packe und verkaufe Sushi an drei Tagen die Woche und verkaufe Outdoorausrüstung an den anderen Tagen. Roberto ist in seinem vierten Job – Mexikaner müssen alle drei Monate mit dem Working Holiday Visum den Arbeitgeber wechseln. Er ist Supervisor für die Christchurch World Vision Kampagne. Weihnachten und Silvester haben wir zum Glück frei.

Weihnachten war dieses Jahr. . .

Wachter: . . . mal wieder anders. Am 24. gab es Braten, am 25. haben wir im Garten gegrillt, dann ging es an den Strand. Der 26. war Boxing Day, dann sind die Einkaufscenter rappevoll.

Was bekommt ihr von Deutschland mit?

Wachter: Dass die Weltmeisterschaft dort erheblich besser gefeiert wurde als hier. Sonst ist Deutschland weit weg und ich verpasse Trends, Musik und Nachrichten fast komplett.

Die schönsten Momente 2014?

Wachter: Es war toll, dass Robertos Schwester für ein paar Monate nach Neuseeland gezogen ist und dass seine Eltern uns für zwei Wochen besucht haben. Spannend war, als Robertos neues Rad angekommen ist. An meinem Rad tausche ich nur einige Teile aus.

Wie sieht es mit Heimweh aus?

Wachter: Das hält sich in Grenzen. Als alle meine Freunde allerdings bei 30 Grad an den Strand fuhren, während ich mit Winterjacke, Wolldecke und Tee da saß, das war schon fies.

Was vermisst Ihr?

Wachter: Unsere Familien und manchmal auch das Essen. Momentan vermissen wir oft die Freiheit, unterwegs zu sein.

Was kann man nur in der Fremde lernen?

Wachter: Ziemlich viel über die eigene Kultur. Um andere Kulturen kennen zu lernen, muss man sich fragen, was man selbst wie gelernt hat und warum eigentlich.

Wie geht es nächstes Jahr weiter?

Wachter: Im Februar machen wir einen Abstecher auf die Südseeinsel Tonga und reisen dann als Touristen wieder in Neuseeland ein. Dann lernen wir endlich dieses schöne Land kennen. Im Mai geht's mit zweiwöchigem Zwischenstopp in Hawaii nach Alaska. Von dort wollen wir über Kanada und die Westküste der USA nach Mexiko herunterradeln, wo wir das nächste Weihnachtsfest verbringen werden.

Keine Heimkehr in Sicht?

Wachter: Doch, die ist für 2016 geplant, nach etwa fünf Jahren. Genauer wissen wir das aber noch nicht.

Was müsst Ihr dringend Euren Leuten daheim noch ausrichten?

Wachter: Auch wenn wir nur einen Tag am Mainradweg waren, war es doch einer unserer Favoriten, den wir unbedingt eines Tages in voller Länge radeln wollen. Wir können euch nur empfehlen: Nehmt euch ein paar Tage Zeit und radelt mal ein bisschen durchs schöne Unterfranken, Radwege gibt es in Hülle und Fülle und Abenteuer kann schon direkt vor der Haustür losgehen.

So sieht Weihnachtsfreude aus: Annika und Roberto stimmen sich im sommerlichen Neuseeland auf das Fest ein.
Foto: Wachter | So sieht Weihnachtsfreude aus: Annika und Roberto stimmen sich im sommerlichen Neuseeland auf das Fest ein.
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