Volkach

Volkacher haben mehr Angst vor Obstdieben als vor faulen Früchten

"Eine gute Idee, aber ..." Das war im Volkacher Stadtrat zum Antrag der Grünen mehrfach zu hören. Warum das gelbe Band zur kostenlosen Obstbaum-Ernte auf Skepsis stieß.
Obstbäume stehen bei Obervolkach am Radweg, der von Volkach nach Gerolzhofen führt. Die Grünen möchten Bäume mit einem gelben Band kennzeichnen, deren Obst Passanten ernten dürfen. Der Volkacher Stadtrat hat den Antrag auf mehr Bürgerobst kritisch diskutiert, gleichzeitig haben die Gerolzhöfer Stadträte denselben Antrag angenommen.
Obstbäume stehen bei Obervolkach am Radweg, der von Volkach nach Gerolzhofen führt. Die Grünen möchten Bäume mit einem gelben Band kennzeichnen, deren Obst Passanten ernten dürfen. Der Volkacher Stadtrat hat den Antrag auf mehr Bürgerobst kritisch diskutiert, gleichzeitig haben die Gerolzhöfer Stadträte denselben Antrag angenommen. Foto: Peter Pfannes

Es war derselbe Antrag, der in zwei Stadtratssitzungen in zwei Städten am Montagabend behandelt wurde: Ein gelbes Band soll städtische und private Bäume kennzeichnen, die von jedem abgeerntet werden dürfen. Eine prima Idee, fanden die Gerolzhöfer und stimmten dem Antrag der Fraktion Geo-net mit 18:2 Stimmen zu. Bei ihren Nachbarn in Volkach hieß es hingegen häufig "Ja, aber", so dass die Grünen ihren Antrag vorerst zurückzogen.

Die Fraktion hatte beantragt, dass die Verwaltung Besitzer von Streuobstwiesen in Volkach über das Projekt „Gelbes Band“ informiert und gelbe Bänder zur Kennzeichnung von Obstbäumen zur Verfügung stellt. Außerdem soll die Verwaltung stadteigene, unverpachtete oder nicht versteigerte Obstbäume mit gelben Bändern kennzeichnen.

Bürgermeister Heiko Bäuerlein (CSU) wies zu Beginn der Diskussion gleich darauf hin, dass dafür nur wenige Obstbäume der Stadt infrage kämen. Er nannte Beispiele, wie solches Obst bisher schon unter die Leute gebracht wird. "Dieter Söllner macht in Krautheim ein Event aus der Versteigerung." Zudem versteigerten die Stadtgärtner die Früchte städtischer Bäume und danach seien die Kindergärten dran, die das Obst ernten und essen dürfen.

Verfaulendes Obst als trauriger Anblick: Volkachs Grüne möchten diesen Zustand verringern und setzten dafür auf die Aktion 'Gelbes Band' zur Kennzeichnung von Obstbäumen, die kostenlos abgeerntet werden dürfen.
Verfaulendes Obst als trauriger Anblick: Volkachs Grüne möchten diesen Zustand verringern und setzten dafür auf die Aktion "Gelbes Band" zur Kennzeichnung von Obstbäumen, die kostenlos abgeerntet werden dürfen. Foto: Johanna Heim

Mathias Krönert (FDP), als Fachberater für Brennereiwesen an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) ein Experte auf dem Gebiet, nannte den Antrag "eine sehr gute Idee", wies aber darauf hin, dass die Bäume in einem Jahr sehr viel tragen, im nächsten kaum etwas. Zudem fragte er nach dem Versicherungsschutz für die Erntenden. Und als größeres Problem als das verrottende Obst sah Krönert, dass die Leute das Obst pflücken, obwohl sie es nicht dürfen.

"Ich selber habe 800 Obstbäume und weiß nur zu gut, wie gerne sich die Leute bedienen."
Jochen Flammersberger, Bürgerliste

Dieselben Bedenken hatte zuvor schon Obstbauer Jochen Flammersberger (Bürgerliste) geäußert. "Ich selber habe 800 Obstbäume und weiß nur zu gut, wie gerne sich die Leute bedienen. Wir haben massive Probleme damit." Er habe Sorge, dass Spaziergänger erst recht zugreifen, wenn sie irgendwo ein gelbes Band entdecken. "Die Geister, die ich rief", warnte der Fachmann. Auch Herbert Römmelt (FWG) hatte argumentiert, dass man zeitgleich zum gelben Band dann ein rotes Band einführen müsse. "Finger weg" hieße das dann.

Grünen-Fraktionssprecherin Andrea Rauch verwies darauf, dass Volkach gerade als Fair-Trade-Stadt ein Vorbild sein sollte und mit dem gelben Band Obstbaumbesitzer ihre Bäume "deutlich und unkompliziert" kennzeichnen könnten. Ähnliche Projekte wie "Zu gut für die Tonne" habe in anderen Landkreisen sogar CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ausgezeichnet. Auch leuchtete ihr der Vorschlag Simon Rinkes (CSU) nicht ein, Landwirtschaftsreferent Peter Kornell (FWG) möge erstmal einen Runden Tisch mit verschiedenen Ansprechpartnern aus Obst- und Gartenbau und Landwirtschaft organisieren.

Doch die Skepsis blieb bei Rauchs Stadtratskollegen, so dass sie den Antrag vorerst zurückzog. Ein Schritt, den der Bürgermeister begrüßte, da er noch Informationsbedarf sah. Rauch zeigte sich hingegen hinterher enttäuscht ob der ablehnenden Haltung: "Wir denken, es ist einen Testlauf wert, gerade weil bei uns viel Streuobst wächst. In anderen Städten funktioniert das Bürgerobst-Konzept einwandfrei."

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