Buchbrunn

Vom US-Soldaten zum deutschen Zivilisten

Der Amerikaner William Ervin kam mit 18 als Soldat nach Deutschland. Der Liebe wegen ist er bis heute geblieben.
Foto: Martin Nefzger | Der Amerikaner William Ervin kam mit 18 als Soldat nach Deutschland. Der Liebe wegen ist er bis heute geblieben.

32 Jahre ist es her, dass der Amerikaner William Ervin das erste Mal nach Deutschland kam. Als 18-Jähriger wurde er – damals Berufssoldat – 1985 in der Kitzinger US–Kaserne stationiert. Mit den Deutschen hatte der Mann aus Kentucky damals zunächst nicht viel Kontakt. „Und dann haben wir uns kennengelernt“, sagt Sonja Ervin.

Sie sitzt neben ihrem Mann am Küchentisch in ihrem Haus in Buchbrunn und lächelt, als sie sich an ihr erstes Aufeinandertreffen erinnert. Er habe sie im Schwimmbad mit einem Football getroffen, erzählt William. Natürlich versehentlich. „Dann haben wir uns in einer Kneipe wiedergesehen“, ergänzt Sonja. „Und ich bin zu ihm hin und habe gesagt, du bist doch der, der mich mit dem Ball getroffen hat.“

Kitzingen hat sich verändert

„Und seitdem sind wir zusammen“, sagt William in nicht ganz fehlerfreiem Deutsch, dass seine Frau ab und an verbessert. Mittlerweile 31 Jahre, seit 1986. Damals sei Kitzingen noch ganz anders gewesen, erzählt er. „Die Stadt war früher immer voll. Heute ist es eine Geisterstadt. Und dort wo früher Panzer gerollt sind, wächst jetzt nur noch Unkraut.“

Doch wie die meisten amerikanischen Soldaten hat auch William Kitzingen verlassen, wenn auch lange vor dem endgültigen Abzug der Truppen im Jahr 2006. Und: nur für kurze Zeit. 1991 wurde der Ex-Soldat nach Kalifornien versetzt. Er musste Deutschland verlassen, seine Frau begleitete ihn mit den zwei gemeinsamen Kindern.

Das Leben auf der anderen Seite des Atlantiks, weit weg von allen Freunden und Verwandten, war nichts für die damals erst 21-jährige Sonja. Sie kehrte mit den Kindern nach Deutschland zurück – kurze Zeit später folgte ihr William. Dafür verließ er die Army, da ihn diese nicht in Deutschland stationieren wollte. „Ich wollte zurück und das ging mit der Army nicht. Also bin ich raus“, sagt er. Seit 1993 lebt er nun als Zivilist in Buchbrunn.

Zurück bei seiner Familie, wollte er zunächst Urlaub machen. Aber seine Schwiegermutter hatte andere Pläne: „Sie hat gesagt, es wird sich eine Arbeit gesucht“, sagt er und grinst. Also jobbte er in verschiedenen Firmen, fand schließlich eine Anstellung als Baggerfahrer. Er war in Deutschland angekommen. „Das ist meine Heimat“, sagt er heute. „Ich bin mit 18 hergekommen und jetzt 50. Ich bin länger hier als ich in den USA gelebt habe.“

Urlaub in den USA

In Deutschland gefalle ihm, so sagt er, fast alles. „Wo kann man schon nach ein paar Stunden Autofahrt in einem anderen Land sein?“, fragt der Amerikaner, der aus seiner Heimat andere Dimensionen gewohnt ist. Alle zwei Jahre zieht es ihn noch dort hin, für ein paar Tage Urlaub. Ab und zu ein Besuch in seiner alten Heimat, das reiche ihm. Denn viel vermisst er nicht. „Nur die Zeit mit der Familie fehlt mir.“

Dennoch: Der Gedanke, wieder in die Vereinigten Staaten zu ziehen, ist für Sonja und William nicht abwegig. „Vielleicht, wenn wir in Rente sind“ sagt sie. „Ich weiß ja, dass er auch für mich hier geblieben ist. Und das würde ich gerne zurückgeben.“

Stars and Stripes in Kitzingen (Teil 6)

Auf den Spuren der Amerikaner im Landkreis: Wir stellen Personen vor, deren Leben durch die US-Truppen geprägt wurde. Nächstes Mal: Magda Neeser. 20 Jahre lang hat die Frau aus Albertshofen als Zivilangestellte für die US-Army gearbeitet.
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