SULZFELD

Von der Faszination des Körpers

Renate Jung: Frauenakt.
Foto: Müllner-Pianka | Renate Jung: Frauenakt.

Die Würzburgerin Renate Jung muss man – zumal in dieser Region – eigentlich nicht mehr vorstellen, längst gilt die 1943 geborene Künstlerin zu den bekanntesten zeitgenössischen Malerinnen.

Ihre Bilder wurden bereits weltweit gezeigt, um so bemerkenswerter, dass Werke Renate Jungs und ihres Künstlerkreises „Sepia“ nun mal wieder im Landkreis Kitzingen zu sehen sind – in der Galerie Papiushof, deren Macherin Angelika Müllner-Pianka schon oft ein sicheres Händchen für eine spannende Künstler- und Bilderauswahl hatte. Werke von Renate Jung waren vor drei Jahren schon einmal in Sulzfeld gezeigt worden, seinerzeit kreisten die Bilder um „Goethe in Sulzfeld“.

Auch diesmal ist im Papiushof nicht etwa ein Querschnitt durch das Werk der Malerin und ihres Kreises zu sehen, vielmehr setzt man in der Galerie unter dem Titel „Nackt – Mit Takt“ erneut aufs Monothema – in diesem Fall den menschlichen Akt. Ob Zufall oder nicht, mit dieser Perspektive liegt die kleine Sulzfelder Galerie sozusagen voll im Trend. In Wien und in Linz sind derzeit zwei viel beachtete Ausstellungen zu sehen, die sich allerdings ausschließlich mit dem männlichen Akt beschäftigen.

Die Darstellung des unverhüllten menschlichen Körpers ist so alt, wie die Geschichte der Kunst selbst. Erste Zeugnisse plastischer Darstellung finden sich schon vor 40 000 Jahren in so genannten Venus-Skulpturen. Während in der Renaissance durchaus freizügige Bilder und Skulpturen entstanden, zog wenig später wieder Prüderie ein. Aktmalerei wurde auf antike, mythologische oder religiöse Themen beschränkt, erst im 19. Jahrhundert befreite man das Genre Zug um Zug von moralischen – oder besser: moralisierenden – Fesseln.

„Heute gehört die Aktmalerei zum Curriculum einer jeden Akademie der bildenden Künste, ob in Zeichnung, Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie. Dies heißt allerdings nicht, dass jeder Kunstschaffende diese Disziplin auch wirklich beherrscht“, schreibt Galeristin Angelika Müllner-Pianka im Begleittext zur Ausstellung.

Die Beschäftigung mit dem nackten menschlichen Körper ist quasi auch die Geburtsurkunde des Künstlerkreises „Sepia“ gewesen, den Renate Jung seit 1995 um sich schart. Den Aktzeichenkursen des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) und der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) fehlten damals Räume. Eine neues Domizil fanden die Kurse dann im Atelier von Renate Jung – heraus kam „Sepia“.

Wie Renate Jung in dieser Woche auf Anfrage der Main-Post sagte, werden in Sulzfeld zwölf der 17 Mitglieder des Kreises ausstellen. Vertreten seien alle Maltechniken, im Stil seien die Bilder hauptsächlich figürlich. Laut Galeristin Angelika Müllner-Pianka dürfen die Ausstellungsbesucher gespannt sein: Die gezeigten Arbeiten würden „das Genre Akt mit seinen Grenzen des moralisch und ästhetisch Erlaubten mutig ausschöpfen“, heißt es in der Ankündigung von „Nackt – Mit Takt“.

Die Ausstellung „Nackt mit Takt“ in der Galerie Papiushof in Sulzfeld läuft vom 18. November bis 23. Dezember. Öffnungszeiten immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (09 32 1) 92 20 72.

Weitere Infos auch im Internet: www.papiushof.de.

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