HÖRBLACH

Zellager der Kreisjugendwehr: Floriansjünger gehen nicht baden

Der Jugendwart des Feuerwehrverbandes Kitzingen, Thomas Grimmer, steht allein an der Zeltwiese am Hörblacher Baggersee.
Der Jugendwart des Feuerwehrverbandes Kitzingen, Thomas Grimmer, steht allein an der Zeltwiese am Hörblacher Baggersee. Foto: ALEXANDER RAUSCH

Das Gras wuchert. Die Fläche liegt brach. Wehmütig lässt Kreisjugendwart Thomas Grimmer seinen Blick über die Zeltwiese am Hörblacher Baggersee schweifen. Dort hätte am Wochenende das große Zeltlager der Jugendfeuerwehren des Landkreises Kitzingen stattfinden sollen. Doch das fiel, wie so viele Freizeiten und Aktivitäten, der aktuellen Pandemie-Situation zum Opfer. „Es hat definitiv etwas gefehlt. Das Zeltlager ist schließlich die wichtigste Veranstaltung im ganzen Jahr“, seufzt Grimmer.

Seit nunmehr 25 Jahren ist der Höblacher in der örtlichen Wehr. Das Zeltlager, das in Fahr am Main stattfand, hatte damals einen ersten bleibenden Eindruck hinterlassen und Grimmers Entscheidung bekräftigt, seine Freizeit als Floriansjünger zu verbringen. Nicht einmal hat er in all den Jahren das große Sommerevent verpasst. Mit Eintritt in die aktive Wehr hat er es stets mitorganisiert. Seit 2000 ist der heute 39-Jährige Vorstandsmitglied bei den Hörblacher Brandbekämpfern, seit 2008 steht er der Kreisjugend vor, seit 2014 der Bezirksjugend. „Ich bin in die Aufgaben hineingewachsen und sie machen enorm viel Spaß“, sagt Grimmer.

Natürlich bedeute die Organisation des Zeltlagers sehr viel Arbeit. Doch Grimmer hatte die vergangenen Jahre stets ein eingespieltes Team um sich, das „mit Leib und Seele“ dabei ist. Zusammen kümmern sie sich um die Bewirtung der stets rund 300 Kinder und Jugendlichen, verlegen notwendige Wasser- und Stromleitungen und kümmern sich um den Abtransport des Abwassers. „Es langen alle zusammen. Viele nehmen sich extra Urlaub und sind dann auch am Zeltlager da. Zudem ist nahezu die gesamte Landkreisführung vor Ort“, berichtet der Hörblacher, dem vor allem die angenehme Zeit mit den Kindern und Jugendlichen sowie den Kollegen abgeht. Selten treffe man sich in derart gelöster Atmosphäre und könne sich entspannt unterhalten. „Natürlich herrscht immer ein großes Schlafdefizit, aber alle kommen aus dem Alltag raus. Wir sitzen abends oft lange zusammen und trinken etwas zusammen“, erzählt Grimmer aus den vergangenen Jahren. Auch die jungen Teilnehmer freuen sich das ganze Jahr auf das Zelten am Hörblacher Baggersee, was durch Corona aber nun ausfällt.

Lange hätten der Kreisjugendwart und seine Vorstandskollegen um die Ausrichtung gerungen. Letztlich sei sie aber nicht möglich gewesen. Die Veranstalter hätten ein strenges Hygienekonzept umsetzen müssen, hätten die Teilnehmerzahl verkleinern müssen und weniger Kinder hätten gemeinsam in einem Zelt schlafen dürfen. „Das wäre nicht darstellbar gewesen. Wir wollten Ungerechtigkeiten unbedingt vermeiden. Zudem gehören wir zur Blaulichtfamilie und sind Vorbilder für die Gesellschaft“, sagt der Baufinanzierungsberater. So wurde das Zeltlager vor fünf Wochen abgesagt.

Ein weiterer Rückschlag für die hiesigen Floriansjünger: Die Feuerwehrhäuser mussten frühzeitig geschlossen werden. Auch alle Übungen mussten abgesagt werden, ebenso das traditionelle Maibaumaufstellen oder die Kirchweih. Viele Jugendgruppen hätten sich jedoch online getroffen. Selbst die theoretischen Teile der Ausbildung seien über Videokonferenzen möglich gewesen.

Persönliche Treffen gibt es erst seit Mitte Juni wieder. Gruppen bis neun Personen dürfen wieder üben, aber nur aus der eigenen Feuerwehr, und nur mit Mund-Nasen-Schutz. „Normalerweise wäre im Herbst die Abnahme der Abzeichen in größeren Übungen. Das ist nicht möglich. Glücklicherweise wurden die Altersgrenzen ausgesetzt“, so Grimmer, der durchaus Bedenken hat, ob alle Kinder und Jugendlichen ihren örtlichen Wehren treu bleiben.

Es werde nicht leicht, alle wieder hinter dem Ofen hervorzuholen, befürchtet er. „Alles steht und fällt mit dem Verlauf der Pandemie. Ich hoffe, dass es im kommenden Jahr wieder normal läuft. Es ist wichtig, dass sich die Jugend trifft, sich austauscht, etwas zusammen erlebt. Wir müssen Abwechslung bieten und Reize setzen. Denn Feuerwehrmann zu sein, ist attraktiv und man setzt sich für das Allgemeinwohl ein“, weiß der Kreisjugendwart aus eigener Erfahrung. Schließlich hat auch er auf dem großen Sommerzeltlager vor 25 Jahren erstmals „Blut geleckt“.

In den letzten Jahren ging es um diese Zeit in Hörblach rund: Die Jugendfeuerwehren des Landkreises trafen sich zum großen Zeltlager. Heuer wird daraus leider nichts. Archiv
In den letzten Jahren ging es um diese Zeit in Hörblach rund: Die Jugendfeuerwehren des Landkreises trafen sich zum großen Zeltlager. Heuer wird daraus leider nichts. Archiv Foto: Röllinger

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