Jochen Heinke ist auch als Buchautor sattelfest

Der Radl-Papst: Wohl keiner kennt Unterfrankens Radwege-Netz so gut wie Jochen Heinke aus der Rhön. Der passionierte Fahrradfahrer hat nicht nur das Beschilderungssystem entwickelt. Er schreibt über die schönsten Routen auch Bücher.
Die Radsaison beginnt bald wieder: Der Radl-Experte Jochen Heinke beschreibt in seinen Büchern besonders schöne Touren durch das Mainland – und hat auch für uns einige spezielle Routen zusammengestellt, die wir im Laufe des Frühjahrs und Sommers vorstellen werden. Unser Foto zeigt Radfahrer in Röttingen. Foto: Patty Varasano

Netzwerke muss man knüpfen können. Eine Floskel, die jedermann mitgegeben wird, aus dem etwas werden soll. Netzwerke knüpfen, das ist so etwas wie das Lebenswerk von Jochen Heinke. Es sind die ganz speziellen Netzwerke von Fahrradwegen, die sich über Unterfranken spannen. Maßgeblich sind sie das Werk des Wahl-Rhöners mit Frankfurter Wurzeln.

Das Fahrradfahren ist eine Leidenschaft, der Jochen Heinke schon lange frönt. „Rund um Frankfurt und Hanau gibt es wohl keinen Weg, den ich nicht schon mal gefahren bin“, sagt Heinke schmunzelnd. Für die Rhön, für den Steigerwald, für die Main-Gegend oder den Spessart könnte der Pensionär das Gleiche sagen. Er dürfte wie kaum ein anderer in Unterfranken die Radrouten zwischen Taubertal und Hochrhön – so gut wie seine Satteltasche – kennen.

Und er hat sie erschlossen, nicht nur für sich, sondern für andere. „Es sind wohl gut 6000 Kilometer, die ich und die verschiedenen Mitarbeiter der Bauhöfe beschildert haben“, sagt Jochen Heinke.

Kein Wunder, dass aus dieser Leidenschaft nicht nur Tausende Blechschilder in der Landschaft erwachsen sind, sondern mittlerweile eine ganze Reihe von Fahrradbüchern – für gemütliche Genussradler ebenso wie für sportliche Mountainbiker.

Angefangen hat alles im Jahr 2003. Da begann Jochen Heinke, der ein paar Jahre zuvor in die Rhön gekommen war, für den Naturpark Bayerische Rhön ein „Netz“ für Mountainbike-Touren zu entwickeln. Heinkes Idee, keine Rundstrecken zu entwerfen, sondern ein Streckengeflecht, auf dem man sich von fast jedem Ort praktisch nach Belieben seine Lieblingstour zusammenstellen kann, erwies sich als richtig.

Es folgten dann ab 2003 nach dem gleichen System die Radwanderrouten in den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen. Für sieben Landkreise hat Heinke bis 2014 die Beschilderungssysteme für ihre Fahrradwege entwickelt und betreut. Neben den beiden Rhön-Landkreisen haben inzwischen auch Schweinfurt, Haßberge, Würzburg, Main-Spessart und Aschaffenburg die Dienste des Netzwerkers in Anspruch genommen.

Radler in Unterfranken können sich seitdem überall, auch über Landkreisgrenzen hinweg, nach dem gleichen System orientieren. Und stets werden auf den Wegweisern neben den Entfernungen zwei Ziele angegeben, ein Fernziel und ein Nahziel.

Auch um die Fernradwege, die Unterfranken durchschneiden, hat sich Heinke gekümmert. Dazu gehören der Rhönradweg, die Radroute „Vom Main zur Rhön“, die „Spessart-Nordost-Passage“ und einige Flusstalrouten in Mittel- und Oberfranken.

Nach all den Jahren hat sich Routine eingeschlichen. „Zuerst wird die Strecke abgefahren. Mit dabei ist ein GPS-Gerät mit einer digitalen Karte im Maßstab 1:50 000, ein Diktiergerät und natürlich ein Fotoapparat zur Dokumentation“, erklärt Jochen Heinke. Damit schafft der Radl-Fachmann die Grundlage für die späteren Routen, die dann nach seinen Plänen meistens von den jeweiligen Bauhofmitarbeitern ausgeschildert werden.

Eine besondere Herausforderung war in den Jahren 2007/2008 die Arbeit am Qualitätsmanagement für den Mainradweg von den Quellen bis zur Mündung in Mainz. „Die Strecke führt durch drei Bundesländer und 16 Landkreise, das erforderte großen Koordinierungseinsatz“, erinnert sich Heinke. Danach wurde der Mainradweg nach den Richtlinien des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) als Qualitätsroute zertifiziert. Das soll auch so bleiben: „Jedes Jahr muss ich einmal die Strecke abfahren, um die Standards zu überprüfen“, erklärt Heinke.

Zuhause in Stetten ist über die Jahre ein üppiges Datenarchiv zum Wegenetz in der Region gewachsen, aus dem immer wieder Buchprojekte entstehen. Der Radfahrer und Routenplaner ist zum Buchautor geworden. Angefangen hat es mit dem Mountainbike-Routennetz für die Rhön. „Dazu gab es kein richtiges Begleitmaterial, also habe ich einen ersten Flyer erstellt“, erzählt Heinke. Für das erste wirkliche Fahrradbuch „Radeln zwischen Rhön und Haßberge“ hat er dann „Anzeigen gesammelt, das Layout in Word gesetzt“, erzählt Heinke. „Ein Riesen-Aufwand damals.

“ Es lohnte sich grenzübergreifend: Das Buch „Radeln zwischen Rhön und Haßberge“ wurde in Tschechien in einer 1500er-Auflage gedruckt. Nach und nach kamen weitere Werke hinzu, die nun nicht mehr in Eigenregie, sondern in Parzellers Buchverlag, dem Cocon-Verlag Hanau, dem ADFC-Verlag und dem Bruckmann-Verlag produziert wurden. Knapp zwei Dutzend Bücher sind so in den vergangenen Jahren entstanden. Das neueste Werk ist ein Führer für Cross-Country-Touren im Spessart und in der Rhön. Das Highlight darin: eine Cross-Country-Tour durch den Spessart in die Rhön.

So rein sportlich ist Heinke selbst nicht mehr unterwegs, beweisen muss er sich eigentlich nichts mehr. Darum rücken für ihn vermehrt auch Genießerthemen in den Blick. „Radeln und Genießen im Fränkischen Weinland“ heißt eines seiner neueren Werke. Darin gibt's schöne Radtouren, kombiniert mit Abhandlungen zur Weinkunde und ausführlicheren Gastronomie-Tipps. Ideen für weitere Buchprojekte hat der passionierte Radler noch genug: Haßberge, Steigerwald, Spessart und Rhön als Genussregionen sind Thema eines weiteren sportlich-kulinarischen Radreiseführers, für den Heinke noch einen Verlag sucht.

„Interessant wäre sicherlich auch etwas Ähnliches zum Thema Bierkultur“, deutet Heinke eine weitere Idee an. Seine Lieblingsroute befindet sich übrigens vor seiner Haustür. Es ist die Tour über das Dach der Rhön. Sie führt über die Lange Rhön und bietet grandiose Fernblicke – für Mountainbiker wie für E-Biker.

Wenn Jochen Heinke nicht auf dem Fahrradsattel sitzt, durchquert er auch zu Fuß gerne die Region. So gibt es einen Pilgerführer für die alte „Via Romea“. Sie führte früher aus Skandinavien über die Alpen bis nach Rom. Den Abschnitt zwischen Thüringer Wald bis zu den Alpen, der auch durch Unterfranken führt, hat Heinke, der sich nebenbei auch für historische Straßen interessiert, in einem Pilgerführer beschrieben.

Müdigkeit zwischen Pedalen und Schreibtastatur stellt sich bei Jochen Heinke bisher jedenfalls noch nicht ein. So ist es halt, wenn man als Buchautor im wahrsten Sinne sattelfest ist.

Tipps vom Fachmann

Jochen Heinke beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Radwegen und auch der historischen Verkehrsgeografie, insbesondere in Unterfranken, Südthüringen und Osthessen.

Seine Ergebnisse der Altstraßenforschung im Gelände verknüpft er mit dem „Erfahren“ der Straßen heute.

Für uns hat der Radwege-Fachmann spezielle Routen in der ganzen Region zusammengestellt – für Sportliche oder Genießer, fürs Mountainbike oder das E-Fahrrad. In den kommenden Wochen veröffentlichen wir seine Touren-Vorschläge an dieser Stelle in lockerer Folge.

Buchtipps:

• Mainradweg. Von den Quellen bis zur Mündung. Bruckmanns Radführer, 9,90 Euro

• Radeln und Genießen im Fränkischen Weinland. Parzeller-Verlag, 14 Euro

• Neue Radwandertouren in der Rhön; Parzeller-Verlag, 7,90 Euro.

Mehr Infos: www.rhoen-active.de

Seine Bücher erzählen vom Radfahren: Jochen Heinke aus Stetten in der Rhön ist Unterfrankens Radwege-Experte. Zwischen Rhön und Spessart, Haßberge und Steigerwald kennt er praktisch jeden Routen-Meter. Foto: Gerhard Fischer

Rückblick

  1. Wandern im Steigerwald: Wo die Runden ein Traum sind
  2. Warum der ADFC viele Fahrrad-Stellplätze für ungenügend hält
  3. Oppidum Finsterlohr: Auf den Spuren der Kelten
  4. Mit dem Rad im Spessart: Wo's auch weniger anstrengend ist
  5. Start der Fahrrad-Saison: Zehn Touren-Tipps in der Region
  6. Den Landkreis Bad Kissingen erwandern
  7. Was Wanderer mit sich herumtragen
  8. Wie das Leben in der Rhön früher so war
  9. Das sind die Pläne für das Würzburger Haus
  10. TraumRunde-Wanderweg: Am Ende ganz oben auf der Glatze
  11. Die TraumRunde Dornheim: Naturwald und Ruhe als Erlebnis
  12. Wo die Spessarträuber wohl keine Chance hätten
  13. So lebt es sich im klitzekleinen Frankfurt
  14. Wandern rund um die Ulrichskapelle: Zu Kreuzrittern und Wölfen
  15. Wandertipp: Alles rund um die Esskastanie
  16. Rundwanderung: Wo Kunigundes Schleier hängen blieb
  17. Neue Mainfranken-Radtour: 600 km möglichst nicht auf Asphalt
  18. Im Sattel zum Schwarzen Moor
  19. Säbelhalter und Hundepistole: Vom Strampeln einst und heute
  20. Radtour mit Picknick des Frauenkreises
  21. Mimikry auf der Pferdekoppel
  22. Flach, hügelig, flach
  23. Mit dem Rad durchs Schweinfurter Land
  24. 7-Mühlen-Radtour: Ausflug in die Mühlengeschichte
  25. Die kritische Masse hat einige kritische Anmerkungen
  26. 100 Kilometer auf dem Sattel durch den Spessart
  27. Gefahrenpunkte für Radler minimieren
  28. Drei unterschiedliche Radtouren rund ums Werntal
  29. Aufs richtige Rad gesetzt
  30. Spritztour aufs Land mit dem Freizeitbus
  31. „Radtour pro Organspende“ führt im Juli durch den Landkreis
  32. Tüftler Popp und seine Ideen für das Fahrrad von morgen
  33. Zu Quelle, Schloss und Kirchen
  34. Fahrrad-Kilometer für Main-Spessart sammeln
  35. Das E-Bike verdrängt das Fahrrad
  36. Sinn, Saale, Schondra: Mit dem Rad durch drei Täler
  37. 70 Radfahrer bei Critical Mass Spontan-Radtour
  38. Critical Mass Radtour
  39. Polizeibericht: Sonntagsausflug endete im Krankenhaus
  40. Jochen Heinke ist auch als Buchautor sattelfest
  41. 20 mal nach Vierzehnheiligen
  42. Reicherts viertes Radreisebuch
  43. Radfahren, wo Deutschland geteilt war
  44. Herbst-Radtour
  45. Radtour kritischer Radfahrer
  46. Radtour beim Räderwechsel
  47. Die rollende Sprechstunde des Staatssekretärs
  48. Universitätschor Dresden singt in der Dreieinigkeitskirche
  49. Fußballgroße Pilze
  50. Radtour zu den sieben Mühlen

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