GEMÜNDEN

1. Weltkrieg: Stadt gedenkt des jüdischen Gefallenen

Mit Gedenktafel: (von links) Bürgermeister Jürgen Lippert, die Vorsitzende des Historischen Vereins Gemünden und Umgebung, Lotte Bayer, und Bundestagsmitglied Bernd Rützel (SPD).
Foto: F. Heilgenthal | Mit Gedenktafel: (von links) Bürgermeister Jürgen Lippert, die Vorsitzende des Historischen Vereins Gemünden und Umgebung, Lotte Bayer, und Bundestagsmitglied Bernd Rützel (SPD).

Die Namensreihen der in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten in der Kapelle des Ehrenfriedhofs am Einmalberg wurden ergänzt. Mit einer von der Gemündener Firma Ziegler Industrieelektronik gestifteten kleinen Zusatztafel gedenkt die Stadt ihres im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Mitbürgers Sigmund Sichl.

Bereits 1999 hatte Kreisheimatpfleger Bruno Schneider zusammen mit dem Historischen Verein einen Vorstoß beim Bezirksvorstand des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge unternommen, die große Gedenktafel für Kriegsopfer der Stadt in der Kapelle um die Namen gefallener jüdischer Soldaten zu ergänzen. Weil die Daten wahrscheinlich vom ehemaligen Denkmal aus der Nazizeit übernommen wurden, war kein jüdischer Name eingetragen.

Diese Bemühungen verliefen allerdings im Sand, unter anderem mit der Begründung, dass kein zusätzlicher Platz vorhanden sei. Vor einigen Wochen nahm der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel das Thema wieder auf und wandte sich direkt an die Landesleitung des Volksbundes in München, der dazu sein Einverständnis gab.

Zunächst ging man von fünf Gefallenen aus, aber weitere Recherchen durch Bruno Schneider und den heimatgeschichtlich engagierten Langenprozeltener Ulf Fischer ergaben, dass im jüdischen Zentralregister nicht zwischen den verschiedenen Gemünden in Deutschland unterschieden wurde. Aus Gemünden am Main stammte nur Sigmund Sichl. Die Tafel wird rechtzeitig zum Volkstrauertag angebracht.

Bei der Präsentation dankte Rützel der Firma Ziegler für die spontane Bereitschaft, die Tafel zu fertigen und zu stiften. Es sei für die Gesellschaft und eine Kommune wichtig, lückenlos und ohne Vorbehalte gute Erinnerungskultur zu pflegen. Leider sei das auch heute noch nicht überall selbstverständlich, wie es erst kürzlich beim Dekanatskirchentag in Gemünden durch Fürst Albrecht Castell-Castell angesprochen wurde.

Bürgermeister Jürgen Lippert bedankte sich ebenfalls und lobte das Engagement aller Beteiligten, die als Bürger dafür Sorge getragen haben, das Gedenken an alle Gefallenen der Stadt würdevoll und in angemessener Form zu gewährleisten.

Die Tafel trägt neben dem Siebenarmigen Leuchter diesen Text: „Die Stadt Gemünden gedenkt ihres im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Mitbürgers, des Soldaten Sigmund Sichl, geboren am 9. März 1881, gefallen am 30. April 1918.“

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