Rechtenbach

1975 scheiterte die Eingemeindung am Lohrer Veto

Zeitungsausrisse aus der ersten Hälfte der 1970er-Jahre belegen, wie wechselhaft die Diskussion um eine Eingemeindung Rechtenbachs nach Lohr war.  Foto: Johannes Ungemach

"Wir wissen, dass der Kelch an uns nicht vorübergeht und wir eines Tages eingemeindet werden. Wir wollen aber, solange es geht, selbstständig bleiben." Das sagte der damalige Rechtenbacher Bürgermeister Leo Väthjunker im Mai 1971.

Damals gab es in Rechtenbach noch viel größere Diskussionen um eine mögliche beziehungsweise seinerzeit als drohend empfundene Eingemeindung nach Lohr. Über Jahre befasste sich der Rechtenbacher Gemeinderat immer wieder mit dem Thema. Die Eingemeindung nach Lohr wurde dabei zunächst in mehreren Beschlüssen abgelehnt.

Immer wieder kochten bei dem Thema die Emotionen in Rechtenbach hoch. Im Januar 1972 gab es eine Bürgerversammlung, die laut Zeitungsbericht teilweise tumultartig verlief.

Flugblätter machten die Runde. Die Gegner einer Eingemeindung hoben in der Diskussion die Vorzüge der eigenen Entscheidungsgewalt in gemeindlichen Belangen hervor. Befürworter verwiesen nicht zuletzt auf die Finanzkraft Lohrs und auf eine üppige "Eingemeindungsprämie". Die Stadt Lohr erweckte zunächst den Eindruck, weitere Gemeinden in ihren Schoß aufnehmen zu wollen. Doch dann setzte sich offenbar die Erkenntnis durch, dass sich selbst das damals reiche Lohr durch weitere Zugänge weniger betuchter Gemeinden finanziell verheben könnte.

Zur VG zusammengeschlossen

1975 verhängte der Stadtrat per Beschluss eine Art Aufnahmestopp. Da half auch das zu diesem Zeitpunkt vorliegende Votum der Rechtenbacher Bürger nichts mehr, die sich mit deutlicher Mehrheit für eine Eingemeindung nach Lohr ausgesprochen hatten. Zwar fasste der Rechtenbacher Gemeinderat vor diesem Hintergrund im September 1975 doch noch den Beschluss, die Eingemeindung nach Lohr zu beantragen. Doch daraus wurde nichts mehr.

Die die ganze Eingemeindungsdiskussion begleitende Überlegung, eine große Verwaltungsgemeinschaft mit allen Lohrer Umlandgemeinden zu gründen, kam freilich auch nicht zum Tragen.

Stattdessen schlossen sich am Ende lediglich Neuendorf, Neustadt, Rechtenbach und Steinfeld zur heutigen Verwaltungsgemeinschaft Lohr zusammen.

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