KARLSTADT

200 Flüchtlinge in Karlstadt: Schaffen wir die Integration?

Eine Familie in der Wohnanlage im Finanzamtsgarten erlaubte den Blick in ihr Apartment. Dieses Angebot nahmen einige an. Stellvertretender Bürgermeister Theo Dittmaier hatte dazu eingeladen. Foto: Klaus Gimmler

Für eine vierköpfige Familie ist es recht eng. Ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer, ein Bad und eine Wohnküche – dies alles auf 45 Quadratmeter. Einige in der Integration engagierte Personen durften am Donnerstag ein kleines Apartment in der Wohnanlage für Flüchtlinge im Finanzamtsgarten besichtigen. Die syrische Familie strahlte zur Begrüßung. Sie fühlen sich wohl hier, sagten sie.

Die Wohnanlage für anerkannte Asylbewerber ist seit gut einem Jahr fertig. Im Juni 2016 zogen die ersten Mieter ein. Daher ist es Zeit, einmal Bilanz zu ziehen, dachte sich der derzeit amtierende Bürgermeister Theo Dittmaier und lud zu einer Art Flüchtlingsgipfel in den Gemeinschaftsraum der Wohnanlage ein. Vom Stadtrat waren allerdings nur drei Vertreter der Grünen-Fraktion gekommen.

Welche Fortschritte wurden gemacht?

Dittmaier zitierte die Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Wir schaffen das“, hatte sie gesagt und damit die Integration der vielen Flüchtlinge gemeint. Schaffen wir es wirklich? In Karlstadt gibt es etwa 200 Flüchtlinge. Wie ist ihre Integration bisher gelungen? Welche Fortschritte wurden in den letzten beiden Jahren gemacht? Dies wollte Dittmaier von seinen geladenen Gästen wissen.

Integrationsbeauftragte Sakine Azodanlou sprach von einer positiven Entwicklung. Viele der etwa 200 in Karlstadt lebenden Flüchtlinge hätten sich mittlerweile gut integriert und manche einen Beruf gefunden. Sie berichtete von einem Schneider, Maurer und Verputzer. Es gibt Flüchtlinge, die arbeiten bei Bosch-Rexroth oder bei Flyeralarm. Einige hätten ihre Führerschein gemacht.

Sakine Azodanlou ist Ansprechpartnerin

Sie selbst habe in ihrem Büro im Rathaus nach wie vor viel zu tun. Sie ist die erste Ansprechpartnerin für die Flüchtlinge und helfe, wo sie kann – beispielsweise bei Anträgen und rechtlichen Fragen, allerdings seien manche rechtlichen Fragen so kompliziert, dass sie nur auf die Hilfe von Experten verweisen kann. Ganz wichtig ist für die Flüchtlinge das Erlernen der deutschen Sprache. Dies ist möglich bei den Helferkreisen und bei anerkannten Flüchtlingen über die Volkshochschule (VHS).

Die VHS-Vorsitzende Claudia Ruppert war auch geladen und sie machte deutlich, dass die Sprachkurse für die anerkannten Flüchtlinge kein freundliches Angebot sind, sondern es gebe eine Verpflichtung zur Teilnahme, sonst werden vom Job-Center die Leistungen gekürzt. Es gebe Anwesenheitslisten und ab dem zweiten Krankheitstag braucht es ein ärztliches Attest. Ruppert gab einen Überblick über die verschiedenen Sprachkurse, die auf dem höchsten Niveau die Flüchtlinge sogar befähigen, in Deutschland ein Studium zu beginnen oder fortzusetzen. Zudem werden in den Sprachkursen die hier üblichen Werte und die Kultur vermittelt.

Akademiker und Analphabeten

Die Teilnehmer der Kurse seien in ihrem Bildungsgrad ganz unterschiedlich. Es gebe Akademiker und auch Analphabeten darunter, sagt Ruppert. Entsprechend seien auch die Abschlüsse. Den Teilnehmern werde nichts geschenkt. „Wir müssen maximal flexibel sein“, so Ruppert. Die Kurse würden dann beginnen, wenn es genügend Teilnehmer gibt.

Wie wichtig das Erlernen der deutschen Sprache für die Integration ist, betonten auch Susanne von Mansberg sowie Günter Rösch vom Helferkreis. Allerdings sei es jetzt nach zwei Jahren schwierig geworden, Lehrer für den Deutschunterricht zu finden. Das Hauptgeschäft des Helferkreises sei die Betreuung der Flüchtlinge. „Dies ist ganz wichtig, sonst wird das nichts“, sagt von Mansberg. Dazu gehört vor allem Hilfe und Unterstützung bei Amtsgängen. Im Idealfall entstehen Freundschaften und die Betreuer und Flüchtlinge wachsen zusammen. Man müsse sich auch um die Frauen der Flüchtlinge kümmern, damit diese auch Deutsch lernen. „Es wäre schade, wenn wir diese verlieren“, sagte sie.

Auch zehn Sozialbedürftige

Im Anschluss an die Diskussion wurde die Wohnanlage besichtigt. Diese wird vor allem von syrischen Flüchtlingen bewohnt. Aber auch Afghanen und Äthiopier haben hier ein Zuhause gefunden, berichten Sonja Reusch von der Hausverwaltung und Esther Kußberger von der Regierung von Unterfranken. Insgesamt 60 Flüchtlinge sind eingezogen, aber auch zehn Sozialbedürftige. Dies sei ein Mix, der funktioniert. Die Wohnungen seien begehrt, die Fluktuation gering und die Zusammenarbeit vorbildlich, hieß es.

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