Gemünden

28-Jähriger beleidigte Polizisten und muss zahlen

Die Staatsanwaltschaft forderte Gefängnis, die Richterin beließ es bei einer Geldstrafe für einen 28-Jährigen wegen Beleidigung von Polizisten. Foto: liveostockimages

Knast oder Kohle? Vor dieser Entscheidung stand Strafrichterin Katrin Heiduck in der Verhandlung gegen einen 28-Jährigen. Die Staatsanwältin wollte den Mann wegen Beleidigung von Polizeibeamten und Rauschmittelbesitzes für acht Monate hinter Gittern sehen. Der Verteidiger beantragte eine Geldstrafe. Nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil muss der Mann jetzt 2100 Euro plus Verhandlungskosten zahlen.

Zunächst hatte der Berufs- und Arbeitslose aus dem Raum Karlstadt wegen Beleidigung von zwei Polizeibeamten einen Strafbefehl über 2400 Euro (160 Tagessätze zu 15 Euro) erhalten, gegen den er Einspruch erhoben hat. Dieser wurde jetzt im führenden Verfahren vor dem Amtsgericht Gemünden verhandelt. Weil seine Ex-Freundin ihn bei der Polizei verpfiffen hat, erfolgte im Januar eine Hausdurchsuchung, bei der Betäubungsmittel gefunden wurden. So musste er sich wegen zwei Verfehlungen vor Gericht verantworten.

Im führenden Verfahren hatte der 28-Jährige im Januar 2018 zwei Beamte der Polizeiinspektion Karlstadt als "asoziales Pack" und als "Penner" bezeichnet. Nach seiner Entlassung aus dem Polizeigewahrsam verabschiedete er sich mit einem "Sieg Heil" und einem "viel Spaß im Fegefeuer".

Leitpfosten herausgerissen

Vorausgegangen war die Meldung eines Autofahrers, der auf der Straße zwischen Laudenbach und Mühlbach mehrere herausgerissene Leitpfosten bemerkt hatte. In diesem Bereich konnte er einen Mann in "weißer Hose, weißem T-Shirt und blauer Jacke" ausmachen. Aufgrund dieser Beschreibung hielt eine Polizeistreife den Angeklagten auf dem angrenzenden Fahrradweg an. "Die Personenbeschreibung passte haargenau", so die beiden Beamten als Zeugen.

Bei der Feststellung der Personalien warf der Mann seinen Personalausweis den Beamten vor die Füße und erklärte ihnen, dass sie ihm nichts nachweisen können, er zudem unzurechnungsfähig und schuldunfähig sei. Und weiter: "Ich bin auf euren Verein nicht gut zu sprechen".

Da er unkooperativ war, erklärten ihm die Beamten die vorläufige Festnahme, legten ihm Handfesseln an und verbrachten ihn in ihr Dienstfahrzeug, wo dann die ersten Beleidigungen fielen. In der Wache verweigerte der Festgenommene einen Atemalkoholtest. Da er nicht sonderlich betrunken wirkte, wurde auf eine Blutentnahme verzichtet. Dafür informierten die Beamten einen Bekannten, der den 28-jährigen aus dem Gewahrsam abholte und Nachhause brachte.

Angeklagter zeigte sich einsichtig

"Das stimmt alles, ich hab die Beamten beleidigt und es tut mir leid", bekannte der Angeklagte in der Verhandlung und fügte hinzu, dass er wahrscheinlich noch viel mehr Schimpfworte gebraucht hat. Vor seiner Festnahme habe er etwa fünf Liter Bier und einen halben Liter Schnaps getrunken sowie Drogen genommen. Vier Flaschen, davon drei volle und eine leere, wurden bei der Polizeikontrolle bei ihm sichergestellt.

Ausschlaggebend für das Urteil war für Richterin Heiduck wohl das forensisch-psychologische Gutachten eines Sachverständigen. Seit 2016 hatte er den Mann jetzt schon drei Mal begutachtet. In seinem Bericht bezog er sich auf eigenen Untersuchungsergebnisse sowie einen Bericht aus dem Bezirkskrankenhaus in Lohr aus dem Jahr 2017. In den Gutachten wird dem 28-Jährigen ein "Autoritätsproblem mit Hang zur Sachbeschädigung" bescheinigt. Und weiter eine Störung der Impulskontrolle sowie eine erhebliche Persönlichkeitsstörung.

Verstärkt werden die Störungen bei einer "Mischtoxiologie" durch die Einnahme von Alkohol zusammen mit Drogen. "Mir ist nicht ganz klar, warum die orthopädischen Fachärzte ihm eine Cannabis-Therapie verordnen", erklärte der Gutachter und sprach damit den jetzt legalen Besitz und die Einnahme von verordneten Betäubungsmitteln, verschrieben durch eine Fachklinik. Damit sollen die chronischen Schmerzen des Patienten gemildert werden.

"Vermindert schuldfähig aber nicht komplett schuldunfähig", argumentierte die Staatsanwältin und beantragte gegen den bereits einschlägig Vorbestraften eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung.

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