Gemünden

30-Jähriger wollte mit Hanfanbau angeblich Eigenbedarf decken

Zu einem Urteil kam es vor dem Amtsgericht Gemünden nicht. Zunächst soll ein Gutachten klären, ob, und wenn ja, in welchem Umfang der Angeklagte überhaupt schuldfähig ist.
Das Amtsgericht in Gemünden.
Foto: Michael Mahr | Das Amtsgericht in Gemünden.

Mit Marihuana gehandelt zu haben wirft die Staatsanwaltschaft einem 30-jährigen Mann aus dem Raum Lohr vor. Im Dezember 2019 hatte die Polizei in seiner Wohnung vier erntereife Hanfpflanzen beschlagnahmt. Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Gemünden gab der Angeschuldigte an, dass es sich um seine Jahresernte für den Eigenbedarf gehandelt habe.

"Mein Mandant hat ein ungelöstes Drogenproblem", erklärte sein Verteidiger und dass der Anbau der Pflanzen seit Anfang 2019 eingeräumt werde. Ziel sei gewesen, per "Home Growing" den Eigenkonsum zu decken.

Dieser dürfte nach den Angaben des Mannes nicht unerheblich sein, noch vier Tage vor der Verhandlung soll er "ich kiffe täglich" zu seinem Verteidiger gesagt haben. Auf Nachfrage von Richter Sven Krischker gab er zudem an, er habe auch damals fast täglich konsumiert, zwei bis drei Joints nach der Arbeit, an Wochenenden noch mehr. Über zehn Jahre sei er schon Cannabis-Konsument. "Ich habe nicht ein Gramm verkauft oder abgetreten", versicherte er zur Anklagevorwurf des gewerblichen Handels. "Wo man es halt kriegt", antwortete er auf die Frage des Staatsanwalts, wo er entsprechende Drogen derzeit her bekommt.

THC-Gehalt der Hanfblüten war erstaunlich hoch 

Wesentlich für den Anklagevorwurf dürfte sein, dass ihm der Anbau damals recht gut gelungen war. Das toxikologische Gutachten fand im Marihuana (den Hanfblüten) bei zwei untersuchten Proben THC-Gehalte von 13,3 und 14,5 Prozent, was zur Folge hatte, dass die juristisch relevante "geringe Menge" insgesamt um das sechseinhalbfache überschritten war. Ohne es wissen zu können, habe sein Mandant nicht damit gerechnet, sagte der Verteidiger dazu, sondern sei von weniger als der Hälfte ausgegangen.

Wegen der bestehenden Sucht beantragte der Verteidiger, dass ein Gutachten erstellt wird, ob der 30-Jährige schuldunfähig oder vermindert schuldfähig ist. Dafür musste die Verhandlung zunächst ausgesetzt werden. Bevor Richter Sven Krischker den Beschluss dazu verkündete, bemerkte er etwas unwirsch, dass sich so etwas vorab klären lasse, was gerade in Corona-Zeiten sinnvoll wäre. So trafen sich im Gerichtssaal das Schöffengericht (Berufsrichter und zwei Schöffen), der Staatsanwalt sowie der Angeklagte samt Verteidiger und es waren auch Zeugen geladen.

Vor kurzem erst wegen Falschgeld vor Gericht

Das Gutachten könnte auch dazu führen, dass im Urteil keine klassische Strafe verfügt wird, sondern die Einweisung in eine Therapieeinrichtung. Zudem könnte eine kürzlich erfolgte Verurteilung zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe durch ein Amtsgericht in Hessen im Rahmen einer Gesamtstrafe zu berücksichtigen sein. Dazu  berichtete der Verteidiger, sein Mandant hab zusammen mit zwei anderen Tätern insgesamt 150 gefälschte 50-Euro-Scheine in Umlauf gebracht und die damit gekauften Dinge in Pfandleihhäuser gebracht. Allerdings ist dieses Urteil nicht rechtskräftig, weil der 30-jährige Berufung einlegte.

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