Steinfeld

350 Menschen bei Protestspaziergang in Hausen gegen B26n

Mit einem Protestspaziergang durch den Hausener Wald und das Buchental setzten am Sonntag rund 350 Menschen ein deutliches Zeichen gegen die geplante B26n samt Spange. Foto: Wolfgang Dehm

Mit einem Protestspaziergang durch den Hausener Wald und das Buchental machten am Sonntagnachmittag rund 350 Leute darauf aufmerksam, dass sie weder die geplante B26n noch die nachträglich dazugezimmerte Spange von Wiesenfeld nach Lohr haben wollen.

Schon während des Protestspaziergangs, aber auch bei der Schlussrast mit Kaffee und Kuchen an der Kläranlage, fand der Steinfelder Bürgermeister, Günter Koser (CSU), deutliche Worte. "Wir lassen es nicht zu, dass dieser Wald wegen einer Straße abgeholzt wird", sagte er unter lautstarkem Applaus. Genauso werde man dagegen ankämpfen, dass "unser malerisches Buchental zubetoniert wird".

Mit einem Protestspaziergang durch den Hausener Wald und das Buchental setzten am Sonntag rund 350 Leute ein deutliches ... Foto: Wolfgang Dehm

Die mit dem Bau der B26n und der Spange einhergehende Naturzerstörung sei jedoch nicht der einzige Ablehnungsgrund, so Koser. Schaue man sich nämlich das vom staatlichen Bauamt erstellte Verkehrsgutachten an, dann frage er sich, weshalb die B26n-Planung nicht dort gelandet sei, wo sie hingehöre: "im Papierkorb".

Koser verweist auf Verkehrsgutachten

Nach den Worten des Bürgermeisters sagt das Verkehrsgutachten nämlich aus, dass es im Landkreis Main-Spessart ohne den Bau der B26n in den kommenden 15 Jahren keine signifikante Zunahme des Verkehrs geben werde. Anders sehe es aus, wenn die B26n bis Karlstadt gebaut sei: dann nehme der Durchgangsverkehr um viele Tausend Fahrzeuge täglich zu.

"Man schafft sich mit dem B26n-Neubau Probleme, die man nicht hätte, wenn man gar nichts tun würde", lautete Kosers Schlussfolgerung. Deshalb solle nun das nachgeordnete Straßennetz "ertüchtigt" werden, unter anderem mit einer Spange von Wiesenfeld nach Lohr.

Mit einem Protestspaziergang durch den Hausener Wald und das Buchental setzten am Sonntag rund 350 Leute ein deutliches ... Foto: Wolfgang Dehm

Nach Kosers Einschätzung wird die Stadt Lohr künftig durch den zusätzlich über die B26n ankommenden Verkehr große Probleme bekommen – größere als diejenigen, die derzeit Arnstein habe. Er verstehe nicht, weshalb Lohr nicht gemeinsam mit Steinfeld "gegen diesen Unsinn" kämpfe; für die Werntalgemeinden sehe er die Lösung in ortsnahen Umgehungen.

Bürgermeister Günter Koser bei seiner Schlussrede an der Kläranlage. Foto: Wolfgang Dehm

Steinfeld will gegen B26n Widerstand leisten

Seitens der Gemeinde Steinfeld jedenfalls kündigte Koser Widerstand gegen das gesamte B26n-Projekt an. "Ich kann nicht versprechen, dass wir diesen Kampf gewinnen werden, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Während des Protestspaziergangs erläuterte Gerd Reimer (Heimat- und Geschichtsverein), dass es im Hausener Wald im Bereich der Kohlplatte 25 historische Hügelgräber aus verschiedenen Zeitepochen gebe, die ältesten seien vor rund 3600 Jahren angelegt worden. Er glaube nicht, dass irgendjemand das Recht habe, "wegen dieser schwachsinnigen Straße" die Gräber kaputt zu machen. Sein Vereinskollege Martin Loschert ging auf die Schönheit des Buchentals ein und betonte, dessen Wert liege auch in der dort vorhandenen biologischen Vielfalt.

Hinweis auf Historie, Flora und Fauna 

Eine klare Aussage traf auch Förster Martin Volkmann-Gebhardt: "Wer heutzutage eine solche Straße aus Asphalt und Beton plant, ist nicht mehr ganz sauber." Der Steinfelder Wald sei "ein wunderbar wertvoller Wald", nicht nur finanziell gesehen, sondern vor allem hinsichtlich seiner "Schönheit und Naturnähe".

Laut Gosbert Endres, der in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Nistkästen im Steinfelder Wald aufgehängt hat, sind dort unter anderem zahlreiche Vogelarten vertreten sowie sieben Fledermausarten. Mit Blick auf die Wahlen im kommenden Jahr rief er dazu auf, denjenigen Kandidaten zu wählen, "der diesen Wahnsinn (B26n) stoppt".

Sonja Stahl (Bürger und Kommunen gegen die B26n) forderte bei ihrer Rede an der Kläranlage ,lokale Lösungen für den Verk... Foto: Wolfgang Dehm

Die B26n sei keine Lösung, in Zeiten von Klimawandel und Mobilitätswende schon gar nicht, sagte Sonja Stahl (BI gegen 26n). Für vom Verkehr stark betroffene Ortschaften fordere man lokale Lösungen. Ihr Kollege Reinhard Rauch sagte mit Blick auf die zahlreichen Teilnehmer des Protestspaziergangs, hier sehe man, dass es "kein kleiner, versprengter Haufen" sei, der gegen gegen die B26n protestiere.

Rückblick

  1. 350 Menschen bei Protestspaziergang in Hausen gegen B26n
  2. B26n: Auch kritische Stimmen im Lohrer Stadtrat
  3. Entlastung Lohrs vom Verkehr unsicher
  4. BI gegen die B26n: „MSP-Politiker kaufen die Katze im Sack“
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  7. B 26n bringt mehr Verkehr in die Bücholder Straße
  8. B 26n: Weiterführung bei Karlstadt zunächst vom Tisch
  9. Steinfelder Rat gegen B 26n: Unverständnis über Haltung Lohrs
  10. B26n-Gutachten: Gebietsverkehrswacht sieht sich bestätigt
  11. Karlstädter Stadträte stritten heftig über Verlauf der B26n
  12. MdL Celina: Prognosen weisen auf B26n als Transitstraße hin
  13. Scheiner: Zahlen belegen, dass B26n dem Landkreis nicht nutzt
  14. Bei der B26n zeitlich voll im Plan
  15. Verkehrschaos in Arnstein: Menschen leiden unter Belastung
  16. Bürgerinitiative: Noch immer alles offen in Sachen B26n
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  20. Kraftakt beim Straßenbau in den nächsten zwölf Jahren nötig
  21. Rund 16 000 Fahrzeuge täglich auf Ortsumgehung Karlburg
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  28. BI: Die B26n könnte trojanisches Pferd werden
  29. Höchste Priorität für die B 26n
  30. Alle Mittel gegen den Bau ausschöpfen
  31. B 26n: Beschwerde in Brüssel
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  36. B26n: Kritik an Straßenplanung
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  39. Hoffmann: Finanzierung der B 26n ist gesichert
  40. Neue Pläne: B26n hat kräftig abgespeckt
  41. Nach Mahnfeuern gegen B 26n: IHK reagiert
  42. Feuriger Widerstand gegen eine Westspange
  43. Vollbremsung bei der B 26n?
  44. Bürgerentscheid über Autobahnausbau in Würzburg
  45. A3-Ausbau: Bürgerentscheid voraussichtlich am 13.April
  46. B 26n: Privat gebaut und vom Staat gemietet?
  47. B 26n-Gegner sehen optimistisch in die Zukunft
  48. Neues Angebot steht im Raum
  49. Gegner der B 26n versammeln sich für Berichte und Wahlen
  50. B 26n: Planer prüfen Alternativen

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