THÜNGEN

50 Jahre Schule Thüngen: Als noch 40 Kinder in einer Klasse saßen

Ein Kultstar der 68er war Heintje mit dm Superhit „Mama”. Foto: G. Roth

Mit einem Fest feierten die Kinder der Grundschule Thüngen gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Freunden den 50. Geburtstag ihres Schulhauses. Dabei gab es pfiffige Streifzüge in die Vergangenheit der 1960/70er-Jahre.

„Vor 50 Jahren war vieles anders: Wir gingen alleine zum Einkaufen und bezahlten mit der D-Mark. Wir fuhren in den Urlaub ohne Sicherheitsgurt und Kindersitz!“ Selbst so banale Vergleiche mit der Welt vor 50 Jahren versetzten die heutigen Grundschüler in Staunen oder riefen bei den Älteren nostalgische Gefühle hervor, „ja, so war das damals!“

Mit Spiel- und Musikeinlagen zeigten die Buben und Mädchen auch, dass ein „Beatle“ damals kein Kleinwagen war, sondern die Kult-Band schlechthin. Und zu allem sang die damalige Gruppe „Archies“ von Zucker und Honig mit „Sugar Sugar“. Den Vogel aber schossen die Kinder mit ihren „Charts der 68er“ ab – mit frischen Tänzen in den flotten Kleidern und mit einem anderen Kult-Sänger der damaligen Zeit: Als „Heintje“ playback „Mama“ schmetterte, gab es jubelnden Beifall.

In der Woche vor dem Jubiläumsfest hatten sich die Kinder in ihrer Klasse oder in Kleingruppen mit der bewegten Zeit befasst, in der ihre Schule gebaut wurde. Sie suchten in Thüngen bauliche Spuren und befragten Einwohner, außerdem luden sie im Vorfeld Gäste ein, um sie als Zeitzeugen zu interviewen.

Groß staunten die Grundschüler des 21. Jahrhunderts, als sie erfuhren, dass in den heutigen Zimmern mit gerade mal 20 Schülern vor 50 Jahren über 40 Abc-Schützen saßen, dass sie ihre ersten Schreibversuche mit Schiefertafeln machten und dass es zuhause ordentlich Ärger gab, wenn eine Tafel zu Bruch gegangen war. Unglaublich auch, dass es damals keine Mittagsbetreuung gab, weil bei fast allen Kindern die Mama oder wenigstens die Großeltern nach der Schule daheim waren.

Von einem ehemaligen Lehrer hörten die Schüler, wie der mit einer mechanischen Schreibmaschine und dem Spiritus-Handkopierer Arbeitsblätter entwerfen musste und viele Zeugnisse mit der Hand geschrieben wurden. Statt MP3-Player gab es große Tonbandgeräte. Diese und andere Ergebnisse ihrer Recherchen stellten die Schüler in ihren Klassenzimmer am Festtag für die Gäste aus. Dazu gab es auch eine Ausstellung mit Spielzeugen aus dieser Zeit und im Schulhof konnte man schussern, kipfeln oder den Hula Hoop-Reifen ausprobieren.

Aber auch ernste Themen kamen zur Sprache, denn die 68er-Jahre waren schließlich nicht nur Kult. Es war auch die Zeit des Kalten Kriegs, des sogenannten „Prager Frühlings“, gewalttätiger Demonstrationen und nicht zuletzt der Attentate auf John F. Kennedy und Martin-Luther King.

Bei der Eröffnungsfeier gab es ein Geburtstagsgeschenk vom Förderverein, der vier nagelneue Tretroller für Pausenspiele überreichte. Thüngens Bürgermeister Lorenz Strifsky nutzte die Gelegenheit, ein klares Bekenntnis für den Schulstandort Thüngen zu geben. Auch wenn es die Finanzen der Gemeinde stark strapaziere, werde im nächsten Jahr voraussichtlich die Generalsanierung in Angriff genommen, versprach er.

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