Gemünden

76-Jährige als Diebin verurteilt

„Alter schützt vor Torheit nicht“. Dies trifft schon seit Jahren auf eine 76-jährige Dame aus dem Landkreis zu. Elf einschlägige Einträge wegen Diebstahls und einen wegen Betrugs weist das Bundeszentralregister aus. Jetzt machte sie vor dem Amtsgericht Gemünden das Diebstahl-Dutzend voll. Ein weiterer Diebstahl in einem Krankenhaus, konnte ihr nicht nachgewiesen werden.

„Das hab ich gemacht“, gab die Seniorin in der Hauptverhandlung vor Richter Thomas Schepping vor dem Amtsgericht Gemünden den Diebstahl von zwei kleinen Fläschchen einer Haarkur im Wert von zusammen 5,90 Euro zu. Am 11. Mai 2016 hat sie die einem Drogeriemarkt in Karlstadt entwendet. „Das andere habe ich nicht getan und die Schwestern stehen auch auf meiner Seite“.

„Das andere“ soll sich am 2. Juli im Krankenhaus in Lohr zugetragen haben. Kurz nach 16 Uhr soll die ältere Dame einer 86-jährigen Bettnachbarin 260 Euro aus deren Handtasche genommen haben, als sich diese kurz auf der Toilette aufgehalten hat. Nach dem Verlassen des kleinen Waschraums hätte die Angeklagte am Fenster des Krankenzimmers gestanden. Zusammen mit der Tasche, deren Inhalt auf der Fensterbank ausgebreitet war.

„Erst hat sie gesagt, dass sie es war, dann war sie es nicht und dann war sie es wieder“, berichtete die Frau als Zeugin. Jedoch sagte sie aus, dass 60 Euro gestohlen worden wären, die ihr der 67-jährige Sohn am Vormittag gebracht hat. Dieser gab im Gericht und nach dem vermeintlichen Diebstahl an, dass 260 Euro gefehlt haben, die er fünf Tage zuvor seiner Mutter gebracht haben will.

Seine Angaben in der Verhandlung wichen jedoch zum Teil deutlich von denen, die er kurz nach dem Verlust des Geldes bei der Polizei gemacht hatte, ab. Im Gerichtssaal erkannte er die Angeklagte auch nicht wieder. „Jünger und mit schwarzen Haaren“, hatte er die Frau aus dem Nachbarbett im Krankenhaus noch in Erinnerung.

„Keine psychiatrischen Auffälligkeiten“, bescheinigte der hinzugezogene Gutachter der Angeklagten. Eine krankhafte Kleptomanie schloss der Arzt aus, obwohl die Frau seit dem 2002 sich immer wieder „Gegenstände und Waren von geringem Wert“ verbotswidrig angeeignet hat. Sie ist „in ihrer Schuldfähigkeit nicht eingeschränkt“, so sein Untersuchungsresultat.

Kindheit im Konzentrationslager

Einen Grund für die Diebstähle konnte die Frau nicht nennen. Es beschäftigen sie nach eigenen Angaben ihre Kindheitsjahre, die sie zusammen mit ihrer Mutter in einem Konzentrationslager verbringen musste, während sich der Vater in einem anderen Lager befand, wo er auch ums Leben gekommen ist.

„Irgendwie unbelehrbar“, schätzte Richter Schepping die Frau ein, die heute von einer kleinen Rente und staatlicher Unterstützung leben muss. Ihre zwei finanziell sehr gut gestellten Kinder leben im Ausland und halten nahezu keinen Kontakt zur Mutter.

Weil die Angeklagte schon mehrfach wegen ihrer Diebstähle aufgefallen ist, Bewährungsstrafen erhalten und auch schon eine Freiheitsstrafe verbüßt hat, forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Der Verteidiger sprach sich für eine Geldstrafe für den Diebstahl im Drogeriemarkt aus, hielt den Diebstahl im Krankenhaus jedoch für nicht nachgewiesen und beantragte hier einen Freispruch.

„Im Zweifel für die Angeklagte“, schloss sich Thomas Schepping an und sprach die Frau in diesem Punkt frei. Für ihn gab es da viele Fragezeichen. Den Diebstahl der Haarkur im Wert von 5,90 Euro ahndete er allerdings mit einer Geldstrafe von 900 Euro (60 Tagessätze zu 15 Euro).

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