Gemünden

984 verbotene Waffen und eine scharfe Wehrmachtspistole

Kleiner Waffenschein
Symbolbild: Schusswaffen Foto: Oliver Killig (dpa-Zentralbild)

Die ganze Wohnung voller Waffen und sogar eine scharfe Walther P.38 samt Munition unterm Bett hatte ein 58-jähriger Mann aus dem Raum Karlstadt. Der illegale Waffenbesitz brachte dem Arbeiter aus dem Raum Karlstadt vor dem Amtsgericht Gemünden eine Verurteilung zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung und 2400 Euro Geldauflage ein.

Wie ein Polizist als Zeuge berichtete, fand die Polizei Anfang Mai 2018 bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten, der damals auf der Arbeit war, in jedem Raum und fast in jedem Schrank Waffen oder Waffenteile wie Läufe und Schlagbolzen. Darunter seien erlaubnisfreie wie auch verbotene Schreckschusspistolen und -revolver nebst Munition gewesen, ein Luftgewehr, eine Federdruckpistole, ein Würgeholz, ein Schlagring und eine Präzisionsschleuder. Im Schlafzimmer unterm Bett habe zudem eine scharfe Pistole Walther P.38 gelegen. Eine zweite Streife "besuchte" den 58-Jährigen am Arbeitsplatz und fand in seinem Auto, unter dem Fahrersitz, eine Schreckschusspistole mit Gummigeschoss-Munition.

Die Anklage lautete deshalb auf unerlaubtes Führen einer Schreckschusspistole, weil der Mann keinen kleinen Waffenschein dafür hatte, unerlaubten Besitz einer halbautomatischen Kurzwaffe sowie den Besitz von 894 nicht erlaubten Waffen, worunter sich insgesamt acht Schusswaffen, die Waffenteile und diverse Munition befanden.

Zur Herkunft der Waffen machte der Angeklagte mit Hilfe eines Dolmetschers – obwohl er schon lange in Deutschland lebt spricht er kaum Deutsch – umfangreiche Angaben. Manches habe er auf Flohmärkten in Polen und Spanien gekauft, andere Waffen in einem Geschäft in Hammelburg. Die scharfe Pistole samt Munition habe er bei einem Umzug in Veitshöchheim im Müll gefunden und an sich genommen. Dass es sich um eine deutsche Waffe (die Walther P.38 war die Ordonnanzpistole der deutschen Wehrmacht) samt scharfer Munition handelte, sei im bewusst gewesen.

Polizei bekam Tipp von Schwiegersohn in spe

Auf die Spur kam die Polizei dem Waffensammler, weil ihnen ein enttäuschter und angetrunkener Schwiegersohn in spe während einer Nachtschicht einen Hinweis gab. Wie der Polizist erklärte, wurde das zunächst der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, das Amtsgericht Würzburg habe danach einen Durchsuchungsbefehl erlassen.

Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten in seinem Plädoyer sein Geständnis zugute und dass er keine Vorstrafen hatte. Andererseits gehe es um eine große Anzahl von Waffen und verbotener Gegenstände. Ein scharfe Pistole unterm Bett sei auch schon mehr als reine Sammelleidenschaft. Er beantragte eine Gesamtstrafe von einem Jahr, die bei einem unbescholtenen Bürger zur Bewährung ausgesetzt werden könne mit drei Jahren Bewährungszeit und 2400 Euro Geldauflage.

Verteidigung sprach von minderschwerem Fall

Von einem minderschweren Fall sprach dagegen der Verteidiger. Sein Mandant sei Sammler, es gebe keinerlei Beweise, dass er jemals mit der scharfen Waffe geschossen habe. "Naja, da lag sie halt", bemerkte er zum Fund unterm Bett. Er beantragte eine Geldstrafe nach Ermessen des Gerichts.

"Es tut mir sehr leid, dass es so kam. Ich wusste nicht, dass die Vorschriften in Deutschland so restriktiv sind und möchte um eine milde Strafe bitten", wählte der Angeklagte als letztes Wort.

Richterin Kristina Heiduck blieb im Schuldspruch zwar drei Monate unter der Forderung des Staatsanwalts, sah aber keinen Grund für einen minderschweren Fall. Als Waffensammler habe der Angeklagte genau gewusst, dass er viele Waffen nicht haben durfte. Etwas unter dem Bett zu verstecken, spreche auch für eine gewisse Wertschätzung.

Sie bildete die Gesamtstrafe aus sechs Monaten für die scharfe Waffe, 60 Tagessätzen für das Führen der Schreckschusspistole im Auto und einer Freiheitsstrafe für die 894 verbotenen Waffen. Die Strafe werde zur Bewährung ausgesetzt, da es die erste Verurteilung des 58-Jährige war und er fest im Leben stehe.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Die verbotenen Waffen (inklusive der scharfen Pistole) bleiben eingezogen, die erlaubnisfreien Schreckschusswaffen mit PTB-Kennzeichnung wird die Polizei dem Mann zurück gegeben. Solche darf man zuhause haben, aber ohne kleinen Waffenschein nicht in der Öffentlichkeit dabei haben. Bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen und öffentlichen Veranstaltungen ist das Führen solcher Schreckschusswaffen auch Inhabern des kleinen Waffenscheins nicht erlaubt.

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