Karlstadt

Ärger mit dem Sperrmüll: Wie viel sind zehn Kubikmeter?

Der Haufen blieb zunächst stehen. Später wurde er dann schnell abgeholt. Im Landratsamt werden die Hintergründe erläutert.
Zehn Kubikmeter Sperrmüll sind pro Abfuhr möglich. Doch wie wird die Menge ermittelt? Hier ein Beispielbild, das nichts mit dem im Artikel geschilderten Fall zu tun hat.
Zehn Kubikmeter Sperrmüll sind pro Abfuhr möglich. Doch wie wird die Menge ermittelt? Hier ein Beispielbild, das nichts mit dem im Artikel geschilderten Fall zu tun hat. Foto: Günter Roth

Eine Frau aus Karlstadt hat sich an die Redaktion gewandt mit einer Beschwerde über die Sperrmüllabfuhr im Landkreis Main-Spessart. So wie das mit der Abfuhr beim Haus ihrer Mutter ablief, vermutete sie, die vom Landkreis beauftragte Entsorgungsfirma mache eine Geschäft damit, dass sie große Sperrmüllmengen stehen lässt. Es sei schließlich dieselbe Firma, bei der man dann einen kostenpflichtigen Container bestellen kann. Die Beschwerdeführerin: "Ein Schelm, wer hier Böses denkt."

Im Abfallkalender sind zehn Kubikmeter als Obergrenze für die Sperrmüllabfuhr genannt. Von "haushaltsüblichen Mengen" ist die Rede. Außerdem hat jeder Müllgebührenzahler Anspruch auf zwei Sperrmüllabfuhren pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Landkreisen sei dies sehr großzügig, betont Holger Steiger, der Pressesprecher des Landratsamts. Als Sperrmüll gelten bewegliche Einrichtungsgegenstände. Das sind zum Beispiel Möbel, Elektrogeräte, Metallgegenstände wie Fahrräder, Sportgeräte, Gartengeräte und so weiter. Und im Abfallkalender steht noch: "Die Sperrmüllabfuhr ist nicht für Haushaltsauflösungen konzipiert."

Es gab keine Begründung, weshalb der Müll nicht mitgenommen wurde

Die Beschwerdeführerin, die selbst in Belgien wohnt, schildert ihren Fall so: "Um wirklich alles richtig zu machen, sind wir folgendermaßen vorgegangen: Der Sperrmüll wurde auf dem Gartengelände vorsortiert gestapelt, damit keine Nachbarn Sperrmüll zuliefern. Ein Umzugsunternehmer wurde gebeten am Abend vor dem Sperrmüll alles an die Straße zu stellen. Wer, wenn nicht er, kann Mengen abschätzen?"

Am Abfuhrtag sei zuerst die Metallabfuhr gekommen. "Da es hier nur ein Teil hinten links gab, zerrte der Abholer den wohlsortierten Müll auseinander, verteilte ihn über den gesamten Bürgersteig, machte ein Bild, behauptete es wäre eine Haushaltsauflösung und fuhr davon. Meine 90-jährige Mutter, ordnungsliebend bis zur Selbstaufgabe, drehte völlig durch." Eine Benachrichtigung, weshalb der Sperrmüll stehen blieb, habe das Abfuhrunternehmen nicht von sich aus hinterlassen. "Ich bekam auf meine Anfrage hin drei Tage später die Mitteilung, dass niemand mehr zur Abholung kommt."

Wie werden eigentlich die zehn Kubikmeter ermittelt?

Nun vermutete die Betroffene, dass die Entsorgungsfirma von einer Haushaltsauflösung ausgegangen war. "Wer entscheidet aber, wann es eine Haushaltsauflösung ist?", fragt sie. "Die Müllmänner vor Ort, die dann auch schon mal lauschen, ob Baugeräusche zu hören sind, weil: Baugeräusche gleich Haushaltsauflösung?" Und wer ermittle die zehn Kubikmeter? Sie vermutete, das gehe automatisch über die Presse im Müllsammelfahrzeug.

Martin Oppmann, Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt: "Nein, es wird der Haufen gemessen, der bereitgestellt wurde." Die Müllwerker hätten so viel Erfahrung, dass sie das in der Regel abschätzen könnten. Eine Kiste voller Luft nimmt dabei naturgemäß mehr Raum weg, als wenn sie in Einzelteile zerlegt ist. Der Pressesprecher des Landratsamts, Holger Steiger, ergänzt: "Dabei geht es nicht um die Stelle nach dem Komma, sondern vielmehr um die Größenordnung. Im Zweifel ist man da eher großzügig."

Und er sagt: "Sollte am Abfuhrtag dabei deutlich mehr als die zulässige Menge Sperrmüll bereitgestellt worden sein, werden zehn Kubikmeter abgeholt. Die Übermenge wird nicht mitgenommen. Diese muss dann entweder selbst an der Kreismülldeponie angeliefert oder dafür ein weiterer Sperrmülltermin angefordert werden."

Kleidung und Bücher sind kein Sperrmüll

Die Betroffene hat das mit der Sperrmüllabfuhr letztlich mit einem Anruf bei der Entsorgungsfirma klären können. Das Telefongespräch sei sehr freundlich verlaufen und der Sperrmüll dann auch schnell abgeholt worden. Die Beschwerdeführerin verspürt darin Genugtuung. Schließlich habe ihre Mutter über Jahrzehnte kaum Gebrauch von der Sperrmüllabfuhr gemacht. Dafür sei es jetzt eben etwas viel gewesen.

Und Holger Steiger sagt am Ende, dass der Satz mit der Haushaltsauflösung im Abfallkalender steht, um klarzumachen, "dass nicht alle Arten von Abfällen in beliebiger Menge im Rahmen der Sperrmüllabfuhr abgeholt werden können". Bei kompletten Haushaltsauflösungen würden meist größere Mengen an Abfällen anfallen, wobei es sich oft auch um nicht sperrige Abfälle wie Geschirr, Kleidung, Bücher und so weiter oder manchmal um Renovierungsabfälle handelt. "Selbstverständlich werden bei der ordnungsgemäßen Bereitstellung von Sperrmüll nicht die konkreten Hintergründe oder Anlässe geprüft, beispielsweise, ob ein Haushalt aufgelöst wurde." 

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