MARKTHEIDENFELD

Ärztehaus: Stadt geht vorerst keinen Sonderweg

Was wird aus dem Marktheidenfelder Kreiskrankenhaus? Foto: Andreas Brachs

Es ist ein Grundsatzstreit im Marktheidenfelder Stadtrat: Soll man die Bemühungen des Landkreises für eine medizinische Nachnutzung von Teilen seines Krankenhauses abwarten oder parallel von Stadt-Seite die Möglichkeiten für ein Ärztehaus ausloten.

Befürworter und Gegner gibt es in allen Fraktionen. Während die CSU und mit ihnen proMAR-Sprecher und Freie-Wähler-Stadtrat Ludwig Keller „Zeichen setzen“ und „Pflöcke einrammen“ wollen, setzen die anderen Freien mit Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder und der Großteil der SPD zuvorderst auf die Verhandlungen des Landkreises.

Antrag der CSU

Die CSU hatte in der Sitzung am Donnerstag beantragt, drei verschiedene Beratungsunternehmen einzuladen, die die Stadt über mögliche Zukunftsszenarien der ambulanten Versorgung informieren sollten. Die Argumente, vorgetragen von Fraktionssprecher Christian Menig: Der Landkreis habe noch keine zufrieden stellenden Nachnutzungskonzepte präsentiert, und in absehbarer Zeit werde sich im Raum Marktheidenfeld eine Unterversorgung mit Hausärzten ergeben.

Nach dem Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 eröffne sich Kommunen die Möglichkeit, sich an Medizinischen Versorgungszentren zu beteiligen und damit aus Sicht der CSU die ärztliche Versorgung zu verbessern. Inwiefern ein MVZ realisierbar sei, sollten die Berater darlegen. Menig schätzte die Kosten für diese Inforunde auf etwa 3000 Euro.

Differenzen unter Kreistagskollegen

Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder (FW) hielt ihrem CSU-Kreistagskollegen entgegen, dass er wisse, dass der Landkreis zurzeit mit seinen Beratern und der Kommunalen Allianz über die Nachnutzung im Gespräch sei. Der Landkreis sei bereit, ein Ärztehaus durch Flächen im Krankenhaus zu unterstützen. Auch eine Umgestaltung sei denkbar, so dass sie für Ärzte attraktiver würden. Deswegen lehne sie den Antrag ab.

Ludwig Keller unterstützte die CSU und fand, man müsse den „Bürgern signalisieren, dass wir handeln“. Das sei kein Widerspruch zu den Landkreis-Bemühungen, sondern eine Ergänzung.

Widerspruch und Unterstützung aus allen Fraktionen

Michael Müller (FW) war der Meinung, dass die drei Beraterbüros wahrscheinlich dasselbe sagen würden wie der Experte, den der Stadtrat im April gehört habe. Die Kosten für diese drei Büros seien nicht bekannt. Menig und Keller hielten dagegen, dass es dem Stadtrat 3000 Euro wert sein müsste, sich zu ausführlich zu informieren. Man gebe wesentlich höhere Beträge für andere Dinge aus.

Als Menig erkannte, dass sein Antrag durchfallen würde, sagte er: „Er wird abgelehnt, weil CSU drüber steht.“ Dagegen verwahrte sich Martin Harth: Die SPD habe noch nie nach Parteipolitik abgestimmt. Am Ende wurde der Antrag der CSU mit 12:8 Stimmen abgelehnt. Mit der CSU stimmten Ludwig Keller (FW) und Barbara Otter (SPD).

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