NEUSTADT

Ärzteorchester „Musica Medica“: Auch Pop-Musik gehörte zum Repertoire

Musizierende Kinder: Beim Benefizkonzert des Ärzteorchesters Musica Medica spielte in der ehemaligen Abteikirche von Neustadt auch ein Kinderorchester unter Leitung von Roswitha Pax Musik für Streicher.
Musizierende Kinder: Beim Benefizkonzert des Ärzteorchesters Musica Medica spielte in der ehemaligen Abteikirche von Neustadt auch ein Kinderorchester unter Leitung von Roswitha Pax Musik für Streicher. Foto: M. Harth

Die Bänke sollten am frühen Sonntagabend in der Kirche der früheren Benediktinerabtei in Neustadt die Gäste nicht fassen können, die zum Benefizkonzert des Ärztetorchesters Musica Medica gekommen waren. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass das Ensemble unter seinem künstlerischen Leiter, Dr. Georg Kaiser, ein Konzert für einen guten Zweck an dem Ort spielt, der einst für seine Klostermusik berühmt war.

In diesem Jahr hatte Landrat Thomas Schiebel die Schirmherrschaft übernommen und der Gesamtbetrag, den die Zuhörer durch ihre freiwilligen Spenden hinterließen, sollte der früheren Benediktinerabtei zugute kommen. Musica Medica wurde ergänzt durch Mitglieder des Kammermusikkreises der Volkshochschule Marktheidenfeld und ein Bläserensemble der Big Band „TroPoSax“. Dem Dirigenten Dr. Georg Kaiser gelang es in der Aufführung, diese Komponenten zu großartiger Gesamtwirkung zusammenzuführen.

Ihr solistisches Können zeigten die Sopranistin Dr. Birgit Hartmann-Puk, Phil Tiemeyer, Kosima Stegner, Leanda Strömer und Holger Ams (alle Violine), Dr. Marie Weiss (Piccolo-Flöte und Violoncello), Gabi Ives, Dr. Hinrik Strömer, Dr. Martin Camerer und Professor Malte Messmann (alle Violoncello), Professor Bernd Hartke (Cembalo), Rudolf Müller (Orgel), Achim Bayer und Bernhard Winning (beide Trompete), Stefan Dosch, Johannes Krimm und Michael Leser (alle Posaune) sowie Johannes Richter (Pauke, Schlagzeug).

Das Programm wurde festlich mit dem „Te Deum“ von Marc Antoine Charpentier, das auch als Eurovisions-Hymne hohen Bekanntheitsgrad erlangte, eröffnet und nach den Zugaben beende. Dem musikalischen Nachwuchs des Kinderorchesters unter Leitung von Roswitha Pax war auch zu Beginn Raum gegeben worden. Hinreißend spielten die jungen Musiker aus dem Lehrwerk des Musikpädagogen Peter Prelleur (1705-1741) und barocke Klänge von Georg Friedrich Händel.

Das jüdisches Gebet „Kol Nidre“, das am Versöhnungstag Jom Kippur gesprochen wird, ist der Inhalt einer tief bewegenden Komposition von Max Bruch (1838-1920), die emotional im Dialog von Solo-Cello und Orchester vorgetragen wurde. Sehr gefällig gelang das beliebte Divertimento in D-Dur (KV 136), das Mozart 1772 in Salzburg schrieb. Mit bewundernswerter Spannkraft entlockte Dr. Kaiser dem Werk dessen überzeugende gesangliche Melodik.

Sopranistin Birgit Hartmann-Puk erfüllte die Kirche mit ihrer Stimme zweimal, als sie zur Begleitung des Orchesters die bekannte Sarabanden-Arie „Lascia ch'io pianga“ aus der Händel-Oper „Rinaldo“ und das „Laudate Dominum“ aus Mozarts „Vesperae solennes de Confessore“ sang.

Lebendig und frisch klangen die vier Violinen im „Concerto h-moll“ von Antonio Vivaldi, der wegen seiner Haarfarbe zu Lebzeiten in Venedig als „prete rosso – roter Priester“ bezeichnet worden war. Rudolf Müller ließ von der Orgel auf der Empore das „Prélude“ (opus 29) des Pariser Organisten Gabriel Pierné (1863-1937) ertönen. Etwas gewöhnungsbedürftig war vielleicht der scharf akzentuierte Klang der Piccolo-Flöte (Marie Weiss) als Soloinstrument bei dem sanft schwingenden „Air“ (Aria) von Johann Sebastian Bach.

„Also hat Gott die Welt geliebt“, dieses Thema aus dem Johannesevangelium (Kapitel 3, Vers 6) vertonte der Sachse Heinrich Schütz im Frühbarock. Die Komposition wurde mit Bläsern und Orgel bravourös vorgestellt.

Zum Ende hatte Dr. Georg Kaiser bei seinem Konzert ungewöhnlichere Klänge im Sinn. Vier Celli und ein Schlagzeug waren die ungewöhnliche Instrumentierung für das meditativ wirkende „Farewell“ des finnischen Pop-Cellisten Perttu Kivilaakso. Auch bei Vivaldis Sommer-Satz aus den Vier Jahreszeiten kamen neben Streichern, Bläsern und Cembalo effektvoll Schlagzeug sowie elektronisch verstärkte Gitarren und Violinen zum etwas „verrockten“ Einsatz.

Den Reigen von Klängen und Melodien aus dem Früh-Barock bis in unsere heutigen Tage bedachte das Publikum in der früheren Abteikirche mit „Standing Ovations“ für die Musiker und ihren beliebten künstlerischen Leiter. Diese bedankten sich wiederum mit einer sehr populären Zugabe: Edward Elgars sich steigernde Hymne „Land of Hope and Glory“ aus den „Pomp and Circumstance Marches“.

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