MAIN-SPESSART

Adoptionen sind selten

Psychologen sehen die Adoptionswünsche ungewollt kinderloser Eltern kritisch. Dennoch sind die Bewerbungslisten lang: Zehn mögliche Elternpaare kamen vergangenes Jahr bayernweit auf ein zu adoptierendes Kind. Im Kreis Main-Spessart wurden im Jahr 2011 drei Kinder und Jugendliche adoptiert.

Wie aus den Zahlen des Landesamtes für Statistik weiter hervorgeht, war das eine Adoption mehr als im Vorjahr. Damit unterstützte der Kreis Main-Spessart den bayernweiten Trend: Insgesamt 657 Kinder und Jugendliche wurden vergangenes Jahr im Freistaat von Stiefeltern, anderen Verwandten oder Fremden an Kindes statt angenommen, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Vergleich zu den 90er Jahren

Mitte der 90er Jahre waren es bayernweit jährlich noch mehr als 1000 Adoptionen gewesen, in den vergangenen vier Jahren nun rund 600 bis knapp 700 Fälle. Im Zuge des allgemeinen Geburtenrückgangs werden eben nicht nur weniger Kinder geboren, sondern es sinkt auch die Zahl der zur Adoption freigegebenen Babys, zumal die Jugendämter in Problemfällen den werdenden Müttern verstärkt zur Pflegefamilie raten.

Der Rückgang bei den Stiefelternadoptionen geht wohl auf die Kindschaftsrechtsreform zurück, denn durch die rechtliche Gleichstellung ehelicher und nicht ehelicher Kinder ist eine Adoption nicht mehr zwingend erforderlich.

Im Kreis Main-Spessart wurden in den letzten vier Jahren insgesamt zehn Kinder und Jugendliche adoptiert. Im Jahr 2008 waren es vier Adoptionen, ein Jahr später dann ein Fall. Von Januar bis Dezember 2010 wurden zwei Kinder und Jugendliche an Kindes statt angenommen und vergangenes Jahr nun drei.

Von allen drei vergangenes Jahr adoptierten Kindern und Jugendlichen hatte keines die ausländische Staatsbürgerschaft. Bayernweit traf dies hingegen auf ein knappes Drittel aller adoptierten 327 Buben und 330 Mädchen zu.

Alle betroffenen Kinder und Jugendliche im Kreis Main-Spessart wurden von deutschen Elternpaaren adoptiert. Davon alle durch „Verwandte“, wobei es sich jeweils um den Stiefvater oder die Stiefmutter handelte, schlüsselt die Statistik weiter auf. Bezogen auf ganz Bayern und auf alle Adoptionen (auch die durch ausländische Elternpaare) sah es so aus, dass in rund zwei Drittel aller Adoptionen des vergangenen Jahres die Kinder und Jugendlichen von Verwandten adoptiert wurden. In den meisten Fällen (434) handelte es sich dabei um die bisherigen Stiefeltern, sprich: für diese Kinder bleibt somit alles beim Alten. 19 weitere Kinder und Jugendliche wurden von anderen Verwandten – etwa infolge von Unglücksfällen in der Familie – angenommen. Der Rest waren klassische Fremdadoptionen.

Die Hürden für Adoptiveltern sind hoch, denn die Vermittlungsstellen prüfen die Bewerber auf Herz und Nieren: das Alter der möglichen Eltern, ihre Charaktere, ihre Wohn- und Vermögensverhältnisse, die gesellschaftliche Stellung und die Erziehungsfähigkeit müssen den Bedürfnissen des Kindes gerecht werden. Ob es dann tatsächlich „passt“, wird meist in einer der Adoption vorgeschalteten Adoptionspflege geprüft.

Großer Wunsch

Allen möglichen Problemen zum Trotz ist der Wunsch nicht nur von ungewollt kinderlosen Paaren nach einem Adoptivkind groß. Allein in Bayern kommen derzeit auf ein zur Adoption vorgemerktes Kind zehn mögliche Elternpaare. Bis Ende 2011 waren insgesamt 108 Buben und Mädchen zur Adoption vorgemerkt. Bei den Adoptionsvermittlungsstellen lagen hingegen 1035 Bewerbungen von Paaren vor, die gerne ein Kind adoptieren möchten, drei davon im Kreis Main-Spessart.

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