Wernfeld

Affen im Weinberg, Pinguine am Strand: Ein Wernfelder in Südafrika

Weinerlebnis-Gästeführer Robert Lampert aus Wernfeld hat nach einer Lehrfahrt nach Südafrika viel zu erzählen. Beim Weinbau dort ist vieles anders als in Franken.
Weinerlebnis-Gästeführer Robert Lampert aus Wernfeld auf Lehrfahrt in Südafrika, hier auf einem Bioweingut. Typisch: die allgegenwärtigen Berge um Kapstadt.
Weinerlebnis-Gästeführer Robert Lampert aus Wernfeld auf Lehrfahrt in Südafrika, hier auf einem Bioweingut. Typisch: die allgegenwärtigen Berge um Kapstadt. Foto: Robert Lampert

Wodurch unterscheidet sich der Weinanbau in Franken von dem in Südafrika? Ein ganz wesentlicher Unterschied ist schon mal, dass in Franken keine Affenhorden Trauben klauen und Winzer deshalb froh sein müssen, wenn ihr Weinberg im Revier eines Bergleoparden liegt. Das erfuhr der Wernfelder Robert Lampert zusammen mit 33 weiteren Weinerlebnis-Gästeführern aus Mainfranken bei einer 12-tägigen Lehrfahrt von Anfang bis Mitte Januar ins sommerliche Südafrika. Aus Main-Spessart war außerdem der Mühlbacher Alfons Kraft mit dabei.

Die beiden Weinerlebnis-Gästeführer Robert Lampert (links) und Alfons Kraft aus Mühlbach in Südafrika.
Die beiden Weinerlebnis-Gästeführer Robert Lampert (links) und Alfons Kraft aus Mühlbach in Südafrika. Foto: Robert Lampert

In Südafrika sind Vollernter praktisch unbekannt, erzählt der ehemalige Gemündener Stadtkämmerer. Der Grund: "Der Faktor Arbeit zählt bei denen nicht." Dort sei alles Handlese. Eigentlich gebe es einen Mindestlohn, aber oft werde in Naturalien bezahlt, so Lampert.

Er erzählt, dass südafrikanischer Wein im 20. Jahrhundert wegen der Apartheid weltweit geächtet war. Nach dem offiziellen Ende der Apartheid sei der Absatz wieder angelaufen – aber die Apartheid sei in Wahrheit noch lange nicht beendet. "Das siehst du auch als Tourist", sagt er und zeigt Bilder von sogenannten Townships aus Blechhütten, die er im Vorbeifahren aus dem Bus heraus gemacht hat.

Statt fließendem Wasser Wassernebel in den Hotels

Die fränkischen Weinerlebnis-Gästeführer wohnten anfangs zwei Nächte am Fuß des Tafelbergs in einem Vorort von Kapstadt, nicht weit vom WM-2010-Final-Stadion und dem reeperbahnähnlichen Hafenviertel Kapstadts. Wegen der dortigen Wasserknappheit kommt in den Hotels aus den Wasserhähnen kein fließendes Wasser, berichtet Lampert, sondern "Wassernebel". Obwohl es Badewannen gibt, hingen in ihrem Hotel Hinweise, dass man bitte duschen soll – aber bitte nicht länger als zwei Minuten.

Der Blick vom Tafelberg bei Kapstadt.
Der Blick vom Tafelberg bei Kapstadt. Foto: Robert Lampert

Den mangelnden Niederschlag merken natürlich auch die Winzer. Die setzten oft auf große Rückhaltebecken und Bewässerung. Wegen des auch in Südafrika spürbaren Klimawandels und mehr Sonnenschein ziehen die Weinberge immer weiter die Hänge hoch. Ein Vergleich zu fränkischen Weinen falle schwer, aber südafrikanische Weine aus höheren Lagen hätten durch die kühlen Nächte Finesse, Klasse, seien fruchtig mit ausgewogener Säure, so Weinkenner Lampert. Durch die niedrigen Temperaturen in der Nacht werde nicht so viel Zucker eingelagert, der Alkoholgehalt ist deshalb niedrig.

Vorteile und Nachteile gegenüber der Weinbauregion Franken

An der von den Gästeführern besuchten Südspitze Afrikas seien die Tage heiß, die Nächte dafür oft 15 bis 20 Grad kälter. Dort treffen Atlantik, der eine kühle Brise bringt, und Indischer Ozean aufeinander. Lampert berichtet, dass man die Hitze durch den Wind nicht gemerkt habe. "Cool climate" (kühles Klima) nennen das die Südafrikaner. Die Nähe zum Meer und der stete Wind bringe im Vergleich zu Franken den Vorteil, dass die Reben nach einem Niederschlag schnell wieder abtrocknen, wodurch der südafrikanische Weinbau weniger Probleme mit Pilzen habe. Durch die fehlenden Minusgrade schlagen die Reben jedoch auch im Winter aus und müssen geschnitten werden, da die Triebe sonst die ganze Kraft nehmen.

Ein typischer Weinberg mit einem Berg im Hintergrund.
Ein typischer Weinberg mit einem Berg im Hintergrund. Foto: Robert Lampert

Insgesamt schauten sich die Besucher aus Franken rund 20 Weingüter mit meist alten Herrschaftshäusern in der Nähe von Kapstadt an. Auf Lamperts Bildern sieht man viele Weinberge, Fässer und Weingläser. Ein biodynamisches Weingut in Waterkloof faszinierte ihn besonders. Dort werde der Boden mit Pferden bearbeitet. Schafe und Ziegen grasen auch zwischen den Reben. Der Mist wird zu organischem Dünger kompostiert. Eingemaischt werde durch Treten mit den Füßen.

Wann man Wein wieder ausspuckt

Natürlich standen auch immer wieder Weinproben auf dem Programm. Einmal hätten die Besucher an einem Tag 27 Weine probiert. Lampert: "Zum Schluss waren die Geschmacksnerven so strapaziert, dass es nur noch schön war, als es rum war." Schluckt man jeden probierten Wein auch wirklich? "Die kannst du nicht alle trinken." In der Regel spucke man bei Weinproben tagsüber den Wein aus. Etwas anderes sei es, wenn es verschiedene Weine zum Abendessen gebe. Lampert berichtet von einem großen malaiischen Einfluss auf die Küche dort. Er habe auch mal Springbock, Strauß und oft einheimischen Fisch probiert.

Das weinlastige Programm sah zwischendurch immer wieder Stadtführungen vor. Die Gruppe war zudem auf dem Tafelberg, besuchte das Kap der Guten Hoffnung, den fast südlichsten Zipfel Afrikas, und machte Halt bei einer Pinguinkolonie. Damit man zu Hause weiß, welche Weine er in Südafrika probiert hat, hat Lampert auch ein paar Flaschen zu sich nach Wernfeld liefern lassen.

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