KARLSTADT

Akrobatik, Gesang, Comedy und Klamauk

Leoparden-Olga: Einen kurzweiligen Abend erlebten die Zuschauer mit Betty Langhoff alias „Leoparden Olga“ in der Gerbergasse. Richtig gut ist Betty Langhoff (Zweite von rechts), wenn sie, wie im Bild zu sehen, das Publikum einbezieht. Foto: Rainer Hain

Betty Langhoff alias „Leoparden Olga“ gastierte im Theater in der Gerbergasse. Als sie sich auf der Bühne mit Namen vorstellt, wundert sich über das Bühnenoutfit erst mal keiner, aber der böhmische Akzent verlangt dann doch ein wenig nach Erklärung. All ihre Kleidung, die Accessoires nicht ausgenommen, trägt sie im Einheitslook nach dem Motto „Serengeti darf nicht sterben“ oder „Tiger, Panter und Co“. Fast alle Raubkatzen sind irgendwie vertreten.

„Das macht besonders schlank“, meint sie, und der Zuschauer sucht verzweifelt nach einer Bestätigung dieser These. Dann zieht sie sich Korsagen übers Tigerfell und macht Dehnübungen, die die Speckröllchen so richtig ins Schwabbeln bringen, und schwenkt schwarze Unterwäsche zu Tom Jones‘ „Sexbomb“. Anschließend legt sie vor dem Bühnenrand mehrere Strecken mit dem Einrad zurück, wobei sie großes Glück hat, dass sie sich nicht den Hals bricht, als sie beinahe ins Publikum stürzt.

Später, bei der Hula-Hoop-Reifenvorstellung zur Musik von Astrud Gilberto, verheddert sie sich, und die Reifen landen im Zuschauerraum, wobei die Frage unbeantwortet bleibt, ob die Tollpatschigkeit gespielt oder echt ist.

Betty Langhoff kommt vom Straßentheater und der italienischen Commedia dell’Arte, wo es wenig Festgelegtes gibt. In scheinbar loser Reihenfolge kommen nun ulkige Szenen, wobei sich Akrobatik, Gesangsnummern, Comedy und Klamauk abwechseln.

So lässt sie sich vom Publikum mit einem selbst mitgebrachten Paket („DHL = Dauert Halt Länger“) zum Muttertag beschenken, obwohl sie selbst gar keine Mutter ist, sondern Witwe, die noch dazu ständig die Urne ihres verstorbenen Gatten mit sich herumschleppt und mit der sie, als dem Realsymbol seiner Abwesenheit, unentwegt philosophiert. Auch erhält man Einblick in die Produktionsphilosophie von Pelztierimitat-Stoffen: „Nur der Leopard gleicht vorhandene falsche Linien aus“.

Richtig gut ist Betty Langhoff, wenn sie das Publikum einbezieht. Vor der Vorstellung hatte sie schon die Namen etlicher Zuschauer ausbaldowert, die dann alle auf die Bühne mussten und teilnehmen durften. So veranstaltet sie mit bis zu zehn Zuschauern auf einmal Tanzchoreografien, meistens Polka, wobei sich reichlich unfreiwillige Komik einstellt: Ein Mann stürzt, eine Frau verliert ihren Schuh, ein Tänzer kippt die Urne vom Stuhl, auf dem sie gerade steht. Es gibt jede Menge Szenen-Applaus.

Für den Protagonisten auf der Bühne ist das nicht ganz ungefährlich, spätestens dann, wenn sich ein Mitspieler aus dem Publikum als Volltreffer erweist und ihr ums Haar die Schau stiehlt. Ein vergnüglicher, sehr kurzweiliger Abend in der Gerbergasse.

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