Lohr

Als Heimatdichter Nikolaus Fey 1924 den Florian Geyer spielte

Das neue Jahrbuch des Lohrer Geschichts- und Museumsvereins wirft unter anderem einen Blick auf die Wirtschaftsgeschichte, das Badische Amt und den Antisemitismus.
Der Lohrer Geschichts- und Museumsverein hat sein achtes Jahrbuch herausgegeben. Auf unserem Foto sind fünf der sechs Autoren zu sehen: Jürgen Ackermann, Josef Harth, Gerd Walter, Karl Anderlohr und Hans-Joachim Wirthmann (von links). Foto: Wolfgang Dehm

Seit 2012 gibt der Lohrer Geschichts- und Museumsverein immer in der Vorweihnachtszeit ein Jahrbuch mit Beiträgen zur "Geschichte der Stadt Lohr und des Raums Lohr" heraus. Den mehr als 300 Seiten starken achten und jüngsten Band mit neun Beiträgen von sechs Autoren stellte Josef Harth, der zweite Vorsitzende des Vereins, am Dienstagabend in der Alten Turnhalle vor.

Mit der 1585 erbauten Herrenmühle am Oberen Tor in Lohr, heute bekannt als Firma Mehling & Wiesmann, befasst sich Hans-Joachim Wirthmann. Laut Harth geht es in dem 90 Seiten umfassenden Beitrag nicht nur um die wechselhafte Geschichte des Anwesens und ihrer Eigentümer, sondern auch um Lohrer Wirtschaftsgeschichte.

"Orber Salz für die Gemeinde Frammersbach" ist der Beitrag von Jürgen Ackermann überschrieben. Orber Salz habe in früherer Zeit nicht nur in Frammersbach, sondern auch in Lohr eine bedeutende Rolle gespielt, so Harth. Als es noch keine Kühlschränke gab, habe man Salz zum Haltbarmachen von Lebensmitteln verwendet.

Blutige Seiten der Räterepublik blieben Lohr erspart

Wie es vor 200 Jahren zur ersten bayerischen Verfassung kam, schildert Karl Anderlohr. In einem weiteren Beitrag befasst er sich damit, dass vor 100 Jahren eine Räterepublik entstehen sollte. In München habe es in dieser Zeit hunderte von Toten gegeben, berichtete Anderlohr – "das ist uns in Lohr erspart geblieben".

Mit einer Großveranstaltung der Bewegung "Der Deutsche Tag" in Lohr im Jahr 1924 befasst sich Josef Harth in einem Beitrag des neuen Jahrbuchs des Geschichts- und Museumsvereins. Foto: Wolfgang Dehm

Harth selbst befasst sich damit, dass Sendelbach, Pflochsbach und das Kloster Mariabuchen neben acht weiteren linksmainischen Ortschaften, die einst zum Würzburger Hochstift gehörten, 13 Jahre lang vom Großherzogtum Baden regiert wurden. In einem zweiten Beitrag Harths geht es um eine dreitägige Großveranstaltung in Lohr im Jahre 1924, veranstaltet von der Bewegung "Der Deutsche Tag".

Diese Bewegung entwickelte sich laut Harth nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und sollte der Identitätsfindung der Deutschen dienen. Auch "schwerwiegende antisemitische Züge, die im nachfolgenden Dritten Reich eskalieren sollten", hätten sich bereits in dieser Bewegung gezeigt. Ein Höhepunkt des "Deutschen Tags" in Lohr sei die Aufführung des Schauspiels "Der Bauernkrieg" des Lohrer Heimatdichters Nikolaus Fey gewesen, der darin die Rolle des Florian Geyer übernommen habe.

Wer zwischen 1850 und 1899 in Wombach lebte

Um Ahnenforschung geht es im Beitrag von Gerd Walter, der sämtliche Wombacher Familien in der Zeit von 1850 bis 1899 erfasst hat. Laut Walter wurden in dieser Zeit 553 Kinder in Wombach geboren

Wolfgang Vorwerk, der Vorsitzende des Lohrer Geschichtsvereins, widmet sich der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Lohr, die von 1864 bis 1939 bestanden hat. In einem zweiten Beitrag befasst er sich mit dem ehemaligen israelitischen Pavillon der einstigen Heil- und Pflegeanstalt in Lohr (heute: Bezirkskrankenhaus), wo im September dieses Jahres eine Gedenktafel angebracht wurde.

Das bei G-Medien in  Lohr gedruckte Buch ist ab sofort in den Lohrer Buchhandlungen "Bücherecke" und "Grote" erhältlich. Vereinsmitglieder bekommen es für zehn Euro, Nichtmitglieder für 15 Euro. Wer bis Jahresende Mitglied im Lohrer Geschichts- und Museumsverein wird, bekommt laut Hart ein Exemplar geschenkt.

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