MARKTHEIDENFELD

Als Justiz und Verwaltung getrennt wurden

Der erste Bezirksamtmann in Marktheidenfeld: Das Foto zeigt Franz Joseph Hartlaub mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern. Beim Original handelt es sich um eine Daguerrotypie auf einer Metallplatte aus den mittleren 1850er Jahren.: Deubert Foto: Repro

Dass sich am 1. Juli die Landkreisreform von 1972 in Bayern zum 40. Mal gejährt hat, ist hinreichend gewürdigt worden und dürfte kaum jemand entgangen sein. Am 1. Juli hat sich allerdings auch gejährt, und zwar schon zum 150. Mal, die Errichtung der Bezirksämter in Bayern als Vorgänger der heutigen Landratsämter.

Am 1. Juli 1862 wurden Verwaltung und Gerichtsbarkeit getrennt: Die Landgerichte (älterer Ordnung) hatten noch Aufgaben der Justiz und der Verwaltung wahrgenommen. An die Stelle der Landgerichte traten nun die Amtsgerichte als Einrichtungen der Rechtspflege und die Bezirksämter als staatliche Verwaltungsbehörden. Paragraf 1 der „Allerhöchsten Verordnung vom 24. Februar 1862, die Errichtung der Distriktsverwaltungsbehörden betreffend“ bestimmte: „Die Regierungsbezirke diesseits des Rheins werden in Verwaltungsdistrikte eingeteilt. Für jeden dieser Distrikte wird ein Bezirksamt als Verwaltungsbehörde bestellt.“ Gleichzeitig wurde das selbständige Notariat eingeführt.

Der 40. Jahrestag der Kreisreform in Bayern und der 150. „Geburtstag“ der Landratsämter trafen außerdem noch zusammen mit dem 160-jährigen Bestehen der Landkreise. „Geburtsurkunde“ der Landkreise als Einrichtungen der kommunalen Selbstverwaltung ist das „Gesetz, die Distriktsräte betreffend“ vom 28. Mai 1852. Die heute noch gültige Konstruktion des Landratsamts als so genannte Doppelbehörde – Staatsbehörde einerseits und Kommunalbehörde andererseits – geht also letztlich auf gesetzgeberische Entscheidungen vor 150 und 160 Jahren zurück.

Bäckersohn aus Aschaffenburg

Erster Bezirksamtmann in Marktheidenfeld wurde Franz Joseph Hartlaub. Hartlaub war Sohn des Bäckermeisters Michael Hartlaub und dessen Ehefrau Christina Schwind und wurde am 13. Februar 1809 in Aschaffenburg geboren. Nach Jura-Studium und Staatsexamen arbeitete Hartlaub als „Funktionär“ und „Assessor“ an verschiedenen bayerischen Landgerichten.

1843 heiratete er in Volkach Eva Maria Leininger. Eva Marias Vater, Jakob Joseph Leininger, stammte aus Marktheidenfeld, war Kaufmann und hatte 1794 nach Volkach geheiratet.

Am 26. Februar 1853 erhielt Franz Joseph Hartlaub auf sein Gesuch hin die Landrichterstelle in Marktheidenfeld zugewiesen. Bei der Trennung von Justiz und Verwaltung entschied sich Hartlaub für die Verwaltung. Der erste Marktheidenfelder Bezirksamtmann starb nach zweitätigem Krankenlager bereits am 7. November 1862, abends 8 Uhr.

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