Altbessingen

Alter Brauch: Das abgelaufene Jahr wird hinausgeblasen

Seit 62 Jahren praktizieren die Mitglieder der Blasmusikkapelle in Altbessingen das "Silvester-Anspielen" im Dorf. Die Dorfbewohner freuen sich auf das "Ständchen" mit den Musikern und bewirten mit Getränken und Häppchen. Foto: Eichinger-Fuchs

Das alte Jahr „hinausblasen“, damit das neue Jahr kommen kann – seit 62 Jahren sind die Mitglieder der Blaskapelle Altbessingen am Silvestertag unterwegs, um den Bewohnern des Dorfes den Weg „frei zu spielen“ für ein gutes und erfolgreiches neues Jahr. Altbessingen gehört zu den wenigen Gemeinden, die den althergebrachten Brauch des „Silvester-Anspielens“ noch praktizieren.

„Seit der Neugründung der Blasmusikkapelle nach dem Krieg haben wir das Anspielen noch in keinem Jahr ausfallen lassen“, sagte Vorstand Matthias Full mit Stolz. Und Dirigent Helmut Full fügt hinzu: „Manchmal hatten wir schon heftige Minusgrade, so dass die Finger buchstäblich an den Instrumenten klebten. Aber: Wir haben durchgehalten“.

Gemeinsames Weißwurstfrühstück

Um zehn Uhr am Silvestermorgen ging es los. Damit die Musikanten durchhalten und eine ordentliche Grundlage haben, gab es ein gemeinsames Weißwurstfrühstück. Dann zogen die 35 Musiker dorfeinwärts in Richtung Stefansgasse/Neutorstraße. Dort erwarteten bereits mehrere Familien die Musikanten. Dampfender Kaffee stand bereit, frisch gebackene Nussecken, kleine Speckschnecken und selbst gemachter Blaubeeren- und Kirschlikör. "So lässt es sich leben“, meinten die Aktiven und es gab drei Liedstücke als Dank.

Matthias Full ist der Vorsitzende der Blasmusikkapelle Altbessingen. Damit die Musiker ihr Schnapsgläschen in Stiefelform immer griffbereit haben, wurde von den Damen ein "Stiefelstrümpfchen" zum Umhängen gestrickt. Foto: Eichinger-Fuchs

Erich Weber aus Gauaschach, der viele Jahre das Altbessinger „Silvester-Anspielen begleitete, hatte vor einigen Jahren eigens ein Gedicht verfasst, das vom Vorsitzenden vorgetragen wurde. Natürlich durfte dabei der unterfränkische Altjahreswunsch für einen „guten Beschluß“ nicht fehlen.

„Wir machen an allen vier Dorfecken Halt. So erreichen wir die Anwohner und Nachbarn am besten“, erklärte Roland Full, der sich mit der Tradition der Altbessinger Blasmusik auseinandergesetzt hat. Bei seinen Recherchen stellte er fest, dass es vor dem zweiten Weltkrieg sogar zwei Blasmusikkapellen in Altbessingen gab, die sich das Silvester-Anspielen teilten. „Damals wurde jedes Haus angespielt“, wusste Full zu berichten.

Brauch ist es auch, die Geschäftsleute im Ort „anzuspielen“. Ebenso die Stadträtin, den Diakon, die Vereinsvorstände und natürlich den langjährigen ersten Vorsitzenden Burkard Pfeuffer. „Wir freuen uns jedes Jahr, wenn die Musikanten an Silvester kommen“, sagte Anwohnerin Marlene Fischer. „Es würde unserem Dorf etwas Wichtiges fehlen, wenn dieser Brauch einmal aufhören würde“.

Auch Miss "Happy New Year" (Annika Full) fehlte nicht beim Silvester-Anspielen der Altbessinger Blasmusik. Foto: Eichinger-Fuchs

„Mit dem Anspielen wollen wir den Bewohnern unsererseits ein Dankeschön sagen für die Unterstützung, die wir im Laufe des Jahres aus der Dorfgemeinschaft erhalten“, betont Matthias Full. „Und wenn uns jemand noch zusätzlich ein Scherflein in unsere Sammelbüchse werfen mag, dann sagen wird natürlich auch nicht nein. Mit dieser Einnahme können wir das Notenmaterial, das wir im Laufe des Jahres benötigen, finanzieren“.

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