MARKTHEIDENFELD

Altes Gebäude zu klein und nicht zeitgemäß

Aufnahme im großen Sitzungssaal des „neuen” Rathauses – an der Wand das stilisierte Stadtwappen. Das Foto stammt aus dem Jahr 1973 und zeigt Bürgermeister Armin Grein mit seinem Amtsvorgänger Ulrich Willer (rechts) und Pfarrer Franz Hegmann (links), damals beide Ehrenbürger der Stadt.
Aufnahme im großen Sitzungssaal des „neuen” Rathauses – an der Wand das stilisierte Stadtwappen. Das Foto stammt aus dem Jahr 1973 und zeigt Bürgermeister Armin Grein mit seinem Amtsvorgänger Ulrich Willer (rechts) und Pfarrer Franz Hegmann (links), damals beide Ehrenbürger der Stadt. Foto: Repro Deubert?

Vor 50 Jahren näherte sich der Umbau des früheren Kreiskrankenhauses an der Luitpoldstraße in ein „fast neues Rathaus“, wie es hieß, seinem Abschluss. Das Kreiskrankenhaus hatte im April 1968 sein bisheriges Domizil verlassen und den Neubau an der Baumhofstraße bezogen. Gleich danach begannen die Umbauarbeiten, um das Gebäude künftig als Rathaus nutzen zu können.

Das Rathaus am oberen Ende des Marktplatzes, heute Domizil der Volkshochschule, war als zu klein und die Büroräume dort waren als nicht mehr zeitgemäß empfunden worden. In einem Zeitungsbericht war von „altmodischer Innenarchitektur“ zu lesen. Diese Beschreibung war durchaus zutreffend. Errichtet worden ist das Gebäude 1865, und zwar als Schul- und Rathaus. Damals hatte die schulische Nutzung deutliches Übergewicht. Die Räume waren entsprechend geschnitten und hoch. Die Gemeindeverwaltung beanspruchte noch recht wenig Platz. Das änderte sich im Lauf der Jahrzehnte.

Den Neubau eines Rathauses wollte und konnte man sich in den 1960er Jahren nicht leisten. Baukosten von rund 1,3 Millionen D-Mark wären zu viel gewesen für Marktheidenfeld, betonte Stadtkämmerer Eustach Deubert. Der Stadt Marktheidenfeld ging es damals finanziell bei weitem nicht so gut, wie es ihr heute geht. Also entschloss man sich für eine „kleine“ Lösung. Die Stadt erwarb vom Landkreis Marktheidenfeld das bisherige Kreiskrankenhaus im Tausch gegen die so genannte Obertorschule und zahlte einen Aufpreis von 35 000 Mark.

Der Umbau des bisherigen Krankenhauses sollte 250 000 Mark kosten. Aus den vorgesehenen Kosten wurden dann mehr als 350 000 Mark. Die Steigerung begründete man mit Kosten der Einrichtung.

Am 28. August 1968 nahmen die 20 Mitarbeiter der Verwaltung ihre Arbeit in den „neuen“ Büros auf. 18 Büros standen für sie zur Verfügung, im bisherigen Rathaus waren es zwölf Räume gewesen. Im zweiten Obergeschoss gab es einen großen Sitzungssaal für den Stadtrat, im Erdgeschoss einen kleinen Sitzungssaal, der auch als Trauzimmer genutzt wurde. Bürgermeister Ulrich Willer nannte den Umbau „gediegen, aber nicht luxuriös“. Emil Meller vom städtischen Bauamt meinte, das „neue“ Rathaus sei eine „Dauerlösung“, die über Jahrzehnte Bestand haben könne.

Bei Bedarf könne sich die Stadtverwaltung auf das gegenüber liegende Fränkische Haus ausweiten. Das geschah bald, wurde doch die Stadtverwaltung nach den Eingemeindungen und Reformen ab 1972 mit wachsender Einwohnerzahl und mit neuen Aufgaben größer. Die Sitzungen des Stadtrates fanden später wieder im alten Rathaus statt, dort im Dachgeschoss. Der große Sitzungssaal des Rathauses an der Luitpoldstraße war einfach zu klein geworden für Bürgermeister, 24 Stadträte, eventuelle Ortssprecher, Mitarbeiter der Verwaltung, Pressevertreter und Zuhörer.

Das 1935 als Kreisleitung Marktheidenfeld-Karlstadt der NSDAP errichtete und später als Krankenhaus und Rathaus genutzte Gebäude wurde 2008 abgerissen, um einem Neubau samt zeitgemäßem Rathaus Platz zu machen.

Bis zum Unterrichtsbeginn im Schuljahr 1968/69 wurde das alte Schul- und Rathaus für die vorübergehende Unterbringung von vier Klassen, eines Handarbeitsraums sowie des Direktorats der Staatlichen Realschule hergerichtet. Auch die Stadtbücherei bekam dort seinerzeit neue Räume.

Eine Aufnahme von ungewohntem Standort mit einem nicht mehr vorhandenen Motiv: Vom Turm der St. Josefs-Kirche aus fotografierte Werner Fertig am 20. Juni 2002 Richtung Adenauerplatz und so auch das damalige Rathaus an der Luitpoldstraße. Das Gebäude hatte diese Funktion 1968 bekommen und sollte sie vier Jahrzehnte behalten.
Eine Aufnahme von ungewohntem Standort mit einem nicht mehr vorhandenen Motiv: Vom Turm der St. Josefs-Kirche aus fotografierte Werner Fertig am 20. Juni 2002 Richtung Adenauerplatz und so auch das damalige Rathaus an der Luitpoldstraße. Das Gebäude hatte diese Funktion 1968 bekommen und sollte sie vier Jahrzehnte behalten. Foto: Archiv des Historischen Vereins Marktheidenfeld und Umgebung/Werner Fertig

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Marktheidenfeld
  • Innenarchitektur
  • NSDAP
  • Stadt Marktheidenfeld
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!