HAFENLOHR

Andrea Dievernich: Busfahrerin mit dem scharfen Blick

Bilder aus Leidenschaft: Andrea Dievernich aus Hafenlohr ist Hobby-Fotografin. Maritime Motive knipst sie am liebsten. Eine Auswahl ihrer besten Aufnahmen zeigen die beiden Kalender, die sie jetzt veröffentlicht hat.
Eine Collage aus Fotos von Frankfurter Hochhäusern. Foto: Andrea Dievernich

Was haben Busfahren und Fotografieren gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht gerade viel. Andrea Dievernich aus Hafenlohr beweist aber, dass beides sehr gut zueinander passt. Denn ihr Beruf als Busfahrerin hat ihre Leidenschaft für das Fotografieren neu entflammt – sogar so sehr, dass die 55-Jährige vor Kurzem ihren ersten eigenen Foto-Kalender veröffentlicht hat.

Andrea Dievernich ist in Duisburg geboren. Die gelernte technische Zeichnerin zog im Jahr 2000 vom Schwarzwald in den Landkreis Main-Spessart und wohnt jetzt in Hafenlohr. Für ihren Umzug waren vor allem berufliche Gründe ausschlaggebend. „Mein alter Beruf hat mir nichts mehr gegeben“, erklärt sie, „ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben.“ Mit 48 Jahren hat sie dann noch einmal umgesattelt und sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt: den Busführerschein.

Seit bestandener Prüfung arbeitet Dievernich nun als Busfahrerin bei der Firma Ott in Wertheim. Ihre Entscheidung bereut sie nicht: „Auf der Straße fühle ich mich einfach wohl.“ Bereut hat Dievernich ihre Berufsentscheidung auch deshalb nicht, weil sie ihrer Begeisterung für die Fotografie neuen Schub gegeben hat.

Schon als Jugendliche hat die 55-Jährige gerne fotografiert. Mit Anfang 20 kaufte sie sich ihre erste Spiegelreflexkamera, die wurde mit in den Urlaub genommen, um die Familie zu fotografieren. Danach verschwand der Fotoapparat aber oft wieder in der Schublade. Nach der Geburt ihrer drei Kinder blieb das Hobby erst mal auf der Strecke.

Das änderte sich jedoch mit dem neuen Beruf: „Ich sitze im Bus und sehe die schönen Sonnenaufgänge und Naturspektakel und denke mir: Das muss ich fotografieren.“ Seitdem ist Dievernich in ihrer Freizeit viel unterwegs und durchstreift den Spessart auf der Suche nach Motiven oder fährt nach Würzburg oder Frankfurt am Main, um sich von der dortigen Architektur inspirieren zu lassen.

Mittlerweile hat die Hafenlohrerin auch eine Liste mit den schönsten Orten angelegt, die ihr während der Busfahrten ins Auge fallen, um diese später noch zu fotografieren. Die Ideen für ihre Bilder entstünden meist ganz spontan. Wie das Foto aber am Ende Aussehen soll, da hat Andrea Dievernich schon im Vorfeld konkrete Vorstellungen: „Meine Fotoarbeiten sind immer geplant.“ Dann fährt sie los und knipst.

Sind die Bilder dann im Kasten, geht die Arbeit aber erst richtig los. Denn mit der anschließenden Bildbearbeitung der Fotos am Computer verbringt die 55-Jährige oft viele Stunden. Farbeffekte, Spiegelungen, Fine-Art-Techniken – das alles hat sich die Busfahrerin selbst beigebracht. So hat sie unter anderem einen Kamera-Kurs belegt und auch viel Fachliteratur gewälzt. Bei der Bildbearbeitung lerne sie aber immer noch dazu, denn mit ihren eigenen Werken ist Andrea Dievernich „sehr kritisch und sehr ehrgeizig“.

Ihrem Ehrgeiz hat sie es auch zu verdanken, dass ein Verlag vor Kurzem den ersten Fotokalender der Busfahrerin veröffentlicht hat. „Das war schon immer ein Wunsch von mir“, so die 55-Jährige. Schon vor zwei Jahren habe sie erste Kalendervorschläge mit Blumenmotiven an Verlage geschickt, damals bekam die Hobby-Fotografin aber nur Absagen. Von Enttäuschung war da aber keine Spur – Dievernichs Devise: „Dann mache ich halt einen neuen.“

Gesagt, getan. Vor ein paar Wochen kam dann vom Calvendo Verlag die ersehnte Zusage. Dort wurden gleich zwei Kalender Dievernichs veröffentlicht. Sie zeigen Bilder von Häfen an der Ostsee und von der Küste. „Das hat mich so glücklich gemacht“, erinnert sich die 55-Jährige, vor allem weil sie maritime Motive wie Schiffe und das Meer am liebsten fotografiert. Nun kann jeder, der möchte, ihren Kalender im Internet über www.fotodesign- andrea.de erwerben. Dennoch ruht sich die Busfahrerin auf ihrem Erfolg nicht aus. Im September reist sie nach Irland, dort will sie vor allem Brücken-Fotos schießen, aus denen wieder ein Kalender entstehen soll.

Andrea Dievernichs nächstes großes Ziel: die Aufnahme in die Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens e.V. (VKU). Denn wenn sie dort dabei ist, wird es für sie möglich sein, eine eigene Foto-Ausstellung im Würzburger Spitäle, einer Kunstgalerie im Mainviertel, zu organisieren. Ihrem Beruf als Busfahrerin will sie aber weiter treu bleiben.

Die beleuchtete Neue Mainbrücke in Marktheidenfeld in der Dunkelheit. Foto: Andrea Dievernich
Das Treppenhaus im Gebäude des Bezirks Unterfranken in Würzburg.
Blick von der Tiefenthaler Höhe ins Tal, mit leichtem Nebel im Hintergrund. Foto: Andrea Dievernich
Der Frankoniabrunnen vor der Würzburger Residenz mit Blick in Richtung Dom. Foto: Andrea Dievernich
Der Brunnen am Würzburger Bahnhof. Foto: Andrea Dievernich
Andrea Dievernich mit ihrem Werk: den Kalender gibt es online. Foto: Lena Müller

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