KARLSTADT

Armin Beck: Hart in der Sache, fair im Umgang

Grünen-Kandidat: Obwohl er nicht im Karlstadter Stadtrat sitzt, macht Armin Beck politisch von sich reden: als Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Westumgehung. Nun will der 46-Jährige Bürgermeister werden.
Brötchen für die ganze Familie: In der Bäckerei Schwenk am Karlstadter Kirchplatz, wo Petra Labisch als Verkäuferin arbe... Foto: JOCHEN JÖRG

Es ist fast jeden Samstag das gleiche Ritual: Kurz vor 7 Uhr, wenn der Rest der Familie noch schläft, ist für Armin Beck die Nacht vorbei. Er verlässt sein warmes Bett, zieht sich um, geht auf leisen Sohlen aus dem Haus, holt sein Fahrrad aus dem Schuppen und schiebt es durch den Garten auf die Straße. Mal ist er dort der Erste, mal sein Nachbar Arved von Mansberg. Die beiden Frühaufsteher haben das gleiche Ziel: Sie holen Brötchen in Bäckereien rund um Karlstadt, in denen noch selbst gebacken wird, zum Beispiel in Karlburg, Wernfeld, Aschfeld, Stetten, Zellingen oder Retzbach.

„Wir machen das seit ungefähr drei Jahren“, sagt Armin Beck, „denn unter der Woche bewegen wir uns einfach zu wenig.“ Beck, Bürgermeisterkandidat der Karlstadter Grünen, arbeitet als Rechtsanwalt in einer Kanzlei in Schweinfurt, von Mansberg ist Leiter der Staatlichen Fach- und Technikerschule für Agrarwirtschaft in Veitshöchheim. „Im Sommer treffen wir uns samstags regelmäßig, im Winter liegt die magische Marke bei null Grad“, sagt Beck. Wenn es kälter ist, verzichten die beiden auf ihre morgendliche Radtour. Das Problem ist dann weniger die Temperatur, sondern die Glättegefahr. Beck ist da ein gebranntes Kind: „Ich bin schon einmal gestürzt und muss das nicht noch mal erleben.“

Zur Arbeit nach Schweinfurt ist Armin Beck erst ein einziges Mal mit dem Rad gefahren. 50 Kilometer einfach, das ist ein bisschen weit und kostet zu viel Zeit. „Ich habe in meinem Beruf eher zu viel als zu wenig zu tun“, sagt Beck. Ein Zwölf-Stunden-Tag sei völlig normal, dafür versuche er, zumindest die Arbeit am Wochenende einzustellen. An „Home Office“ sei bei drei Kindern (Johanna, 13 Jahre; Clemens, 11; Klara, 8) ohnehin nicht zu denken.

Beck hat als Anwalt drei Fachgebiete. Eines ist das Familienrecht. Hier hat er viel mit Fällen häuslicher Gewalt oder Sorgerechtsstreitigkeiten zu tun. Mit dem Frauenhaus Schweinfurt arbeitet er eng zusammen. Ein zweiter Spezialbereich Becks ist das Baurecht. Er sagt, hier komme ihm sehr zugute, dass er als Heimwerker schon viel „auf anspruchsvollem Niveau“ gemacht habe. „Einen Fall gewinnt man zu 80 Prozent über das technische Verständnis, weil man weiß, wo man den juristischen Hebel ansetzen muss.“ Becks drittes Standbein ist das Wirtschaftsrecht – ein besonders spannendes Gebiet, in dem es meist um viel Geld geht.

„Hart in der Sache, fair im Umgang“ – das ist Becks Maxime nicht nur als Anwalt, sondern auch bei seiner politischen Tätigkeit. Nach ersten Aktivitäten beim Bund Naturschutz trat er mit 18 Jahren den Grünen bei. Zu dieser Zeit wohnte er noch in Ettleben (Lkr. Schweinfurt), aufgewachsen ist er im benachbarten Waigolshausen. Zwei Jahre später wurde er zum Kreisvorsitzenden der Grünen in Stadt und Landkreis Schweinfurt gewählt. 1992 zog er in den Kreistag Schweinfurt ein, von 1996 bis 2000 war er dort Fraktionssprecher der Grünen. „Das war eine herausragende Zeit“, erinnert sich der heute 46-Jährige. „Denn ich habe es dort als junger Mann geschafft, von Leuten ernst genommen zu werden, die 20 bis 30 Jahre älter waren.“

Spitzenkandidat war Beck in seiner Schweinfurter Zeit auch schon – und das gleich zweimal: 1994 war er Landratskandidat der Grünen, 1998 Bundestagsdirektkandidat seiner Partei für den Wahlkreis Schweinfurt/Kitzingen. Im Jahr 2003 zog Armin Beck nach Karlstadt. Seine Frau Frauke arbeitet beim Landratsamt Main-Spessart, sie ist dort stellvertretende Pressesprecherin. An seine erste Fahrt von Schweinfurt nach Karlstadt kann sich Beck noch gut erinnern. Als er die Kulisse von Zementwerk und Eisenwerk gesehen habe, da habe er sich gedacht: „Das sieht aus wie daheim.“

Auch in seiner neuen Heimat setzt sich Armin Beck für die Interessen vieler Bürger ein. Mitglied des Stadtrats ist er zwar (noch) nicht, dafür aber Karlstadter Ortssprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen die Westumgehung und Mitglied im Vorstand dieser überörtlichen BI. Als deren größten Erfolg wertet Beck den Bürgerentscheid aus dem Jahr 2010. Damals hatten die Karlstadter die Westspange mit fast 60 Prozent der abgegebenen Stimmen abgelehnt – gegen ein von Bürgermeister, CSU, SPD und Freien Wählern unterstütztes Ratsbegehren für die Errichtung der Trasse. Seine Meinung zur Westumgehung bekräftigt Beck heute erneut: „Ihr Schaden überwiegt ihren Nutzen deutlich.“ Der Grünen-Kandidat ist überzeugt, dass ihm seine klare Position in dieser Streitfrage bei der Bürgermeisterwahl nützen werde: „Das ist mein Alleinstellungsmerkmal.“ Die BI will die endgültige Streichung der B 26 n aus dem Bedarfsplan des Bundes erreichen.

Eine Seite kennen die Karlstadter an Armin Beck wohl noch überhaupt nicht. Es geht dabei um Musik. Die hört er nicht nur sehr gerne, es gab auch eine Zeit, in der er sie selbst gemacht hat. Von 1985 bis 1991 war Beck Frontmann der Band „BWI Sangria“ (benannt nach der Aufschrift auf einer Kiste im Proberaum). Die jungen Leute spielten Punkrock, der dank des Einsatzes von Trompete, Posaune und Saxofon einen funkigen Einschlag hatte. „Wir hatten damals Auftritte vor fünf Leuten, aber auch vor 500“, erinnert sich Beck. Eigentlich existiert „BWI Sangria“ schon lange nicht mehr, aber in einem Fall würde Beck die Band gerne noch einmal reaktivieren: „Wenn ich Bürgermeister werde, dann werde ich die ganzen alten Säcke zusammenholen und es wird ein Revival geben.“

Steckbrief Armin Beck

Was schätzen Sie an Karlstadt?

Die hohe Lebensqualität, besonders für Familien

Was ist Ihr liebstes Urlaubsziel?

Entfernt lebende Freunde

Ihre Lieblingsmusik?

Peter Licht

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Zu Vieles

Was lesen Sie gerade?

Wieland: Geschichte der Abderiten

Welche Eigenschaften schätzen Sie an anderen Menschen?

Offenheit

Was können Sie gar nicht leiden?

Machtmissbrauch – egal ob im Persönlichen, Beruflichen oder Politischen

Ihr politisches Vorbild?

Keines, jeder hat Stärken und Schwächen.

Ihre größte Schwäche?

Süßes

Ihre größte Stärke?

Zielorientiertes Handeln

Was ist für Sie Glück?

Meine Familie und meine Freunde

Ihr Lebensmotto?

post tenebras lux (sinngemäß aus dem Lateinischen: Nach jeder Dunkelheit kommt auch wieder das Licht.)

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