Aschaffenburg

Aschaffenburger Geheimprozess: Mehr Details zu Mord an Christiane

Zweiter Verhandlungstag vor dem Aschaffenburger Landgericht: Der Angeklagte versucht Indizien zu entkräften. Und der Auftritt einer Ermittlerin sorgt für einen kleinen Eklat.
Der Frühstückstempel in Aschaffenburg: Hier soll der Mörder vor 40 Jahren die tote 15-Jährige über das Geländer hinab gestoßen haben.  Foto: Michael Zimmer

Hinter verschlossenen Türen des Landgerichts Aschaffenburg hat der angeklagte Norbert B. im Prozess um einen 40 Jahre zurück liegenden Mord erste Angaben gemacht. Laut Gerichtssprecher Ingo Krist bestreitet der 57-Jährige die Tat und versucht, Indizien zu entkräften, die laut Anklage gegen ihn sprechen.

Täter wollte Leiche verstecken

Der Anklageschrift zufolge soll Norbert B. die 15-jährige Christiane am 18. Dezember 1979 nach ihrem Stenografie-Kurs auf dem Heimweg getroffen haben. Er soll sie im nahen Schlosspark sexuell missbraucht und dann erwürgt haben.

Der Tatort liegt in der Nähe des markanten Frühstückstempels, der im Park auf einen Felsen gebaut ist. Dorthin schleifte der Täter das tote Mädchen, wuchtete es über ein Geländer und warf es 15 Meter in die Tiefe. Den Ermittlungen zufolge versuchte der Täter noch, die Leiche zu verstecken. Sie wurde von einem Parkwächter am Tag darauf sechs Meter entfernt von der Stelle gefunden, an der sie beim Sturz aufgekommen war. 

Verräterische Bisswunde brachte die Ermittler weiter

Wie Gerichtssprecher Ingo Krist aus dem Geheimprozess mitteilt, hinterließ der Täter Biss-Spuren am Körper seines Opfers. Eine erneute Untersuchung der Bisswunde mit neuen Methoden hatte die Ermittler auf die Spur des 57-Jährigen gebracht. Ein Experte für Zahnmedizin gehört deshalb zu den Sachverständigen im Prozess.

Den Ermittlern zufolge soll der Täter – nachdem er Christiane über das Geländer in die Tiefe gestürzt hatte - hinabgeklettert sein zum Opfer am Fuß des Frühstückstempels. Er ging offenbar davon aus, dass das Mädchen noch nicht tot war und soll mit einem rund 90 Zentimeter langen Kantholz auf sein Opfer eingeschlagen haben. "Das Brett ließ er auf der Leiche liegen", verlas Staatsanwalt Marco Schmitt am ersten Prozesstag aus der Anklageschrift. "Der Angeschuldigte wollte unbedingt sichergehen, dass Christiane J. tatsächlich tot war, da sie ihn sonst hätte wiedererkennen können."

Christiane wurde am 18. Dezember 1979 in Aschaffenburg ermordet. Nach ihrem Mörder wurde über Jahrzehnte vergeblich gesucht.  Foto: Polizei

Der Angeklagte, der damalige Nachbarsjunge des Opfers, hatte 1979 in einer ersten polizeilichen Vernehmung  angegeben, dass er Christiane am Abend zu ihrem Steno-Kurs begleitet habe. Dies sei falsch gewesen, sagte er jetzt vor Gericht. Er habe damals nur vor seiner Freundesclique angeben wollen. Bei seiner zweiten Vernehmung vor 40 Jahren bei der Polizei habe er diese Aussage auch bereits korrigiert.

Schon früher mit einem Mädchen im Park

Wie im Prozess bekannt wurde, hatte sich Norbert B. vor dem 18. Dezember 1979 schon einmal mit einem anderen Mädchen im Schlosspark einschließen lassen. Auch da sei es zu sexuellen Handlungen gekommen. Als die dem Mädchen zu weit gingen, sei er in Wut geraten und habe sie gewürgt. Heute gibt Norbert B. diesen Vorfall Gerichtssprecher Ingo Krist zufolge zu. Der Angeklagte sagt aber auch: Es sei viel harmloser gewesen als dargestellt. Er habe das Mädchen nur leicht am Hals angefasst und gleich wieder los gelassen.

Bis zum 6. Februar sollen vor dem Landgericht an zehn Verhandlungstagen 40 Zeugen gehört werden. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 17 Jahre alt war, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.  Ingo Krist, Sprecher des Landgerichts, informiert die Öffentlichkeit über Erkenntnisse aus dem Verfahren. Er machte deutlich, „dass der Angeklagte bei einer Verurteilung wegen Mordes im Höchstmaß mit einer Jugendstrafe von zehn Jahren rechnen muss“.

Sind die Schöffen jetzt befangen?

Am zweiten Prozesstag führte der Auftritt einer zweiten Ermittlerin, die über die Vernehmung von Zeugen berichtet hatte, dann zu einem Konflikt. Der Verteidiger beantragte mündlich die Ablösung der beiden Schöffen, weil er Befangenheit befürchte, teilte Krist aus der nicht öffentlichen Sitzung mit.

Den Verteidiger störe, dass die Zeugen selbst erst später gehört werden. Seiner Auffassung nach könnten die Schöffen, die die Akten ja nicht kennen, nun die Aussagen nicht mehr unbefangen beurteilen, wenn ihnen die Polizeibeamtin schon im vorhinein eine Bewertung liefere.

Die Kammer kann die Hauptverhandlung dennoch fortsetzen. Der Verteidiger muss seinen Antrag schriftlich formulieren. Eine Entscheidung über eine Befangenheit, so der Gerichtssprecher, kann auch später erfolgen.

Der Prozess wird am 15. Januar fortgesetzt.

Schlagworte

  • Aschaffenburg
  • Manfred Schweidler
  • Angeklagte
  • Anklageschriften
  • Ermittlerinnen und Ermittler
  • Leichen
  • Polizei
  • Sachverständige
  • Staatsanwälte
  • Tatorte
  • Tote
  • Verbrecher und Kriminelle
  • Zeugen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!