ZIMMERN

Asylnetz: Zeit zum Helfen, nicht zum Feiern

Gut durchgemischt: einige Asylbewerber und ehrenamtliche Helfer vom „Asylnetz Zimmern“ (von links): Bonsa Falmata, Lena Holembowski, Fateh Khalil, Ahmd Alhmod, Zuriash Lemma, Ursula Knahn-Grünwald, Katja Kuhn und Christine Kirchner-Niemetz. Foto: Andreas Brachs

Eine Einladung zu einem Festakt mit Staatsempfang in München bekommt man nicht alle Tage. Und noch seltener ist, dass jemand diese Ehre ausschlägt. Das „Asylnetz Zimmern“ tut es.

Sozialministerin Emilia Müller will am kommenden Dienstag die Arbeit der ehrenamtlichen Betreuer von Asylbewerbern würdigen. Nicht nur die Zimmerner dürften in die Landeshauptstadt reisen, sondern auch andere Asylhelfer-Gruppen.

Doch das „Asylnetz“ lehnt ab. Das begründen die Mitglieder in einer E-Mail an Ministerin Müller: „Die seit Wochen wiederkehrenden und sich steigernden, provozierenden Aussagen Ihres Kabinettskollegen Söder sind ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich um Integration vor Ort, um Kindergartenplätze, um Arbeitsstellen, vor allem um Verständnis in der Bevölkerung, Fremden gegenüber, bemühen.“ Söder konterkariere all diese Bemühungen der freiwilligen Helfer mit seinen Aussagen.

Statt also dem Staatsempfang beizuwohnen, Politikerreden zu lauschen und sich an einem Vier-Gänge-Menü zu laben, hat die Zimmern-Gruppe beschlossen, „die Zeit besser in die Asylbewerber zu investieren“. Darin sind sich die Susan Christ, Lena Holembowski, Christine Kirchner-Niemetz, Ursula Knahn-Grünwald, Katja Kuhn und Martina Rubahn einig.

Seit Anfang 2013 kümmert sich das „Asylnetz“ in wenig veränderter Besetzung und mit der Unterstützung weiterer Helfer um die Asylbewerber, die in Zimmern in einer ehemaligen Pension den Ausgang ihrer Asylverfahren abwarten. Zurzeit teilen sich 16 Menschen das Haus, 14 Äthiopier und zwei Syrer. Während die Syrer wegen der Kriegsgefahren in ihrer Heimat meist nach sechs bis neun Monaten als Asylanten anerkannt werden, warten die Äthiopier schon seit über zwei Jahren auf das Ende ihres Verfahrens.

Diese Zeitspanne wollen ihre deutschen Helfer nicht ungenutzt verstreichen lassen. Lena Holembowski und Bernd Wolfgang Veix bieten ihnen aktuell vier Mal in der Woche je drei Stunden Sprachunterricht an. „Alle sind dafür offen und wollen lernen“, erzählt Holembowski, obwohl es eine Herausforderung sei, die unterschiedlichen Niveaus und Sprachfähigkeiten zusammenzuführen.

Entgegenkommen erhält das Netzwerk auch von der Stadt Marktheidenfeld, die zum Beispiel die Kleinsten in ihre Kindergärten aufnimmt, oder von der TVM-Fußballabteilung, die einige Asylbewerber in ihre Sport- und Freizeitangebote integriert. Und die Unterstützerliste ist noch länger: Die Kirchen, der Lions-Club und einzelne Bürger bieten Hilfe oder Spenden an.

Der jüngste Erfolg der Ehrenamtlichen: Durch beharrliche Nachfragen haben sie drei Männer auf Zeit in Arbeit vermitteln können, so dass sie nun Geld verdienen können. Ursula Knahn-Grünwald betont: „Sie wollen von Anfang an arbeiten und Kontakt zur Bevölkerung bekommen.

“ Als ein äthiopischer Familienvater von seiner Anstellung erfuhr, bedankte er sich bei der Ehrenamtlichen mit einem Strauß Rosen und einer Dankkarte auf Deutsch. Sein Kommentar: „Ich bin neu geboren.“

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