Karlstadt

Auch Main-Spessarts Grüne auf der Überholspur

Europawahl 2019: In Lohr (Foto) und Karlstadt erreichten die Grünen mit über 19 Prozent ihre besten Ergebnisse im Landkreis Main-Spessart.  Foto: Wolfgang Dehm

"Sie haben eine schöne Stimme", warb "Die Partei" für die Europawahl. Von den 63 690 Stimmberechtigten im Landkreis Main-Spessart nahmen mehr als 63 Prozent ihr Recht tatsächlich in Anspruch. Auch wenn "Die Partei" nur knapp zwei Prozent davon einsackte - die Wahlbeteiligung war aus demokratischer Sicht höchst erfreulich: Am höchsten war sie mit 72,2 Prozent in Retzstadt, am niedrigsten mit 50,1 Prozent in Aura - und damit immer noch gut fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt vor fünf Jahren. 

Stabil gehalten hat sich die CSU, die jetzt in allen Orten die Hoheit behauptet. Die Talfahrt von gut 59 über 49,5 und zuletzt 44,6 Prozent wurde mit nunmehr 44,2 Prozent abgefedert - ein gutes Ergebnis für den Kreisverband von Thorsten Schwab angesichts der nicht einmal 29 Prozent, auf die es CDU/CSU bundesweit nur noch bringen. Auch mit Blick auf den Bayernschnitt, der nur knapp über 40 Prozent liegt, zeigt sich Schwab zufrieden. Eine Schwab-Bonus in seinem Heimatort gab es übrigens nicht: Mit 44 Prozent blieben die Hafenlohrer sogar unter dem MSP-Schnitt, während die Grünen in der Heimat des Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters auf stolze 18,5 Prozent kamen.

Gerhard Kraft: Ziel erreicht

Großer Gewinner im Landkreis wie auf Bundesebene sind zweifelsohne die Grünen: Stabil gelegen zwischen neun und zehn Prozent bei den letzten drei Europawahlen, machten sie einen gewaltigen Satz nach oben in der Wählergunst und landeten mit 16,3 Prozent auf Platz zwei hinter den Christsozialen. Spitzenergebnisse von 19 Prozent und mehr erreichten sie in den drei Städten Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld. Kreisvorsitzender Gerhard Kraft (Karlstadt) ist damit hochzufrieden. Auf allen Ebenen hätten die Grünen ihr Ziel, zweitstärkste Partei zu werden, erreicht.

Jäh hingegen der Sturz der Sozialdemokraten, die bei den Europawahlen in Main-Spessart Wechselbäder hinter sich haben: von knapp 16 Prozent (2004) runter auf knapp zwölf (2009), mit fast 21 Prozent vor fünf Jahren nahezu im Höhenrausch und nunmehr noch zweistellig mit 11,1 Prozent. Sogar die letzte rote Hochburg Partenstein, ist gefallen: Dort sackte die SPD von zuletzt 34,6 auf nun 19,8 Prozent ab. Kreisvorsitzender Sven Gottschalk (Lohr) erklärt die ernüchternden Ergebnisse mit dem fehlenden Profil seiner Partei zum Thema Umwelt. „Vor allem junge Menschen wollen dazu eine klare Line“, so Gottschalk. Und diese habe seine Partei verpasst zu fahren.

Kurt Schreck: Schlechtestes Ergebnis im Heimatort

Sein einziger Trost könnte sein: Die rechtspopulistische AfD haben die Sozialdemokraten deutlich hinter sich gelassen. Mit 7,8 Prozent war die AfD vor fünf Jahren gestartet - und ist dabei geblieben. Auch das bayernweite Ergebnis, das bei rund 8,4 Prozent liegt, entspreche nicht dem, was man sich erhofft habe, sagt Kreisvorsitzender Kurt Schreck. Die Ergebnisse gäben aber Ansporn zu überlegen, wie man die Erwartungshaltung künftig wieder in Ergebnisse umleiten könne. In seinem Heimatort Erlenbach übrigens fuhr Schreck mit 5,4 Prozent das schlechteste AfD-Ergebnis im Landkreis ein.

Die Freien Wähler haben sich gefangen. Bei ihrer Europa-Premiere vor zehn Jahren hatten sie in Main-Spessart 12,7 Prozent eingeheimst, waren dann auf 5,8 Prozent gefallen und haben sich diesmal leicht auf 6,4 Prozent verbessert. "Für das, was wir im Wahlkampf gemacht haben, sind wir zufrieden", kommentiert Kreisvorsitzender Marco Pintar, der in seinem Heimatort Neuendorf mit 13,3 Prozent das Spitzenergebnis seiner Partei im Landkreis erreichte. Denn die Kernkompetenz der Freien Wähler, so Pintar, liege nach wie vor auf kommunaler Ebene.

"Die Partei" zwischen den Linken und der ÖDP

Die FDP, vor zehn Jahren noch bei sieben Prozent, hat von 2,2 auf nun 2,7 nicht wesentlich zugelegt. Die 2004 gegründete, eingangs zitierte Satire-Partei "Die Partei" liegt im Landkreis mit 1,95 Prozent sogar knapp hinter den Linken (1,99) und vor der ÖDP (1,72). Abgesehen von der Tierschutzpartei (1,55) blieben alle anderen Kleinparteien im Landkreis unter der Ein-Prozent-Grenze. 

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