Lohr

Auf Kindergarten folgt Wohngebäude

Der ehemalige Kindergarten an der Franz-Kraus-Straße in Sendelbach soll Mitte 2020 verschwunden sein. Die Lohrer Firma LWB plant auf dem Areal einen auf 3,5 Millionen Euro veranschlagten Wohnkomplex.  Foto: Johannes Ungemach

Die Stadt Lohr hat den Alten Kindergarten in Sendelbach verkauft. Der Käufer ist die Lohrer Firma LWB Wohn- und Gewerbebau, hinter der Architekt Werner Altmann und Bauunternehmer Johannes Siegler stehen. Den Verkauf segnete der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung ab, wie der städtische Pressesprecher Dieter Daus bestätigte. Im Vorfeld hatte es dem Vernehmen nach mehrere Bewerber gegeben, wobei dem Stadtrat das LWB-Konzept jedoch am schlüssigsten erschien.

LWB will auf dem 1879 Quadratmeter großen Gelände an der Franz-Kraus-Straße direkt gegenüber der Sendelbacher Kirche einen Wohnkomplex mit zwölf bis 14 Wohnungen bauen. Das laut Daus "ansprechend gegliederte" Gebäude wird ungefähr die gleiche Höhe haben wie der ehemalige Kindergarten. Den Kostenrahmen des Projektes bezifferte Altmann auf rund 3,5 Millionen Euro. Eine grafische Darstellung der Gebäudeansicht will der Planer noch nicht herausgeben, da sich noch Details ändern könnten.

Seit 2015 Leerstand

Das Vorhaben hat eine längere Vorgeschichte. Das ehemals als Grundschule und ab den 1980ern als Kindergarten genutzte dreistöckige Gebäude stand seit Anfang 2015 leer. Damals zog der Sendelbacher Kindergartenbetrieb in den Neubau in der Ostlandstraße um, den Architekt Altmann geplant hatte.

In der Folge interessierte sich unter anderem der Lohrer Verein "Krisantemen" für das Gebäude. Er spielte mit dem Gedanken, dort ein Hausgemeinschaftsprojekt für Senioren zu realisieren, was jedoch an den Kosten scheiterte.

Anfang 2018 schrieb die Stadt den ehemaligen Kindergarten schließlich zum Verkauf aus. Bedingung war, dass ein Käufer nicht nur ein Bebauungskonzept vorlegt, sondern sich auch zum Abriss des aus den 1950er-Jahren stammenden Gebäudes verpflichtet. Dies wurde damit begründet, dass im Zuge der Überlegungen für einen neuen Kindergarten ein Gutachten zu dem Ergebnis gekommen war, dass Abriss und Neubau günstiger wären als eine Sanierung des Gebäudes.

Im Herbst 2018 war dann aus dem Rathaus zu hören, dass ein Käufer gefunden sei. Es fehle nur noch die notarielle Besiegelung des Kaufvertrages. Doch dann kam es zu Verzögerungen. Zu deren Hintergründen sagte Bürgermeister Mario Paul vor einigen Wochen, dass der potenzielle Käufer noch "ungeklärte Fragen" sehe. Altmann wollte sich jetzt zu den Hintergründen nicht äußern. Mittlerweile ist der Verkauf jedoch vollzogen. Der Stadtrat stimmte diesem in seiner Sitzung am 11. Dezember zu.

Laut Altmann soll Anfang Januar der Bauantrag eingereicht werden. Diesen habe man in mehreren Terminen mit den Nachbarn abgestimmt. Geplant ist nach Aussage des Architekten ein Wohngebäude mit zwei Geschossen und einem dritten, das etwas zurückgesetzt sei.

Parkplätze sollen bleiben

Vorgesehen ist auch eine Tiefgarage. Deren Zufahrt wird sich laut Altmann dort befinden, wo heute der Treppenaufgang zum ehemaligen Kindergarten ist. Sämtliche Parkplätze blieben erhalten. Eigentlich sei vorgesehen gewesen, dass LWB auch einen Teil der Parkplätze kaufe. Doch dagegen habe es Bedenken gegeben, so Altmann, weswegen man darauf verzichtet habe.

Der Abriss des ehemaligen Kindergartens soll laut Altmann im Frühsommer 2020 beginnen. Er werde wohl nicht länger als drei Wochen dauern. Den anschließenden Neubau wird die Firma Siegler Bau hochziehen. Realistisch sei eine Bauzeit von rund eineinhalb Jahren, sagt Johannes Siegler. Mit einer Fertigstellung der Wohnungen wäre daher Ende 2021 zu rechnen.

Geplant sind laut Architekt Altmann Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, aber auch ein oder zwei Penthouse-Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmetern. Es gebe schon erste Anfragen, so der Planer. Für die Vermarktung werde sich LWB jedoch einen Partner suchen.

Obwohl in Lohr derzeit mehrere größere Wohnbauprojekte im Bau oder in Vorbereitung sind, ist der Architekt optimistisch, dass die Vermarktung der in Sendelbach entstehenden Wohnungen kein großes Problem sein wird. Im Geläut des direkt gegenüber gelegenen Kirchturms sieht Altmann kein Problem für die Vermarktung der Wohnungen, schließlich gebe es Schallschutzfenster.

LWB Wohn- und Gewerbebau GmbH
Die Lohrer Firma LWB Wohn- und Gewerbebau GmbH ist auf die Planung und Realisierung von meist größeren Bauprojekten spezialisiert. Gegründet wurde sie 1990 von Bauunternehmer Johannes Siegler und Architekt Werner Altmann, die jeweils hälftig Anteile am Unternehmen haben. In Lohr hat LWB bereits zahlreiche Gebäude errichtet, beispielsweise mehrere Autohäuser im Industriegebiet-Süd, das ehemalige Logistikzentrum der Brauerei Stumpf, große Wohnkomplexe an der Wombacher und Rechtenbacher Straße, den E-Center und ein Bürogebäude an der Rexrothstraße sowie die "Residence am Stadtpark" gebaut. Insgesamt, so Siegler, zählten die verschiedenen Projekte in Lohr über 200 Wohnungen.
Aktuell baue LWB als Generalunternehmer eine Trampolinhalle in Hösbach. Jüngst habe man ein Grundstück für ein Fünf-Familien-Haus in Erlenbach bei Marktheidenfeld gekauft. Siegler (57) ist Inhaber und Geschäftsführer der von ihm 1985 gegründeten Siegler Bau GmbH in Wombach. Das Unternehmen zählt derzeit 63 Mitarbeiter und ist beispielsweise am Neubau des Wohn- und Geschäftskomplexes auf dem Brauereiareal beteiligt.  Werner Altmann (70) bereitet derzeit seinen Rückzugvor aus seinem in der Ludwigspassage angesiedelten Büro mit vier Mitarbeitern. Als Nachfolger und gleichberechtigter Partner sitzt bereits Altmanns Stiefsohn Michael Herrmann (33) mit im Boot. Er soll auch Altmanns Anteile an LWB übernehmen.

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