ARNSTEIN

Auf den Spuren der Stadtgeschichte

Voller Staunen betrachteten die Kinder bei der „Stadtmaus-Führung” den prachtvollen Prospekt der Orgel in der Arnsteiner Stadtkirche.
Voller Staunen betrachteten die Kinder bei der „Stadtmaus-Führung” den prachtvollen Prospekt der Orgel in der Arnsteiner Stadtkirche. Foto: G. Roth

Wie im Fluge vergingen für 19 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren die anderthalb Stunden auf den Spuren der Arnsteiner Stadtmaus vom Rathaus bis zum Schweinemarkt. Elisabeth Eichinger-Fuchs hatte für den Heimatkundeverein im Rahmen des Ferienspaßprogramms eingeladen.

Vorsichtig spitzten Frowin und Conz, die zwei vorwitzigen und neugierigen Buben des Burgvogts von Arnstein, durch das versehentlich offene östliche Tor. Niemand war da, der sie aufhalten konnte, außerhalb der schützenden Burgmauern auf Abenteuerjagd zu gehen. Allerdings begann damals im 15. Jahrhundert die Wildnis gleich hinter der Stadtmauer, und als die Jungen am Abend nicht zurück waren, brach in der Burg die Panik aus.

Verzweifelt suchte der Ritter mit seinen Mannen das Werntal ab und schwor, der Heiligen Mutter Maria eine Kirche zu errichten, wenn seine Kinder gerettet würden. Und er hielt Wort. An der Fundstelle entstand die heutige Wallfahrtskirche „Maria Sondheim“.

Legende um die Wallfahrtskirche

Wie bei diesem Beispiel, der Legende um die Entstehung der Wallfahrtskirche, gelang es Eichinger-Fuchs durchgehend geschichtliche Fakten, Geschichten und Emotionen kindgemäß zu verknüpfen. Die Ritterbuben Frowin und Conz ließ sie zudem heimlich aus dem Burgtor schleichen und anschließend davon rennen – natürlich beobachtet von den anderen Kindern ihrer sommerlichen Führung.

Dann gab es da auch noch den unheimlichen Platz am östlichen Ende der Straße Schulhof, wo noch in der frühen Neuzeit 38 Frauen und Männer als Hexen verbrannt wurden. Eichinger-Fuchs ließ die Kinder einen Kreis bilden, sich mit geschlossenen Augen an der Hand nehmen und barfuß die damalige Situation, die Gefühle sowie das Grauen nachzuspüren.

Das war geschickt und eindringlich gemacht, ohne die Emotionen der jungen Menschen über zu strapazieren. „Ich spüre noch jetzt die Hitze des Feuers an meinen Füßen“, sagte der siebenjährige Jakob anschließend.

Wesentlich lockerer ging es in der Stadtkirche zu, in der die kleinen Stadterkunder beispielsweise erfuhren, dass die gewaltige Orgel auf der Empore eigentlich ein echtes Schnäppchen für die Stadt war. Als nämlich zur Zeit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts das Würzburger Karmelitenkloster weitgehend enteignet wurde, konnte man dort die bestellte Orgel mit dem grandiosen Prospekt nicht mehr bezahlen. Über einen Arnsteiner Kaufmann konnte so die Stadt das Prachtstück quasi als Sonderangebot erwerben. Großes Staunen erregte bei den Kindern die eindrucksvolle Bilderreihe von den 14 Nothelfern.

Die Führerin zeigte ihren Gästen auch das älteste Stadtwappen an der Rathauswand: Der Adler, der sich im Lauf der Jahre aus dem Wappen des Geschlechtes der Henneberger entwickelt hat. Die Kinder erfuhren die Namensherkunft des Schwesternhauses, das einst im Besitz von zwei zerstrittenen Schwestern war, sie hörten auch, dass Arnstein früher eine Weinbaugemeinde war und dass das Rathaus in seinen Obergeschossen Übernachtungsmöglichkeiten für durchfahrende Fuhrleute anbot. Die westliche Häuserzeile der Marktstraße gehörte damals überwiegend Winzern, die dort ihre Gewölbekeller mit Weinfässern hatten und im Herbst zeitweise bis zu acht Weinstuben betrieben.

Neu war für die kleinen Geschichtsmäuse auch, dass das östliche Stadtviertel zwischen Burg und Pfründnerspital „Linsenviertel“ genannt wurde, weil sich die armen Leute dort kaum mehr zum Essen leisten konnten. Am Schweinemarkt aber wurden früher natürlich Tiere verkauft, aber dass der Ort zuvor als Exerzierplatz der Stadtmiliz diente, war nicht bekannt.

Mit dieser vorzüglichen Mischung aus Fakten und Geschichten gelang es Elisabeth Eichinger-Fuchs die Aufmerksamkeit und Neugier ihrer jungen Begleiter mühelos aufrecht zu erhalten, zumal die „Stadtmaus“ an mehreren markanten Stellen kleine Schätze versteckt hatte, die es aufzuspüren galt.

Spannende Geschichten erzählte Elisabeth Eichinger-Fuchs den Kindern im Burghof.
Spannende Geschichten erzählte Elisabeth Eichinger-Fuchs den Kindern im Burghof.
Als Belohnung für ihre Aufmerksamkeit hatte die Stadtmaus für die jungen Geschichtsforscher an einigen Stellen kleine Schätze versteckt.
Als Belohnung für ihre Aufmerksamkeit hatte die Stadtmaus für die jungen Geschichtsforscher an einigen Stellen kleine Schätze versteckt.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Arnstein
  • Günter Roth
  • Emotion und Gefühl
  • Frühe Neuzeit (1517 - 1899)
  • Stadtgeschichte
  • Wallfahrtskirchen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!