HESSLAR

Auf die Finger geschaut: Reinhard Riedmann und seine Krippen

Halb Haus, halb Stall: Riedmanns Krippen haben einen eigenen Stil. Foto: Thomas Obermeier

Handwerk heißt Handwerk, weil es Handarbeit ist. Dass damit oft viel Liebe zum Detail verbunden ist, wissen gerade Handwerker vom alten Schlag. Insofern nähert sich Handwerk bisweilen der Kunst. Im Fall von Reinhard Riedmann kommt ein anderes Element hinzu. Denn der gelernte Schlosser baut seit 20 Jahren in seiner kleinen Werkstatt in Heßlar im Kreis Main-Spessart) Weihnachtskrippen zum Spielen. Unzählige Unikate sind seither entstanden – und ein kleines Hobby-Unternehmen dazu.

Es geht nicht ums Geldverdienen

Doch um Kommerz geht es dem 65 Jahre alten Rentner überhaupt nicht. 120 bis 400 Euro kosten die Holzkrippen – den Preis berechnet er Pi mal Daumen. Welchen Aufwand Riedmann in die Werke steckt, führt er sich nur grob vor Augen – und betriebswirtschaftlich fundiert müsse das nicht sein: 30 bis 40 Stunden Arbeitszeit brauche er pro Krippe. Was er sonst an Aufwand hat, „will ich gar nicht wissen“. Allein wichtig sei ihm, dass die komplett handgefertigten Häuschen so stabil sind, dass Kinder damit nach Herzenslust spielen können. Ohne, dass gleich etwas kaputt geht.

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Alles Handarbeit: Die Krippenbauer aus Heßlar - Reinhard Riedmann und seine Frau bauen seit 20 Jahren Weihnachtskrippen. Wichtig ist ihnen dabei, dass die Krippen nicht nur Dekoration sind, sondern dass Kinder damit auch nach Herzenslust spielen können.

Was zählt ist, dass Kinder damit spielen können

Zu diesem Zweck baut er gerne extra starke Scharniere für die Krippentürchen ein, befestigt all die unzähligen Latten mit bis zu 350 Schrauben und schleift alle Kanten von Hand ab, damit sich die Kinderfinger nicht verletzen. „Schleifen ist sowieso das A und O.“ Und giftige Holzschutzmittel sind tabu: Alle Krippen seien naturbelassen, betont der Handwerker.

Eiche und Fichten sind raus

Das Holz bekommt er von einem Verwandten, der eine Schreinerei betreibt. Die zwei Meter langen, 40 Kilo schweren Baumscheiben zerlegt Riedmann zuhause in seiner Werkstatt hinter der Garage. Vor allem Buche und Ahorn seien gut, Fichte weniger. Eiche geht gar nicht: „Das Holz hat einen Eigengeruch.“

Für all das stundenlange Sägen, Hobeln und Fräsen hat sich der Rentner ein Sammelsurium an Werkzeug und die eine oder andere selbst umgebaute Maschine in die Werkstatt gestellt. Sie ist für ihn freilich nicht der einzige Ort der Glückseligkeit: „Ich bin eigentlich ein Gartenmensch“, sagt Riedmann über sich. Das hat zur Folge, dass er sich in der warmen Jahreszeit kaum um seine Krippen kümmert. Oder er baut Nistkästen und Insektenhotels aus Holz – ein weiteres Steckenpferd.

Schleifen ist das A und O: Reinhard Riedmann aus Heßlar baut in seiner Freizeit Krippen, Ehefrau Brigitte hilft ihm. Foto: Thomas Obermeier

Riedmann: Typischer Zeitgenosse, der anpackt

Überhaupt ist Riedmann ein Paradebeispiel für jenen Typ Mensch, den man gerade auf dem Land findet: Dort wird in Eigenregie am Haus gewerkelt, Holz gemacht, Rasen gemäht, Garten umgegraben – es wird eben angepackt. Kein Wunder also, wenn Riedmann sagt: Er habe sein Wohnhaus weitgehend selber gebaut.

Dass der 65-Jährige für seine Weihnachtskrippen sogar Kunden in den USA und den Niederlanden hat, verdankt er im Grunde seiner Frau Brigitte: „Sie ist an allem schuld“, schmunzelt er wohlwollend. Denn Brigitte Riedmann regte 1997 als Kirchenpflegerin von Heßlar an, dass die Krippe im Gotteshaus des 300-Seelen-Ortes bei Karlstadt/Main hergerichtet wird. Also packte Ehemann Reinhard an – die Leidenschaft für Krippen war geboren.

Nur die Figuren sind nicht handgemacht. Foto: Thomas Obermeier

Was das mit dem Lokführer auf sich hat

Sein Beruf damals kam ihm zugute: Riedmann war Lokführer. In den vielen Pausen zwischen den Fahrten habe er zu Bleistift und Papier gegriffen, um für jede seiner Krippen einen detaillierten Plan zu zeichnen. Das Papier dafür war übrigens nicht weit: Riedmann nahm einfach die Ausdrucke seines Schichtplans zur Hand – die Rückseite dieser Blätter war blank.

Wie viele Krippen er in den vergangenen 20 Jahren hergestellt hat, wisse er nicht. Sei auch nicht wichtig. Vielmehr stellt er seinen Stil in den Vordergrund: „Ich mache die Krippen nie auf rustikal.“ So ähneln sie eher immer einer Mischung aus Miniatur-Bauernhaus und Stall. Kleine Balkone mit Geländer, Vogelhäuschen, Treppen und LED-Lichter inklusive – Vorgaben der biblischen Szene rund um Christi Geburt spielen keine Rolle.

Warum Ehefrau Brigitte an allem „schuld“ ist

Durchaus eine Rolle spielt nach wie vor Riedmanns Frau Brigitte: Sie schmückt die fertigen Krippen. Das selbst gesammelte Moos dafür trocknet sie in ihrem Heizkeller, der voll davon ist. Die Krippenfiguren kauft sie in der Regel immer im Januar auf der Dekomesse „Christmasworld“ in Frankfurt. Und wenn Reinhard Riedmann seine Krippen auf Weihnachtsmärkten ausstellt, ist Frau Brigitte auch dabei.

Es ist keine Frage, dass bei den Riedmanns an Heiligabend eine selbst gebaute Krippe im Wohnzimmer stehen wird. Aber nicht irgendeine: Sie ist größer als die herkömmlichen und wiege ungefähr 40 Kilo, sagt Reinhard Riedmann. „Die muss man zu zweit tragen.“

Auch dabei hilft ihm seine Frau. Sie ist ja eh an allem schuld.

Wo die Krippen demnächst zu sehen sind

Die Krippen von Reinhard Riedmann sind am ersten und dritten Adventswochenende auf dem Weihnachtsmarkt in Himmelstadt/Main und am zweiten Adventswochenende auf den Nikolaustagen in Karlstadt am Main zu sehen.

Sägen gehört dazu. Foto: Thomas Obermeier
Um das Schmücken der Krippen kümmert sich Brigitte Riedmann. Foto: Thomas Obermeier
Stabil, damit Kinder damit spielen können. Foto: Thomas Obermeier

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