KARLSTADT

B 26n: Trasse führt durchs Naturschutzgebiet

Ist am vorgesehenen Verlauf der B 26n bei Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) noch etwas zu ändern? Seit Ende 2016 ist der Bundesverkehrswegeplan verabschiedet. Und der hat den Abschnitt Arnstein-Karlstadt im vordringlichen Bedarf. Dazu gehört ein Zubringer östlich des Karlstadter Hausbergs Saupurzel. Was bisher wenig Beachtung fand: Die Trasse würde zweimal durch das Naturschutzgebiet (NSG) führen.

Täglich 9800 Fahrzeuge werden auf diesem Zubringer zwischen B 26 und B 27 prognostiziert, sobald der Teil bis Karlstadt fertig ist. Noch im März ließ Michael Fuchs, Leiter der Abteilung Straßenbau im staatlichen Bauamt Würzburg, keinen Zweifel daran, dass die Trasse so verlaufen wird: „Die ist im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben, daran können wir nichts ändern.“

Der „kühne Strich“

Inzwischen aber wird hinter vorgehaltener Hand eine andere Variante diskutiert. Unter anderem hatte der Karlstadter Bürgermeister Paul Kruck im IHK-Gremialausschuss eine Skizze mit einem „kühnen Strich“ präsentiert, der die B 26n ein Stück weiter nach Norden verschiebt, mit einer Anbindung direkt an die B 27 zwischen Karlstadt und Eußenheim.

Damit würde sich der Zubringer östlich des Saupurzels erübrigen und zumindest eine der Querungen des Naturschutzgebiets Grainberg, Kalbenstein und Saupurzel entfallen. Dieses ist ein „mitteleuropäisch bedeutsames und komplex aufgebautes Trockengebiet“, so charakterisiert es die Regierung von Unterfranken.

Die Bürgerinitiative „Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg“ plädiert ebenfalls für den „kühnen Strich“.

Der Karlstadter BI-Sprecher Armin Beck betont, es sei wichtig, die Anbindung an die B 26 bei Karlstadt-Ost zu verhindern. Wenn man stattdessen die Strecke am Luftsportclub direkt auf die B 27 führt, werde es schwierig werden, später einmal die Autobahnen A 7 und A 3 durch die B 26n zu verbinden. Genau gegen diese Verbindung wendet sich die BI.

Ob dieses Argument auch für den Karlstadter Bürgermeister zählt, will dieser momentan nicht näher ausführen. Tatsache ist, dass das Gebiet östlich des Saupurzels als Naherholungsgebiet für die Kreisstadt fungiert. Kruck verweist auf eine Arbeitsgruppe des Stadtrats und der Verwaltung, die bald starten und einen Stadtratsbeschluss vorbereiten soll.

Bürgerinitiative fordert politischen Druck.

Kann es nicht schon zu spät sein? Der Karlstadter Bürgermeister glaubt das nicht. Die Stadt werde „nach Erteilung des Planungsauftrags – und dafür ist der Abschluss des behördeninternen Linienbestimmungsverfahrens Voraussetzung – am Planungsverfahren beteiligt“.

Genau da sieht Beck den Fehler: „Wer wartet, bis das Straßenbauamt seinen Planungsauftrag umgesetzt hat, wird überrascht aufwachen und feststellen, dass keine Änderungen mehr möglich sind.“ Jetzt müsse politischer Druck ausgeübt werden – auch um den Straßenplanern einen Grund zu geben, vom vorgegebenen Korridor abzuweichen. „Jetzt sind alle gefordert, egal ob Befürworter oder Gegner, für Karlstadt das Beste herauszuholen.“

Der Bund Naturschutz (BN) lehnt die komplette Trasse ab. Richard Mergner (Nürnberg), Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Verkehr im Bund Naturschutz, und sein Stellvertreter Erwin Scheiner (Karlstadt) kritisieren den hohen Flächenverbrauch. Sie glauben nicht, dass sich an der Gesamtkonzeption der B 26n mit der späteren Weiterführung in den Westen von Würzburg etwas ändern lassen werde. Das sei Bundespolitik. Und die könne das Bauamt in Würzburg nicht ignorieren.

Dass aus Karlstadt nun Alternativen aufgezeigt werden, kommentiert Mergner so: „Den Karlstadtern dämmert langsam, welche negativen Auswirkungen die B 26n hat. Der Verkehr wird nach Karlstadt hingeschaufelt.“ Auch im Werntal werde nach dem Bau einer B 26n das böse Erwachen kommen, wenn die Menschen merken, dass auf der Höhe die Autos dahinbrausen, aber nach wie vor der Ziel- und Quellverkehr durch die Orte rollt.

„Alternativen nie richtig geprüft“

Der BN kritisiert, dass im Planungsprozess Alternativen nie richtig geprüft worden seien. Diese würden von Sperrungen der Orte für Lkw bis zu kleinen Ortsumfahrungen reichen. Der Bund Naturschutz werde alle Möglichkeiten ausschöpfen und auch klagen. Mergner: „Ich hoffe, die betroffenen Bauern wehren sich auch.“

Auf die Frage, wie das Naturschutzgebiet überwunden werden könnte, gibt Fuchs keine Antwort. Aber es existiert eine Darstellung des Bauamts, bei der das Naturschutzgebiet im Bäuerleinsgrund mit einem Damm durchquert oder einer Brücke überspannt wird. Neben dem Luftsportclub ist dies allerdings nicht denkbar, da dort das NSG höhengleich mit der Trasse liegt.

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