KARLSTADT/LOHR

B 26n: gegensätzliche Hoffnungen

Vor der Karlstadter Stadtratsitzung protestierte am Donnerstagabend die Bürgerinitiative (BI) gegen die Planung der B 26n. Im Rathaus beschlossen derweil die Stadträte ihre Stellungnahme zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) und begrüßten die Planung mit einer Mehrheit von 17:6 Stimmen. Bereits am Nachmittag war die B 26n Thema beim IHK-Gremialausschuss in Lohr gewesen. Dabei wurde deutlich, dass den IHK-Vertretern der Bau der B26n nur bis Karlstadt keinesfalls reicht.

Die protestierende Bürgerinitiative ihrerseits hatte eine Stellungnahme abgeben, bei der sie das Vorhaben mit folgenden Argumenten ablehnt:

• Die B 26n schließe lediglich – wie die bestehende B 26 – den Main-Spessart-Kreis an das Autobahnnetz im Osten an. Der durch die Trasse neu verursachte Verkehr wäre dann mit 15,66 Millionen Autokilometern pro Jahr erheblich größer als der verlagerte mit 780 000. Das Projekt habe somit keine Bedeutung für das Gesamtnetz der Bundesfernstraßen.

• Die B 26n sei auch für eine Entlastung der A 3 und A 7 nicht nötig. Denn diese Autobahnen hätten nach dem Ausbau auf sechs Streifen genug Kapazität, um den Verkehr im Bereich Würzburg aufnehmen zu können.

• Die prognostizierte Entlastung der B 26 im Werntal vom Pkw-Verkehr sei kaum zu erwarten, da dieser zum Großteil Ziel-Quellverkehr in den Beziehungen zu Arnstein und Karlstadt ist. Der Lkw-Verkehr werde ab Karlstadt äußerst belastend sein.

• Alternativen zur B 26n seien nur in geringem Umfang geprüft worden. So fehle die Prüfung einer wie auch immer verlaufenden, ertüchtigten B 26, die auch die Abschnitte bei Gemünden und bei Lohr umfasst.

• Eine positive Wirkung der B 26n für die Stadt Würzburg sei kaum zu erwarten. Zur Lösung der Verkehrsprobleme der Stadt Arnstein bedürfe es keines Neubaus zwischen A3 und A7.

• Zu beachten sei auch die „Sogwirkung“, die Nachteile für die mittelständische Gewerbestruktur in Main-Spessart gegenüber dem Zentrum Schweinfurt brächte.

• Mit der B 26n würden bislang verkehrsarme Bereiche der Region zerschnitten, Landschaft und Natur belastet. Durch den Ausbau der A 7 zwischen Dreieck Werneck und Biebelried wäre dieser Effekt zu vermeiden. Einige der wenigen wasserreichen Quellen Mainfrankens müssten durch kostenintensive technische Bauwerke geschützt werden.

• Durch die B 26n und durch die Anbindung an die Staatsstraße 2435 nach Lohr und die B 26 und B 27 würde die Stadt Karlstadt ihren Naherholungsraum fast komplett verlieren.

• Die B 26n weise einen hohen Landverbrauch auf, der vor allem auf den Höhen fruchtbares Ackerland mindere und wertvolle Wälder reduziere.

• Im Vergleich zu vergleichbaren anderen Projekten seien die Kosten von 4,1 Millionen Euro pro Kilometer äußerst niedrig angesetzt.

• Die für die B 26n ermittelten Zeitgewinne für den Fernverkehr seien unrealistisch. Von der A 7 bei Werneck bis zur A 81/Kist sei es nahezu gleich weit wie über die geplante B 26n.

„Für Lohr wäre das eine einzige Katastrophe.“
Ingrid Hunger zur Vorstellung, die B26n würde nur bis Karlstadt gebaut

Perspektivwechsel: Vehement setzt sich die IHK Würzburg-Schweinfurt in einer Stellungnahme ans Bundesverkehrsministerium dafür ein, dass die B 26n schnellstmöglich und in einem Rutsch durchgehend von Arnstein bis zur A 3 gebaut wird. Die IHK begrüßt, dass im neuen Bundesverkehrswegeplan der Bau von Arnstein bis Karlstadt als vordringlich eingestuft ist, mahnt aber auch: Ohne die Weiterführung von Karlstadt bis zur A 3 im Süden des Landkreises bleibe die B 26n jedoch ein Stückwerk.

Harald Freund, Vorsitzender des Gremialausschusses Main-Spessart, ging in der Sitzung in Lohr so weit zu sagen, dass der Bau nur eines ersten Abschnitts der B 26n für weite Teile des Landkreises sogar eher eine Verschlechterung in Form von größerer Verkehrsbelastung bedeuten würde. Die B 26n müsse unbedingt in einem Zug bis zur A 3 durchgezogen werden, forderte auch Rudi Hock, Busunternehmer aus Hausen. Eine Weiterführung Richtung Altfeld sei jedoch deutlich sinnvoller als Richtung Helmstadt.

IHK-Bereichsleiter Oliver Freitag sagte, dass die IHK einen durchgehend vierspurigen Bau der B 26n fordere. Auf der Strecke müsse überdies Mautpflicht gelten.

Lohrs Bürgermeister Mario Paul sprach davon, dass alleine die B 26n dem Landkreis „keine oder nur eine eingeschränkte Verbesserung“ bringen werde. Deren Bau müsse einhergehen mit einer Ertüchtigung von Staats- und Kreisstraßen. Werde nur der erste Abschnitt gebaut, werde sich in den Kreis ein Verkehrsstrom ohne sinnvolle Weiterführung ergießen.

„Für Lohr wäre das eine einzige Katastrophe. Der ganze Verkehr würde sich durch die Stadt wälzen“, sagte auch Ingrid Hunger, Geschäftsführerin der Lohrer Hunger-Gruppe.

Aus den Äußerungen der IHK-Vertreter wurde jedoch deutlich, dass die Hoffnung auf einen Bau der B 26n in einem Rutsch eher gering ist. Stattdessen müsse man auf einen „Bayerischen Weg“ setzen, also auf den zügigen Ausbau der Staatsstraßen im Landkreis, so der Tenor.

Die Anhörung zum BVWP läuft noch bis einschließlich 2. Mai.

Nicht festgelegt auf eine der beiden Varianten (alte Trasse oder Mottgersspange) hat sich die IHK beim Ausbau der Bahnverbindung Frankfurt-Würzburg. Sie begrüßt diesen Ausbau allerdings grundsätzlich.

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