KARLSTADT

BI KH Karlstadt: Klinikleitung und Landrat tragen die Schuld

In einer Stellungnahme übt die Bürgerinitiative Krankenhaus Karlstadt (BI KH KAR) Kritik am Leserbrief des Kreisrats und Partensteiner Bürgermeister Stephan Amend. mit der Bitte um Veröffentlichung. Niemand anders als Klinikverwaltung, Landrat und Kreistag hätten den Chirurgen – und damit dem Krankenhaus – den Stecker gezogen.

Die BI schreibt: „So bedauerlich die nun absehbare und unvermeidbare Schließung des Krankenhauses in Karlstadt auch ist – es müssen dafür aber auch Ross und Reiter genannt werden. Die alleinige Schuld für diese Entscheidung liegt bei der Klinikleitung, dem Landrat und einem Großteil des Kreistages.

Nachvollziehbare Entscheidung

Die Ärzte waren durch deren Entscheidungen gezwungen, diese konkreten Konsequenzen zu ziehen. Medizinisch wurde die Versorgung der ihnen anvertrauten stationären Patienten durch einseitige Verschlechterung der Rahmenbedingungen immer schwieriger. Als Verantwortliche für die Patientenversorgung in ihrer ambulanten Praxis und das Wohl ihrer Angestellten müssen sie natürlich auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sicherstellen. Das kann man als Eigennutz ansehen, ist aber auch deren gutes Recht.

Auch Chef- und Oberärzte arbeiten nicht umsonst. Es sei dahin gestellt, welche Sichtweise man einnimmt, wesentlich ist die Ursache, die dem Entwicklungsprozess der Standorte Karlstadt und Marktheidenfeld geschuldet ist, mit dem letzten Höhepunkt der Abstimmung des Kreistages am 10. März diesen Jahres im Historischen Rathaus Karlstadt.

Den Belegärzten hat man die Grundlagen für ihre medizinische Tätigkeit entzogen: Notaufnahme und Hauptabteilung geschlossen, Assistentenverträge gekündigt, Labor und Röntgen dicht gemacht (Anm. der Red.: laut Klinikreferent Bett sind Labor und Röntgen in Karlstadt nicht gefährdet), den dritten chirurgischen Belegarzt Dr. Schneider nicht zugelassen!

Man darf hier keineswegs die Tatsachen und die chronologische Reihenfolge verfälschen. Die Ärzte haben lediglich reagiert, mussten reagieren. Manche Operationen erfordern eine gründliche Vorbereitungszeit von Monaten. Dass sie für sich und ihre Patienten ein medizinisch planbares stabiles und sicheres Behandlungsumfeld sicherstellen ist ganz normal und entsprechend dem Anspruch an die Behandlungsqualität verpflichtend.

Interessen von Amend offenkundig

Kreisrat und Bürgermeister Stephan Amend urteilt hier absolut nicht fair. Er hat ja auch eindeutig dargelegt, wo seine Interessen liegen. Lieber die eigene Kommune bevorzugen, als die gesamte Bevölkerung in MSP zu sehen. Das spricht für sich. Der BI KH Karlstadt geht es ausschließlich um den Verlust für die betroffene Bevölkerung im Umfeld der Klinikstandorte Karlstadt und Marktheidenfeld, sowie einen verträglichen sanften Übergang in die Einhäusigkeit des Klinikums. Das ging bisher leider auf der ganzen Linie daneben und für unseren Bereich wie auch für Marktheidenfeld. Und dafür sind definitiv nicht die Chirurgen verantwortlich.

Sondern vor allem der Kreistag mit Leuten wie Ihnen, Herr Amend. Für Ihre angesprochene kommunale Kostenbeteiligung, die Kreisumlage, verbunden mit dadurch fehlenden Mitteln für wichtige Investitionen im eigenen Gemeindegebiet wünschen wir Ihnen viel Glück. Auch allen anderen, die diese Situation in diesem Zusammenhang als Vorwand nehmen.

Allerdings ist es sehr fraglich, ob durch derartige Maßnahmen nicht nur ein sehr kurzfristiger positiver betriebswirtschaftlicher Effekt auf Kosten der medizinischen Gesundheitsversorgung erzielt wird und ob die Umlage dadurch überhaupt reduziert werden kann. Nebenbei bemerkt, müssen sich alle anderen Bürgermeister von Gemeinden, die händeringend versuchen, Haus- und Fachärzte in ihren Einzugsbereich anzusiedeln, anhand des dargestellten öffentlichen Meinungsbildes über den freiberuflichen Arztberuf nun noch mehr anstrengen.

Acht Jahre mit gealterter Einrichtung

Eines ist jedoch gewiss: Die Städte Karlstadt und Marktheidenfeld, mit den umliegenden Kommunen, zahlen nun weiterhin für mindestens acht Jahre die gealterte medizinische Einrichtung in Lohr durch die Kreisumlage – und können den Nutzen im eigenen Umfeld gar nicht erfahren, weil ihre Einrichtungen geschlossen werden. Und das neue und ,exzellente‘ Klinikum liegt noch in weiter Ferne. Es gibt nur das alte, im konstanten Umbau befindliche Krankenhaus Lohr. Wer braucht einen 120-Millionenbau wenn anscheinend für acht bis zehn Jahre der jetzige Altbau den gesamten Main-Spessart exzellent versorgt? Gute Politik sieht anders aus!“

Rückblick

  1. Im Zentrum Lohrs: Rexroth geht - Klinikum Main-Spessart kommt
  2. Masterplan 2020 kommt: Bostelaar will attraktiveres Krankenhaus und geringeres Defizit
  3. proMar: Krankenhaus-Projekt durchsichtiges Wahlkampfmanöver
  4. Krankenhaus-Nachnutzung: Marktheidenfeld könnte Vorzeigeprojekt werden
  5. Bezirkskrankenhaus: Neues Gewächshaus für 1,1 Millionen Euro
  6. Krankenhaus Marktheidenfeld: Gleichwertiger Ersatz nicht möglich
  7. Kommentar zum Klinikum: Es zählt, was herauskommt
  8. Der nächste große Schritt fürs Klinikum Main-Spessart
  9. "Was soll ich den Frauen sagen?": Hebamme kämpft für Geburtshilfestation
  10. Umbau des Karlstadter Krankenhauses: Vorfreude auf Ärztehaus
  11. Main-Spessarts Klinikreferent Bostelaar will die Betten füllen
  12. Rettungsdienst brachte 188 Herzinfarktpatienten ins Klinikum
  13. Aus Klinikum Main-Spessart soll Kommunalunternehmen werden
  14. Neuer Klinikreferent Bostelaar: "Krankenhaus-Neubau ist der richtige Weg"
  15. Neuer Klinikreferent René Alfons Bostelaar vorgestellt
  16. Nachnutzung Krankenhaus: Pläne werden konkreter
  17. Neues Klinikum: Wie klimafreundlich soll der Neubau werden?
  18. Wie das ehemalige Karlstadter Krankenhaus umgestaltet wird
  19. Neues Klinikum in Lohr: 2020 soll Erschließung beginnen
  20. Klinikum: Aus Eigenbetrieb ein Kommunalunternehmen machen?
  21. Betz: Neuer Klinikreferent soll bis September feststehen
  22. SPD-Fraktion: Bei Krankenhäusern auf dem richtigen Weg
  23. Klinikreferent Gregor Bett akzeptiert seine Kündigung
  24. Klinik-Sprecherin: Haftungsrecht spricht für Zentralisierung
  25. Kurt Schreck zur Kündigung des Klinikreferenten: Beweggründe darlegen
  26. Leserforum: Rote Karte für Kreisräte
  27. Standpunkt: Die Vision über alles gestellt
  28. MSP-Klinikreferent Gregor Bett kehrt nicht mehr zurück
  29. Landkreis Main-Spessart trennt sich von Klinikreferent Gregor Bett
  30. KVB-Praxis in Lohr: Beschwerden hier, Zufriedenheit dort
  31. Bebauungsplan Klinikum: Stadtrat sagt "Ja" zum Entwurf
  32. Wenig Neues in Sachen Krankenhaus Marktheidenfeld
  33. Stadtrat tendiert zu Ärztehaus
  34. Stiefkind, nicht Sorgenkind des Klinikums
  35. Prof. Dr. Hassan verlässt das Klinikum schon wieder
  36. Statt Krankenhaus ein „Campus der Generationen“
  37. Bürgerinitiative verabschiedet Krankenhaus mit Trauerzug
  38. BI fordern: Konsequenzen aus Misere in Klinik ziehen
  39. Klinikum: Riesige Resonanz beim Tag der offenen Tür
  40. Die Chefärzte stehen am Kochtopf
  41. Ärztehaus: Stadt geht vorerst keinen Sonderweg
  42. Leserforum: Budgetierung ist der größte Unfug
  43. Infos über ein mögliches MVZ
  44. Klinikneubau als T, H oder Doppel-Null
  45. Klinikum: Mehr Patienten finden den Weg nach Lohr
  46. Standpunkt: Der Staat soll bitte weltlich bleiben
  47. Karlstadt macht am 1. Oktober 2017 zu
  48. Mehr Platz in den Seniorenheimen
  49. Bett: Vorfreude auf Zentralklinik wächst
  50. Klinikum appelliert: Im Notfall Umwege vermeiden

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Marktheidenfeld
  • Lohr
  • Gemünden
  • Karlstadt
  • Bürgerinitiativen
  • Chirurgen
  • Stephan Amend
  • Zentralklinikum Main-Spessart
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!