MAIN-SPESSART

BI fordern: Konsequenzen aus Misere in Klinik ziehen

Von einer „vermeidbaren Misere in der Notfallversorgung“ schreiben Maria Schneider (Karlstadt) und Ludwig Keller (Marktheidenfeld) von den Bürgerinitiativen „Krankenhaus Karlstadt“ sowie „Pro MAR“ im Hinblick auf das Klinikum Main-Spessart. Sie beziehen sich auf den Artikel „Personal am Klinikum überlastet?“ vom 14. September, in dem der Birkenfelder Uwe Rentz seine Erfahrungen als Notfallpatient am Krankenhaus in Lohr schilderte und Kritik äußerte – die Klinikreferent Dr. Gregor Bett umgehend zurückwies.

Schneider und Keller schreiben in ihrer gemeinsamen Stellungnahme:

„Die Menschen in Main-Spessart sind Herrn Rentz zu Dank verpflichtet, dass er seine leidvollen Erfahrungen als Patient im Lohrer Krankenhaus öffentlich macht. Zahlreiche andere Patienten berichten Ähnliches, gehen damit aber nicht an die Öffentlichkeit. Respekt vor Herrn Rentz, dass er die Missstände so klar und offen anspricht.“

Klinikleitung soll mögliche konzeptionelle Fehler einräumen

Die Stellungnahme der Klinikleitung zur Kritik von Herrn Rentz sei ebenso peinlich wie armselig. „Warum stellt Klinikleiter Bett mit seinem Kalauer vom ,eingewachsenen Zehennagel‘ Patienten an den Pranger, statt sich ernsthaft mit den Ursachen der Fehlentwicklungen zu befassen? Versucht er damit von den eigentlichen Gründen der Misere abzulenken? Die Ursachen der Probleme werden primär beim Patienten gesehen. Mögliche interne Ursachen, wie etwa konzeptionelle Fehler, erörtert die Klinikleitung wohlweislich nicht.

Dabei war absehbar, dass es zu den jetzt beklagten Engpässen am ,Altstandort‘ in Lohr kommt. Denn dieser verfügt weder über die erforderlichen Kapazitäten noch über die räumlichen Strukturen eines zeitgemäßen Zentralkrankenhauses. Die von der Klinikleitung immer wieder angeführten Brandschutzmaßnahmen sind für die Probleme nicht ursächlich, dokumentieren aber organisatorisches Versagen: Warum werden vorhandene Notaufnahmen vorzeitig geschlossen und an einem Ort zusammengelegt, dem dafür die Voraussetzungen fehlen? Diese folgenschwere Fehlentscheidung kritisiert Herr Rentz völlig zu Recht.“

BI: Karlstadt und Marktheidenfeld wurden vorzeitig geschlossen

Die BI-Sprecher stellen fest:

„1. Die Notfallambulanzen in Marktheidenfeld und Karlstadt waren in der Lage, Notfallpatienten gemäß den Anforderungen der medizinischen Leitlinien zu behandeln.

2. Die erforderlichen Geräte und Einrichtungen standen zur Verfügung. Bei Feststellung eines schweren Krankheitsbildes war die umgehende Verlegung in ein Krankenhaus der Maximalversorgung sichergestellt.

3. Mit diesen bewährten Einrichtungen hätte sich die Zeit bis zur Errichtung des neuen Klinikums gut überbrücken lassen. So war es ja auch im Grundsatzbeschluss des Kreistags vorgesehen.

4. Die vorzeitige Schließung der Notaufnahmen in Karlstadt und Marktheidenfeld hat die Situation der Notfallpatienten drastisch verschlechtert.

5. Die Menschen in Main-Spessart sind in den nächsten Jahren einer vom Patientenandrang überforderten Notfallversorgung in einem räumlich beengten, stressbelasteten Krankenhaus ausgeliefert.

Wie lange wollen die politischen Entscheidungsträger, die mit der vorzeitigen Schließung der Notaufnahmen ihre eigenen Beschlüsse ignorierten, diesem Trauerspiel noch zusehen? Angesichts von Erfahrungen, wie sie unter anderem Herr Rentz machte, fordern wir sie auf, die längst überfälligen Konsequenzen zu ziehen. Denn auch im Klinikbereich gilt: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Es ist an der Zeit, dass im Gesundheitswesen unseres Landkreises wieder der Mensch und seine Bedürfnisse zum Maßstab des Handelns werden.“

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