Lohr

Baggern für den Hochwasserausgleich

Die Stadt Lohr hat die Genehmigung für eine Ausgleichsfläche erhalten, mit der Bauvorhaben im Überschwemmungsbereichs des Mains kompensiert werden können. In den Wiesen Unterhalb der TSV-Tennisplätze an der Jahnstraße kann abgebaggert werden, um an anderer Stelle bauen zu können.

Wie am Dienstag in der Sitzung des Umweltausschusses des Stadtrates deutlich wurde, stehen schon die ersten Abbuchungen von diesem "Retentionsraumkonto" fest. Von den gut 19 000 Kubikmetern, die es umfasst, sind bereits gut ein Drittel für verschiedene Bauvorhaben vorgemerkt.

Der städtische Umweltreferent Manfred Wirth erinnerte in der Sitzung daran, dass 2014 die Überschwemmungsbereiche des Mains neu definiert wurden. Daraus hätten sich "gewaltige Restriktionen" für das Lohrer Stadtgebiet ergeben. Unter anderem liegen nun weite Teile des Industriegebietes Süd im Überschwemmungsbereich. Bauvorhaben sind dort ohne Ausgleich nicht möglich.

Die Stadt habe sich daher 2015 auf die Suche nach einer Ausgleichsfläche gemacht. Fündig wurde sie in einem rund 12 600 Quadratmeter großen Grundstück am Mainufer unterhalb der TSV-Tennisplätze. 2015 stellte die Stadt den Antrag auf Genehmigung des Projektes für das Retentionsraumkonto. Nun, zwei Jahre später, kam die Genehmigung.

Noch fehlen Haushaltsmittel

Es kann nun also in den Mainwiesen abgebaggert werden, um dem Hochwasser den Raum zu geben, der ihm andernorts entzogen wird. Voraussetzung ist freilich, dass die Stadträte die Haushaltsmittel zur Verfügung stellen. Ob dies bereits für 2020 der Fall sein wird, bleibt angesichts der Haushaltslage der Stadt abzuwarten.

Laut früherer Kostenschätzungen wird das Abbaggern der gut 19 000 Kubikmeter rund 535 000 Euro kosten. Diese Summe könnte sich aufgrund aktueller Baupreise erhöhen. Hinzu kommt Planungskosten und der Grundstückspreis, der Laut Wirth knapp sieben Euro beträgt.

Wohl gut 40 Euro pro Kubik

Die Stadt will das Retentionsraumkonto für sich kostendeckend betreiben. Deswegen werden alle Kosten anteilig auf die zum Ausgleich verpflichteten Bauwerber umgelegt. Pro Kubikmeter Ausgleichsvolumen könnte so ein Preis von über 40 Euro zusammenkommen.

Wie Wirth erklärte, liegen schon für drei Bauvorhaben Anträge der Bauherren vor. Demnach muss das Autohaus Möhler & Huth für seinen Hallenbau am Landgraben ebenso einen Hochwasserausgleich schaffen wie der Investor, der auf dem Areal des Aloysianums Wohnbebauung plant, oder die Energieversorgung, die eine Verteilerstation errichten will.

Die Stadt schließt mit den Bauherren für jeden Einzelfall einen Vertrag. Das Konto steht nicht nur Unternehmen zur Verfügung, sondern auch privaten Bauherren, betonte Wirth. Bürgermeister Paul ergänzte, dass das Konto freilich kein Blankoscheck für sämtliche Bauvorhaben im Überschwemmungsbereich des Mains sei. Jedoch biete die Stadt mit ihm einen wichtigen Service für Unternehmen und private Bauherren, so Wirth.

Gut ein Drittel schon weg

Er erklärte schließlich, dass er eigentlich gedacht habe, dass die Ausgleichsfläche für Vorhaben der nächsten 30 Jahre reiche. "Doch dem ist wohl nicht so", sagte der Umweltbeauftragte angesichts der Tatsache, dass von den gut 19 000 Kubikmetern bereits bereits rund 7000 für diverse Vorhaben vorgemerkt oder bereits verbucht sind.

Allerdings, so Wirth, habe man 2015 bei der Suche neben der nun genehmigten Fläche noch weitere ins Auge gefasst. So gebe es beispielsweise in den Sendelbacher Mainauen noch ein weiteres Grundstück, das eventuell aus Retentionsraum genutzt werden könnte, wenn das jetzige Konto aufgezehrt ist.

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